Wie du das Evangelium mit einer Generation teilst, die Scham vor Schuld empfindet.

Vor nicht allzu langer Zeit fiel mir eine Werbung auf den Bussen auf, die durch unsere Stadt fahren. Hinten drauf prangte in großen Buchstaben: »Für einen sündigen Shopping-Ausflug: Nimm den X5 nach Oxford.«

Als wir anfingen, mit jungen Menschen in unserer Gegend zu arbeiten, fanden wir bei ihnen kaum noch Spuren der Jesus-Geschichte. Vor einigen Generationen wurde der christliche Glaube unter einer dicken Schicht kulturellen Staubs begraben, und mit ihm jedes echte Bewusstsein für unser Sündenproblem. Was ist Sünde für diese Generation? Sünde ist nur noch ein kleines guilty pleasure, das man sich ab und zu gönnt: um Dampf abzulassen, der eigenen mentalen Gesundheit etwas Gutes zu tun und die eigene Identität auszudrücken. Solange niemand verletzt wird, ist so ziemlich alles in Ordnung.

Es sollte uns also nicht überraschen, wenn viele aus dieser Generation ungerührt bleiben, wenn wir die gute Nachricht weitergeben: »Jesus kann dir deine Sünden vergeben.« Nicht nur haben zentrale Begriffe ihre Bedeutung verloren. Auch die Vergebungs-Seite des Evangeliums hat auf dem Gefühlskonto der Gen Z massiv an Wert eingebüßt. Kurz gesagt: Sie fühlen sich nicht besonders schuldig, und deshalb sehnen sie sich auch nicht danach, mit einem heiligen Gott ins Reine zu kommen.

2024 befragte Youthscape 1000 junge Menschen und veröffentlichte eine faszinierende Studie mit dem Titel Translating God. Die Ergebnisse decken sich mit vielem, was wir selbst erlebt haben:

»Wir können nicht davon ausgehen, dass junge Menschen die Idee von Sünde, Umkehr und der Notwendigkeit persönlicher Veränderung akzeptieren. Evangeliums-Präsentationen laden Menschen oft ein, einen Zustand der Gefallenheit anzuerkennen. Aber für viele junge Menschen ist das keine Selbstverständlichkeit.« — Youthscape Centre for Research, Translating God, Teil 2

Wie also präsentieren wir als Eltern und Mitarbeiter in der Jugendarbeit das Evangelium einer Generation, die Sünde bestenfalls als harmloses guilty pleasure definiert und schlimmstenfalls als Voraussetzung für Selbstausdruck? Welche neuen Türen müssen wir aufschließen, um diese Generation zu erreichen? Und wie tun wir das so, dass es Neugier auf das Evangelium weckt und ihre Herzen erreicht?

Der erste Schritt ist, diese Realität anzunehmen: Die Gen Z fühlt sich nicht besonders schuldig, aber sie trägt ein starkes Gefühl von Scham mit sich, weil sie in einer gefallenen Welt lebt. Je mehr wir uns in das enorme Gewicht einfühlen, das junge Menschen durch diese Scham tragen, desto wirksamer können wir das Evangelium so kommunizieren, dass es direkt zu ihren gefühlten Bedürfnissen spricht.

Scham oder Schuld?

Schlüsseln wir das auf. Schuld heißt: »Ich habe etwas Schlechtes getan.« Scham heißt: »Ich bin schlecht.« Während es bei Schuld um Verhalten geht, geht es bei Scham im Kern um Identität. Scham ist das bleischwere Gefühl, nicht zu genügen, und wahrscheinlich nie zu genügen. Eine kaputte Dauerschleife der Verurteilung. Sie richtet den Scheinwerfer junger Menschen auf ihre Schwächen und macht sie blind für ihren Wert. Scham nimmt das Körperbild: »Wenn ich aussehen würde wie die Gym-Typen auf TikTok, würde man mich lieben«, und übersetzt es in Wert: »Ich bin nicht liebenswert.« Scham macht aus Fehlern: »Ich habe in den letzten drei Fußballspielen versagt«, eine Identität: »Ich bin und bleibe ein hoffnungsloser Versager.« Scham springt von erlittenem Unrecht: »Mein Vater ist gegangen, als ich zehn war«, zur Unfähigkeit, die eigene Zukunft zu gestalten: »Ich bin definiert durch das, was ich erlitten habe, und weniger wert als andere.«

Scham als Tür zum Evangelium zu nutzen, ist kein neuer Ansatz. Missiologen, besonders solche, die in asiatischen und südamerikanischen Kulturen arbeiten, haben uns seit Jahren verstehen geholfen: Wenn die gute Nachricht die Herzen von Menschen in traditionellen Ehre-Scham-Gesellschaften erreichen soll, müssen wir das Evangelium anders präsentieren als im Westen. Wir fangen also nicht bei null an. Wir haben viel von diesen Missiologen gelernt, und aus unserer eigenen Arbeit mit jungen Menschen. Wir sind überzeugt: Wenn Christen lernen, das Evangelium so weiterzugeben, dass es Scham anspricht und nicht nur Schuld, öffnet das Türen zu dieser Generation.

Das Evangelium für die Scham

Was genau ist denn die gute Nachricht für Menschen, die in Scham ertrinken? Die gute Nachricht ist: Jesus weiß alles über uns und bietet uns trotzdem Annahme an. Jesus allein hat die Macht, die Festungen der Selbstverurteilung zu brechen, unseren Status als Außenseiter umzukehren und uns als Zugehörige in die Familie des Vaters aufzunehmen. Er prägt uns eine neue Identität ein: als zutiefst geliebte Söhne und Töchter.

Werden wir praktisch. Wie können wir das Evangelium wirksamer mit einer Generation teilen, die Scham vor Schuld empfindet? Hier sind drei konkrete Wege, wie du jungen Menschen in deinem Umfeld helfen kannst zu begreifen, dass das Evangelium gute Nachricht ist:

1. Nutze identitätsprägende Sprache: »Du kannst Teil von Gottes Familie werden«

Die Gen Z fragt sich zuerst, ob sie wertvoll und liebenswert ist, und erst dann, ob ihr vergeben werden kann. Wenn sie hört, dass der Gott der Bibel ihren Status von draußen nach drinnen verändern kann, zu geehrten Zugehörigen, dann spricht das ihre tiefsten Sehnsüchte an. Deshalb beginnen wir in unserer Arbeit mit jungen Menschen mit Formulierungen wie »Werde Teil von Gottes Familie« statt »Lass dir von Gott vergeben«. Falls dir das zu flach klingt: Das Neue Testament benutzt diese Sprache regelmäßig, um Bekehrung zu beschreiben:

»Ich werde die mein Volk nennen, die nicht mein Volk waren … Dann werden sie Kinder des lebendigen Gottes genannt.« (Römer 9,25-26)
»Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk, das Gott selbst gehört … Früher wart ihr kein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk.« (1. Petrus 2,9-10)

Natürlich befreit uns das Kreuz von unserer Schuld. Aber es kehrt auch unseren Status um: vom Außenseiter zum willkommenen Mitglied von Gottes Familie. Das ist eine sehr gute Nachricht für eine Generation, die von Scham gelähmt ist.

2. Erzähle identitätsprägende Geschichten: Jesus nimmt unsere Scham weg

Die Gen Z ist, wie alle Menschen, durch Geschichten geprägt. Fakten und Informationen über das Evangelium bewegen ihre Herzen vielleicht nicht, Geschichten schon. Wenn wir das Evangelium mit der Gen Z teilen, sollten wir mit Geschichten beginnen, in denen Jesus Scham umkehrt. Präge dir Geschichten wie diese ein und benutze dabei die Sprache der Scham, damit du schnell und einfach zeigen kannst, dass Gott unseren Status verändern und uns eine neue Identität geben kann:

  • Die blutende Frau wird gesehen und geheilt, aber außergewöhnlich ist: Ihre Scham wird weggenommen, weil Jesus sie »Tochter« nennt (Markus 5,25-34).
  • Der Aussätzige war sozial ausgestoßen und wurde kleiner gemacht als andere. Aber Jesus bewegt sich auf ihn zu statt von ihm weg, und seine heilende Berührung verändert seinen Status vom Außenseiter zum Zugehörigen (Markus 1,40-45).
  • Zachäus war für die Juden ein schmutziger, abgelehnter Außenseiter. Aber Jesus holte ihn zu sich und stellte seine Ehre wieder her (Lukas 19,1-10).
  • Am Kreuz ging Jesus durch die äußerste Ausgrenzung, um unsere Sünde und unsere Scham zu tragen (Hebräer 12).

3. Sprich identitätsprägende Wahrheit aus: »Du bist geliebt und angenommen«

Jugendliche und junge Erwachsene spüren das Gewicht der Scham, aber die meisten haben keine Sprache dafür. Deshalb stelle ich den jungen Frauen, die ich begleite, oft diese Frage: »Was fühlt sich gerade schwer an?« Dann höre ich auf Selbstverurteilung und versuche behutsam, sie von einem Unter-dem-Tisch-Gefühl zu etwas zu machen, worüber wir offen reden können.

Wir üben auch regelmäßig Wahrheiten ein, die Scham auflösen und die Lügen des Bösen ersetzen. Wahrheiten wie: »Du bist zutiefst geliebt, vollständig vergeben und vollkommen in Christus Jesus.« Oder: »Es gibt nichts, was du tun kannst, damit Gott dich mehr oder weniger liebt, als er es genau jetzt schon tut.«


Die Identität der Gen Z anzusprechen ist der Startpunkt, an dem das Evangelium nach guter Nachricht klingt. Wenn wir uns in ihre Scham einfühlen, können wir ihnen helfen, Jesus so zu begegnen, dass er ihre tiefsten Bedürfnisse berührt. Er allein kann ihnen eine neue Identität geben, sie von diesem erdrückenden Gewicht der Scham befreien, ihre Sünde vergeben, sie von der Angst vor anderen Mächten und Menschen freimachen und sie in die Familie Gottes aufnehmen.

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Jesus weiß alles über uns und bietet uns trotzdem Annahme an. Er prägt uns eine neue Identität ein: als zutiefst geliebte Söhne und Töchter.

Quellen: Youthscape Centre for Research, »Translating God« (Feel-Good News, Part 2), youthscape.co.uk. · Neil T. Anderson, »Steps to Freedom in Christ«, Lion-Hudson, 2009.

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In Zusammenarbeit mit Start to Stir. Original von Joy Stevens: »Why the Gospel may not sound like good news to Generation Z«. Deutsche Übersetzung: Andy Fronius (Pulse-Team).