Rebecca McLaughlin über Freya Indias Buch »Girls®« und die Frage, wo für diese Generation Hoffnung liegt.
»Das ist ein ganz schlimmer Notfall.« Meine Tochter war fünf. Mein Mann hatte sie für ein Foto auf einen Ast gesetzt, als sie das verkündete. In Wahrheit war natürlich alles in Ordnung. Zehn Jahre später, im beinahe Sound-of-Music-reifen Alter von fünfzehn, bald sechzehn, gehört sie zum jüngsten Rand der Generation Z, und es geht ihr noch immer gut. Doch wie die britische Autorin Freya India in Girls®: Generation Z and the Commodification of Everything zeigt, gilt das für Millionen ihrer Altersgenossinnen im Westen nicht.
In seinem 2024 erschienenen Buch Generation Angst hat der Sozialpsychologe Jonathan Haidt gezeigt, dass die Generation Z als Kohorte in der realen Welt überbehütet und online zu wenig geschützt wurde. Statt auf Bäume zu klettern, unbeaufsichtigt mit Gleichaltrigen zu spielen, körperliche Risiken zu meistern und selbstständig zu werden, wurde sie in eine Online-Welt hineingezogen, die einen Großteil ihrer Zeit verschlang und ihr Leben tief geprägt hat.
Freya Indias Buch nimmt die Vermarktung der Generation Z in den Blick, und besonders die der jungen Frauen. Um uns auf den Großbrand aufmerksam zu machen, der in dieser Gruppe wütet, berichtet sie: In den USA hätten 2021 »fast ein Drittel der weiblichen Teenager ernsthaft über Suizid nachgedacht, gegenüber 19 Prozent ein Jahrzehnt zuvor, und doppelt so viele wie bei den Jungen«. Das ist, egal wie man es misst, ein ganz schlimmer Notfall. Auf 356 Seiten liefert India einen Blick von innen und eine kluge Analyse dessen, was da genau schiefgelaufen ist.
India zeigt überzeugend, dass moderne Technik die Probleme nicht aus dem Nichts erschafft, sondern »die uralten Ängste verstärkt, die heranwachsende Mädchen schon immer gefühlt haben«. Junge Frauen sind besonders anfällig für Unsicherheit, wenn es um ihr Aussehen, um Liebesbeziehungen, Freundschaften und den sozialen Status geht. Doch diese Verletzlichkeit, so India, wurde gnadenlos ausgebeutet: von Social-Media-Konzernen, Beauty-Influencern, Pornoseiten und Firmen, die Medikamente und Dienstleistungen rund um die psychische Gesundheit verkaufen.
Das ist kein zufälliger Flächenbrand. Es ist Brandstiftung.
Facetuning als »Empowerment«
Indias erstes Beispiel ist das Phänomen des »Facetuning«. Unter dem ständigen Druck, Selfies und Videos zu posten, verbrachten Mädchen der Generation Z unzählige Stunden mit virtueller Schönheitschirurgie. Facetune, eine führende KI-gestützte App, macht Gliedmaßen schlanker, polstert Lippen auf, formt Nasen, glättet die Haut und vergrößert die Brust, damit ein Mädchen ein perfektes Bild posten kann.
Doch dieser Vorgang hat eine verheerende Nebenwirkung. India erinnert sich an das Facetuning ihrer eigenen Teenagerzeit: »Manchmal traf ich versehentlich den Rückgängig-Knopf, sah mein echtes Gesicht aufblitzen und empfand Ekel. Mein Gesicht und mein Körper waren auf einmal unerträglich, auf eine Weise, die mir vorher nie aufgefallen war, die ich jetzt aber nicht mehr übersehen konnte.«
Diese virtuellen Schönheits-OPs, so India, trieben auch ihre realen Gegenstücke in die Höhe: Mädchen kauften immer teurere und tiefgreifendere Schönheitsbehandlungen. Und statt dass all das als schädlich erkannt wurde, sagte man ihnen, es sei Empowerment. »Feiere den #InternationalWomensDay, erobere dir den Blick auf das Bearbeiten deiner Selfies zurück, eine Gewohnheit, die tatsächlich eine kraftvolle Form der #Selbstverwirklichung sein kann«, verkündete 2018 ein Tweet von Facetune.
Wie Ausbeutung als Empowerment ausgegeben wurde, deckt India treffend auf, und das ist der Kern ihres Arguments. »Das war keine Selbstliebe, sondern Selbstbetrug; kein Empowerment, sondern Erniedrigung«, stellt India fest. »Keine dieser Apps, Filter oder Eingriffe half uns, unser wahres Selbst zu finden; wir verloren uns selbst, entfremdeten uns so sehr von dem, wer wir waren, dass wir Dysmorphie und Angststörungen entwickelten.« Doch auch daraus ließ sich Geld machen.
Von Freundinnen zu Therapeuten und Medikamenten
Je mehr Zeit die Mädchen online und je weniger Zeit mit Freundinnen verbrachten, desto mehr wurden sie in Depression und Angst getrieben.
Zugleich wurden sie zur Zielgruppe für Produkte rund um die psychische Gesundheit. »Sich über die eigene psychische Gesundheit zu öffnen, war nicht nur gut für uns«, erinnert sich India, »sondern eine Art moralische Pflicht.« Mädchen teilten ihre Kämpfe, um Stigmata abzubauen, und bekamen gesagt, die Lösung finde sich online. »Während meine Generation sich öffnete, wurden die Algorithmen immer ausgefeilter, lernten uns kennen, protokollierten unsere Verletzlichkeiten und zogen uns tiefer in sie hinein«, so India. »Wir wurden immer weiter in unsere eigenen Unsicherheiten hineingetrichtert, bekamen mehr Anzeichen, Symptome, Ratschläge und, natürlich, Werbung serviert.«
Mehr Zeit online war das Letzte, was die Mädchen brauchten. Aber das Geschäft blühte. »Zwischen Beauty-Influencern, die uns Hautpflege-Routinen und OP-Pläne verkauften«, erinnert sich India, »hatten wir nun Mental-Health-Influencer, bereit, nicht nur zu reparieren, wie wir aussahen, sondern auch, wie wir uns fühlten.«
Social-Media-Plattformen schufen Probleme, die sie anschließend diagnostizierten, und Influencer waren zugleich Opfer und Täter, weil Algorithmen extremes Verhalten und wilde Behauptungen belohnten. Mädchen wurde gesagt, negative Gefühle gegenüber dem eigenen Körper oder das Gefühl, nicht dazuzugehören, seien Anzeichen psychischer Erkrankungen. Doch, so India: »Sich nicht zugehörig zu fühlen, unsicher zu sein und den eigenen Körper zu hassen, das sind nicht nur Symptome von Störungen; es sind auch Symptome davon, vierzehn zu sein.«
Eine Ausprägung dieser Kultur der Selbstdiagnose lag im Bereich der Trans-Identität: »Vielleicht kommst du von der Frage, was Geschlechtsidentität ist, dahin, dass TikToker dir erzählen, ›vergesslich‹ und ›ständig müde‹ zu sein seien Symptome einer Geschlechtsdysphorie (ja, ein echter TikTok), bis hin dazu, dass du Influencern zusiehst, wie sie ihre Mastektomie-Narben zeigen und ihre Vaginoplastik dokumentieren, und dich fragst, ob du selbst eine OP brauchst.« Im Einklang mit dem britischen Cass-Review zur Geschlechtsdysphorie macht India Online-Influencer für die »Explosion der Diagnosen von Geschlechtsdysphorie« bei Mädchen der Generation Z verantwortlich.
Weil den Mädchen leibhaftige Freundschaft fehlte, sprang ein Heer von Therapeuten ein, »eher wie Freunde dargestellt als wie Fachleute«, damit sie »jemanden hatten, der für sie da war«, und Influencer sagten ihnen, sie bräuchten »Medikamente für ganz normale Belastungen des Lebens«.
Indias Anliegen ist nicht, Therapie oder Antidepressiva grundsätzlich schlechtzureden, sondern den außer Kontrolle geratenen Zug aus Diagnose und Verschreibung anzuprangern. Ihr Argument berührt sich hier mit dem von Abigail Shrier in deren 2024 erschienenem Buch Bad Therapy. »Ja, Mädchen leiden in der modernen Welt wirklich«, bekräftigt India, »aber ein großer Teil dieser Krise ist die Vermarktung und Medikalisierung ganz normaler negativer Gefühle.« Manches davon war gut gemeint. Manches war kalkulierte Ausbeutung.
Vom Privatleben zum öffentlichen Post
Als die Herzensgespräche mit der besten Freundin seltener wurden, trat an ihre Stelle das Teilen von Gedanken und Gefühlen, ersten Date-Geschichten und tiefsten Unsicherheiten online. »Genau wie Beauty- und Mental-Health-Influencer mit immer extremeren Inhalten um die Aufmerksamkeit der Mädchen buhlten«, beobachtet India, »standen auch Vloggerinnen unter Druck, immer intimere Momente zu teilen.« Die Mädchen der Generation Z zogen nach. Indias Analyse ist erhellend:
Man sagte uns, es gehe darum, unser Leben mit Freunden und Familie zu teilen, während es in Wahrheit darum ging, unsere Daten mit Firmen zu teilen, damit sie uns gezielter ansprechen konnten. Man sagte uns, es gehe um Verbindung, während wir die Menschen, die wir lieben, zu Stativen machten, um ständig Bilder von uns aufzunehmen. Und in dem verzweifelten Versuch, uns zu definieren und zu dokumentieren, verloren wir uns selbst. Wir teilten unser Leben nicht auf diesen Plattformen; wir lebten es für sie, oft für die Zustimmung von Menschen, die wir nicht einmal kannten oder um die wir uns nicht scherten.
Dieses ständige Posten hatte moralische Fäden. »Je mehr wir unser Leben online teilten, desto größer wurde der Druck, unsere politischen Meinungen zu posten«, reflektiert India. »Moral wurde messbar, sofort danach beurteilt, was wir geteilt hatten oder nicht.«
Da junge Frauen dazu neigen, gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen zu wollen, waren sie besonders darauf bedacht, die richtigen Meinungen zu äußern, um mit ihrem Umfeld Schritt zu halten. Doch das war schwer. »Die ›richtige‹ Position änderte sich ständig«, bemerkt India, »denn die radikalsten Stimmen gingen viral und stiegen an die Spitze unserer Feeds.« Um nicht gecancelt zu werden, wurde von den Mädchen erwartet, »zu allem eine Meinung zu haben: Klimawandel, Zugang zu Abtreibung, Transrechte, internationale Konflikte«. Nichts zu posten war selbst schon eine moralische Handlung.
Es gab also keinen Rückzug aus dem Engagement zu jedem Thema. Mädchen wurden immer stärker exponiert, indem sie öffentlich aufführten, was einst ihr Privatleben gewesen wäre, und indem sie für politische Fehltritte belangt werden konnten. Und selbst als die politischen Narrative, die sie nachplapperten, vorgaben, Frauen zu stärken, erlebten diese Mädchen in Wahrheit das Gegenteil.
Ruin der Beziehungen
Wie India eindringlich beschreibt, wuchsen die Mädchen der Generation Z »in einer Welt auf, in der man sich auf Dating-Apps wie ein Produkt anpreisen muss, in der man gewalttätige Videos auf Pornoseiten sieht, bevor man in die Pubertät kommt, in der Gelegenheitssex und Selbstvermarktung als weibliches Empowerment verkauft werden«. Genau wie das Facetuning das Selbstbild der Mädchen beschädigte und in reale Schönheits-OPs mündete, führte die Allgegenwart gewalttätiger Pornografie dazu, dass einvernehmliche sexuelle Gewalt normalisiert wurde.
India zitiert eine Umfrage unter britischen Männern zwischen 18 und 39 aus dem Jahr 2020, wonach »71 Prozent ihre Partnerin beim einvernehmlichen Sex schon geschlagen, gewürgt, geknebelt oder bespuckt« hatten. Doch statt dies als offenkundige Frauenfeindlichkeit zu erkennen, wurde es als Empowerment verbucht.
India ist nicht die Erste, die darauf hinweist. Louise Perrys The Case Against the Sexual Revolution und Christine Embas Rethinking Sex prangerten beide an, dass sexuelle Gewalt als feministisches Empowerment ausgegeben wird. Doch India kennt diese Welt von innen. »Die 2010er waren die Ära des sexpositiven Feminismus«, erklärt sie, »in der weibliches Empowerment zu bedeuten schien, endlos nach mehr sexueller Freiheit, Erkundung und Ausdruck zu streben. Je mehr eine Berühmtheit sich selbst zum Objekt machte, desto befreiter galt sie.«
Mädchen wurde eingeredet, sexuelle Gewalt und Erniedrigung seien das, was sie wollten, und man gab ihnen das Gefühl, sich schämen zu müssen, wenn ihre Erfahrung sie eines Besseren belehrte.
India zitiert die Sängerin Billie Eilish, die mit 19 erzählte, sie habe, wie viele ihrer Generation, mit elf angefangen, Pornos zu schauen. »Es hat mein Gehirn zerstört«, sagte Eilish 2021. Es habe sie zudem darauf getrimmt, einzuwilligen: »Bei meinem ersten Mal habe ich zu Dingen nicht Nein gesagt, die nicht gut waren, und das lag daran, dass ich dachte, genau darauf müsste ich stehen.«
Dieselbe bizarre Umdeutung von Erniedrigung als weibliche Befreiung wurde genutzt, um Prostitution als Empowerment neu zu rahmen. India zitiert nicht nur Prominente und OnlyFans-Stars, die so reden, sondern auch große britische Universitäten, die (in ihren eigenen Worten) »das Stigma rund um Sexarbeit herausfordern« und Ratgeber für studentische Sexarbeiterinnen anbieten.
Zugleich wurde Mädchen beigebracht, »wie man keine Gefühle entwickelt« für die Männer, mit denen sie Sex hatten. Und, wie India bewegend erklärt, »was wir früher Liebe nannten, sich von den Gefühlen des Partners berühren zu lassen, seine Bedürfnisse an die erste Stelle zu setzen, voneinander abhängig zu sein, wurde zunehmend als ›Co-Abhängigkeit‹ oder ›ängstliche Bindung‹ abgestempelt«. Und nicht nur sexuelle und romantische Bindungen wurden ausgehöhlt. Es war die Liebe in all ihren Formen.
Der Niedergang der Liebe und der Aufstieg der KI
India seziert, wie alle leiblichen Liebesbeziehungen in unserer online-zentrierten Welt schwinden, und wie man den Mädchen sagte, sie sollten ihren Verlust nicht betrauern. So wuchsen die Mädchen der Generation Z in einer Kultur auf, die Scheidung als Selbstliebe und Befreiung feierte und die schädlichen Folgen von Scheidung für Kinder herunterspielte. Man sagte ihnen also, sie sollten nicht traurig sein, dass ihre Eltern sich getrennt hatten.
Statt Trost in leiblichen Freundschaften zu finden, wurden die Mädchen der Generation Z dazu verlockt, Freundschaft über Apps zu suchen, und man erzählte ihnen, die Gemeinschaft, die sie brauchten, gebe es online. Wie India beobachtet, versprachen sogar die giftigsten Plattformen genau das: »Facetune ist mehr als nur eine App; es ist eine Gemeinschaft.« »170 Millionen Amerikaner finden Gemeinschaft auf TikTok.« »Die Pornhub-Community will dich!«
»Das überwältigende Gefühl bei alldem ist Trennung«, schließt India. »Freundschaften sind ausgehöhlt. Familienbrüche haben Mädchen verloren und verlassen zurückgelassen. Gemeinschaft ist nur simuliert. Wir können weiter so tun, als sei das Fortschritt, als sei es Befreiung und nicht Einsamkeit. Aber Mädchen haben sich noch nie so allein gefühlt.«
Und nun wird diese Einsamkeit zu Geld gemacht. Wie India betont, sind KI-»Freunde« und -Partner das ultimative Beispiel dafür, wie Konzerne sich Märkte schaffen: »Ausgerechnet die Firmen, die unsere Freundschaften ausgehöhlt haben, besitzen die Frechheit, uns ihren Ersatz zu verkaufen«, stellt sie fest. »Mädchen und jungen Frauen werden Simulationen menschlicher Verbindung verkauft wie nie zuvor, jede perfekt auf unsere Wünsche und Sehnsüchte zugeschnitten.«
Wir Menschen hungern danach, gekannt und geliebt zu werden.
Ohne echte Menschen, mit denen wir wirklich wechselseitige Beziehungen führen können, verhungern wir. Doch mit einer Infusion, die simulierte Liebe in unsere Adern leitet, können wir uns einlullen lassen und meinen, unsere Bedürfnisse würden gestillt. Genau das bekommen Millionen Mädchen der Generation Z von ihren simulierten Freunden und Geliebten: das Gefühl, dass jemand für sie da ist. Doch in Wirklichkeit ist da niemand.
Eine Diagnose auf der Suche nach einem Rezept
Indias Buch bietet eine überzeugende Diagnose dessen, was die Mädchen der Generation Z durchgemacht haben. Doch zum Zeitpunkt des Schreibens suchte sie noch nach dem richtigen Rezept. Sie ruft zu echten Beziehungen zurück, weiß aber, dass das nicht genügt: »Neben dem Zurücktreten, dem Privaterwerden, dem Investieren in echte Beziehungen und dem Versuch, für andere zu sorgen, müssen wir Glauben finden.« Doch dann schreckt sie zurück: »Nicht unbedingt religiösen Glauben, sondern Glauben an etwas Größeres, die Überzeugung, dass mehr möglich ist als dieses Leben, etwas jenseits von Hedonismus, Konsum und Konkurrenz.«
Nach so vielen Seiten kluger Diagnose wirkte dieses Rezept wie ein Kräutertee gegen Krebs. Wenn es keinen Gott gibt, gibt es kein »etwas Größeres«. Glaube ist Illusion, wenn er nicht an etwas Wirklichem verankert ist.
Doch in der Zeit zwischen Abgabe und Veröffentlichung scheint India auf einer geistlichen Reise gewesen zu sein. In einem Interview mit dem britischen Autor und Rundfunkmann Justin Brierley erzählt sie von ihrer ersten Begegnung mit dem christlichen Glauben. In einer Kultur aufgewachsen, die ihn für »veraltet«, »cringe« und »vermutlich irrelevant« hielt, hatte sie ihn zunächst abgetan. »Ich hörte Menschen über das Christentum reden, und über alles, worüber ich mir Sorgen machte«, erinnert sie sich, »und ich fühlte: Oh, es gibt diese Antworten, die es seit jeher gibt und die tatsächlich jedes unerfüllte Bedürfnis berühren, das ich fühle.«
Wie India in Girls® erzählt, wuchs sie in einer Kultur auf, die von ihr erwartete, ihre tiefsten Gedanken und Gefühle öffentlich zu machen, und sie scheint sich jedem Druck zu widersetzen, das auch mit ihrem wachsenden Glauben zu tun. Gegenüber Brierley sagt sie: »Es ist eine langsame Reise. Ich spüre einfach, dass dieses Gefühl stärker wird, und je mehr ich darüber schreibe, desto sicherer werde ich mir, aber ich versuche, es privater zu halten, weil ich es nicht der Welt zum Fraß vorwerfen will.«
Menschen verwechseln oft die Wahrheit, dass der Glaube an Jesus zutiefst persönlich ist, dass er nach unserem Herzen greift, mit der Vorstellung, er solle privat bleiben: unausgesprochen, ohne Anspruch über das eigene Selbst hinaus. Doch in diesem Fall gibt India, so vermute ich, einem zarten Keim des Glaubens klugerweise die Gelegenheit, fern vom sengenden Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit zu wachsen.
»Selbst der Versuch, in die Kirche zu gehen, war und ist für mich ein kleiner Kampf, weil es sich sehr fremd anfühlt und fast ein bisschen peinlich«, gesteht sie. Ich bewundere sie dafür, dass sie diesen Kampf annimmt und sich in einer Gemeinde vor Ort verwurzelt. Zugleich bin ich dankbar für die Worte der Diagnose, die sie denen zurückgibt, für die Kirche längst Heimat ist.
India erkennt, dass wir mitten in einer politischen Spaltung der Geschlechter stecken, junge Männer sind konservativer geworden, junge Frauen progressiver, und stellt fest: »Ich glaube, das Problem ist, dass wir jetzt Kirchen und Christen haben, die versuchen, junge Männer zu gewinnen, und die jungen Frauen gewissermaßen einfach zurücklassen, weil sie denken: Oh, wir können sie gar nicht erreichen. Sie sind so weit auf der anderen Seite. Dabei sind sie es, die es dringend brauchen.«
Die Mädchen der Generation Z wurden ausgebeutet und missbraucht, man gab ihnen das Gefühl, sich für ihr Aussehen schämen und ihre Gefühle verstecken zu müssen. Sie wurden von bedeutungsvollen Beziehungen abgeschnitten, beim lieblosen Sex gewürgt, und all das nannte man Empowerment. Man hat ihnen gesagt, das Christentum sei das Letzte, was sie brauchen.
Doch wie India könnten sie, wenn sie einen Blick auf echte christliche Liebe erhaschen, erkennen, dass Jesus die Antwort auf ihren Schmerz ist. »Wenn man zu jungen Menschen sagen kann: ›Weißt du, es ist wirklich tragisch, dass du dich so ängstlich fühlst, aber da ist diese ganze Gemeinschaft, da ist ein Zuhause für dich‹, dann kann das, glaube ich, zum Glauben führen«, meint India. Und sie hat recht.
Nachdem ich Girls® gelesen hatte, schrieb ich meiner Freundin Justine, die fast alles durchlebt hat, was Indias Buch beschreibt, bevor sie vor drei Jahren zu unserer Gemeinde kam. Ich erzählte ihr, ich hätte ein Buch darüber gelesen, wie Frauen ihrer Generation verletzt und belogen wurden. Sie stimmte Indias Beschreibung zu.
Die Mädchen der Generation Z sind mitten in einem ganz schlimmen Notfall aufgewachsen. Ihre einzige Hoffnung ist Jesus. Girls® kann uns helfen zu verstehen, was sie durchgemacht haben. Aber es liegt an denen von uns, die den großen Arzt kennen, auf diese jungen Frauen zuzugehen, mit seiner Botschaft von Vergebung, Leben und Liebe. Wenn wir das tun, werden wir vielleicht überrascht sein, wie reich die Ernte ist.
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Freya Indias »Girls®: Generation Z and the Commodification of Everything« ist bisher nur auf Englisch erhältlich. Bestellen kannst du es bei Amazon, Thalia oder bei einer unabhängigen Buchhandlung.
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In Zusammenarbeit mit The Gospel Coalition. Original von Rebecca McLaughlin: »How Gen-Z Girls Were Sold Loneliness as Empowerment«. Deutsche Übersetzung: Andy Fronius (Pulse-Team). Besprochenes Buch: Freya India, »Girls®: Generation Z and the Commodification of Everything« (Henry Holt).

