»Es ist ein bisschen viel.«
Beim Mittagessen beschrieb mir das junge Paar, das seit Kurzem meine traditionelle Innenstadtkirche mit Kirchturm besucht, wie es unseren zweiten Gottesdienst erlebte.
Mir ist in den letzten beiden Jahren ein Trend in meiner Gemeinde aufgefallen: Junge Erwachsene Mitte zwanzig kommen zu unserem ersten, frühen Sonntagmorgengottesdienst, ohne jede vorherige Verbindung zur Kirche. Das ist besonders bemerkenswert, weil dieser erste Gottesdienst die abgespeckte Variante des zweiten ist, der oft mit Orchester, Orgel, Klavier und einem hundertstimmigen Chor aufwartet. Im Gespräch mit den jungen Erwachsenen aus dem ersten Gottesdienst zeigt sich immer wieder dasselbe Thema: ihre Sehnsucht nach Stille in einer chaotischen Welt. Sie suchen bewusste Zeit, um ihre Gedanken zur Ruhe zu bringen, mit ihrem Herzen in Berührung zu kommen und auf Gottes Stimme in ihrem Leben zu hören.
In einem digitalen Zeitalter aus permanenter Empörung und dem algorithmischen Lärm der sozialen Medien ist die größte Stärke der Kirche ihre Fähigkeit, stille Räume zu bieten, in denen man Sinn und Bedeutung findet. Junge Erwachsene tauchen in liturgischen oder traditionellen Räumen auf, wie der jüngste Anstieg der Besuche in katholischen und orthodoxen Kirchen zeigt, nicht wegen der »Show«, sondern wegen der Stille, der Rituale und der Verwurzelung in uralten Praktiken, die ihnen helfen, ihren Platz in Gottes Geschichte zu finden.
Dieser Trend deckt sich mit unserer Growing-Young-Forschung. Ein zentrales Ergebnis: Junge Menschen suchen warme Gemeinschaften mehr als aufwendig produzierte Gottesdienste, trendiges Design und professionellen Feinschliff. Für viele ist Wärme kein vages Gefühl. Wenn sie ihre Gemeinde beschreiben, benutzen junge Menschen immer wieder Worte wie einladend, annehmend, zugehörig, echt und gastfreundlich. Junge Menschen bleiben viel eher in einer Gemeinde wegen generationenübergreifender Beziehungen als wegen der neuesten Worship-Band oder des neuesten Predigt-Trends. Nicht ohne Grund sagen wir oft:
Wärme ist das neue Cool.
Hilf jungen Menschen, den Heiligen Geist in der lauten Welt von heute zu erleben
Immer mehr junge Menschen suchen Sinn und Bedeutung auf »neuen« Wegen, indem sie sich dem zuwenden, was sich über die Zeit bewährt hat. Um einen stillen Raum zu schaffen, der eine Generation auf der Suche nach Verwurzelung anspricht, müssen Gemeinden über das bloße Leiserdrehen im Gottesdienst hinausgehen. Es geht darum, Momente der Stille zu schaffen, in denen die uralten Praktiken unseres Glaubens auf das moderne Ringen um Identität, Zugehörigkeit und Sinn treffen.
Hier sind zwei Wege, wie du jungen Menschen helfen kannst, den Heiligen Geist in der lauten Welt von heute zu erleben.
1. Hol dir die Stille als Glaubensritual zurück
In den meisten Gemeinden entsteht Stille dann, wenn es eine ungewollte Pause oder eine technische Panne gibt. Selten wird Stille bewusst genutzt, um jungen Menschen Halt zu geben. Wir können ihnen helfen, indem wir Stille neu rahmen: als aktive, uralte Praxis.
Versuche bei deinem nächsten Gottesdienst oder Treffen, bewusste, zeitlich begrenzte Phasen der Stille einzubauen. Fang mit 60 Sekunden nach einer Bibellesung an. Ermutige die Leute, zu atmen, auf ihren Herzschlag zu hören und den Text auf sich wirken zu lassen. Anfangs mag sich eine Minute wie eine Ewigkeit anfühlen. Doch mit der Zeit, wenn du immer wieder Momente der Stille schaffst, werden junge Menschen sich in sie hineinlehnen, weil sie sich nach Stille in ihrem Leben sehnen.
2. Sprich alle fünf Sinne an
Gestalte Lehre und Erfahrungen, die ein leibhaftiges Verständnis des Evangeliums nähren. Fördere erfahrungsbezogenes Lernen, indem du, wo immer möglich, alle fünf Sinne ansprichst. Statt eines Videos könntest du zum Beispiel über ein Werk sakraler Kunst nachdenken lassen. Nutze natürliches Licht wie Kerzen, wo es geht. Verbinde neben dem Abendmahl auch sonst Essen mit deiner Lektion oder Botschaft, um Geschmack und Geruch einzubeziehen. Gib jungen Menschen ein kleines Kreuz oder glatte Steine in die Hand, während sie über einen Bibeltext nachdenken. Es gibt viele Wege, die Sinne anzusprechen und ihnen so zu helfen, die Botschaft des Evangeliums zu erleben.
Die Verbindung schaffen, nach der sich junge Menschen sehnen
Viele junge Menschen suchen mehr auf ihrem Glaubensweg. Sie sehnen sich nach Orten, die ein stiller Mittelpunkt in ihrer lauten Welt sein können. Sie suchen Wege, tiefer zu gehen. Sie hungern nach warmen Beziehungen.
In vielen Gemeinden wird es mehr als nur programmatische Änderungen brauchen, um die jungen Menschen von heute zu erreichen. Vielleicht ist ein kultureller Wandel in der ganzen Gemeinde nötig, um jungen Menschen dort zu begegnen, wo sie stehen, und ehrlich auf ihre Bedürfnisse zu hören, ohne etwas vorauszusetzen.
Diese Arbeit ist nicht leicht.
Die Zukunft der Kirche liegt nicht in besseren Programmen, sondern in den geistlichen Praktiken, die Gläubige seit zwei Jahrtausenden getragen haben.
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In Zusammenarbeit mit Fuller Youth Institute. Original von Andy Jung: »Why Young People Are Choosing Quiet Churches (and What Youth Leaders Can Learn)«. Deutsche Übersetzung: Andy Fronius (Pulse-Team).

