Kann die Bibel witzig sein?

Das ist eine dieser Fragen, über die Christen gern streiten, und sie ging mir durch den Kopf, als ich mich hinsetzte, um The Promised Land anzusehen, eine Sitcom, deren »Situation« Israels 40 Jahre Wüstenwanderung sind.

Die Serie (gratis auf YouTube zu sehen) ist als Mockumentary gedreht, ein komödiantisches Format, das schon bei The Office und Parks and Recreation funktioniert hat, bei der Bibel aber großes Potenzial zur Lästerung birgt. Und in meiner Geschichte als Zuschauerin christlicher Filme und Serien war die Qualität bisweilen dürftig. Als ich also bei The Promised Land auf Play drückte, stellte ich meine Erwartungen entsprechend ein.

Ich erwartete nicht, dass sie gut ist, und ich erwartete nicht, dass sie witzig ist. Sie war beides.

»The Promised Land«, Folge 1 (Milk & Honey Studios). Die komplette erste Staffel gibt es kostenlos auf YouTube, bisher nur auf Englisch.

Sinai im Stil von Dunder Mifflin

The Promised Land ist das Werk von Autor und Regisseur Mitch Hudson und Produzent Richie Johns, die beide schon zur Crew von The Chosen gehörten. Doch während The Chosen in dramatische Tiefen vordringt, nimmt sich The Promised Land selten ernst. Es ist die Geschichte von Mose (Wasim No'mani), der das Volk Israel aus der Sklaverei in die Freiheit einer kargen Sinai-Halbinsel zu führen versucht, während er die heiligen Gebote Gottes empfängt, die ihre neue Religion prägen werden.

Wer die alttestamentlichen Erzählungen von Israels Wüstenzug kennt, ahnt das Humorpotenzial. Moses Ringen mit den murrenden Israeliten birgt ebenso komödiantischen Stoff wie seine Beziehungen zum lange verlorenen Bruder Aaron (Majed Sayess) und zur Schwester Mirjam (Shereen Khan). »Damals in Ägypten fingen manche Leute wirklich an, mein Talent zu erkennen«, erzählt uns Mirjam, »aber das Baby, das meine Mutter einen Fluss hinabschickte, wurde ein politischer Revolutionär, und jetzt darf ich Protokoll führen, während die Männer reden.«

Ich erwartete nicht, dass sie gut ist, und ich erwartete nicht, dass sie witzig ist. Sie war beides.

Die Ankunft von Moses Frau Zippora (Tryphena Wade) bringt ihn in Erklärungsnot. »Ich habe sie kaum gesehen, seit sie meinem Erstgeborenen die Vorhaut vor die Füße warf und mich einen ‚Blutbräutigam' nannte, also haben wir einiges aufzuholen«, gibt er zu.

Wir sehen, wie die Israeliten darum ringen, diesem Gott zu vertrauen, dessen Namen sie gerade erst gelernt haben, während sie sich an ein stressiges Dasein gewöhnen, das praktisch für zwischenmenschliche Konflikte gemacht ist. »Meistens denke ich: ‚Ja, wir schaffen es ins gelobte Land, hundertprozentig!'«, sagt Aaron. »Ich habe das Unmögliche möglich werden sehen. Aber manchmal beschleicht mich dieses ungute Gefühl, so sehr ich auch dagegen ankämpfe, dass wir in dieser Wüste sterben werden.«

Szene aus »The Promised Land« (Milk & Honey Studios, 2026)

Wir lernen auch einen Israeliten namens Korach (Brad Culver) kennen, der sofort als »Rechtmäßiger Anführer Israels (selbsternannt)« eingeführt wird, und verfolgen seine Bemühungen, eine prominentere Rolle in seinem Volk zu ergattern, während er der Herkunft von Chisisi (Dav Coretti) nachspürt. Chisisi ist, wie wir in einem Einschub-Interview erfahren, eigentlich ein ägyptischer Soldat, den es auf die falsche Seite des Roten Meeres gespült hat. Seine Außenperspektive erlaubt ihm humorvolle Beobachtungen. »Das ist nicht ihr Gott. Das wissen sie doch, oder?«, bemerkt er beim Anblick des goldenen Kalbs. Und dann ist da der übereifrige Josua (Artoun Nazareth), der unbedingt Moses rechte Hand werden will, das Sinai-Äquivalent zum Assistenten des Regionalleiters.

Im Lauf der sechs Folgen der ersten Staffel lernen wir diese Figuren in der ganzen Wucht ihrer Schwächen und der Größe ihres Charakters kennen. Mose ist ein schlechter Redner und hat keine Ahnung, wie man eine Nation durch die Wüste führt. Aarons Charisma rettet ihn nicht vor einem riesigen Fehler (man denke an etwas Goldenes, das »Muh« macht). Mirjam ringt darum, in ihren »frauenspezifischen« Aufgaben Sinn zu finden, Josua muss noch reifen, und Chisisi will einfach nur nach Hause. Inmitten des ganzen Chaos lernen die Figuren den Gott kennen, der sie gerettet hat, und das hilft ihnen, miteinander klarzukommen.

»Wir werden alle Fehler machen. Das weiß Gott«, sagt Mose in einem besonders berührenden Moment. »Es geht nicht darum, würdig zu sein. Es geht darum, ihm treu zu sein. Treu sind wir, wenn wir erkennen, dass wir ihn brauchen.«

Die heikle Balance beim Verfilmen der Bibel

Wer eine biblische Geschichte auf die Leinwand bringt, muss abwägen, wie eng er sich an den biblischen Text hält. Zu eng, und der Geschichte fehlen die nötigen Figurenentwicklungen und der situative Kontext; zu frei, und die Zuschauer erkennen die biblischen Figuren nicht mehr wieder. Die beste Lösung ist, den theologischen Gehalt der Bibel zu bewahren und zugleich sekundäre Elemente hinzuzufügen, die die Darstellung abrunden.

The Promised Land trifft diese Balance. Die Serie ist bereit, gelegentlich historische Genauigkeit für einen Witz zu opfern, etwa wenn Josua versucht, sich selbst eine Geburtstagsparty zu schmeißen, oder wenn Chisisi sich an seine Zeit in einer ägyptischen Boyband erinnert. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass der biblische Text entehrt wird.

Wirklich witzig, und berührend

The Promised Land ist nicht sehenswert, nur weil es christlich ist. Es ist sehenswert, weil es gut ist.

The Promised Land ist nicht sehenswert, nur weil es christlich ist. Es ist sehenswert, weil es gut ist.

Die Schauspieler verstehen komödiantisches Timing. Das Drehbuch verwebt seine Nebenhandlungen wirkungsvoll. Und entscheidend: Ich habe mehrfach laut gelacht, was bei mir selten vorkommt. Der Humor hielt mich bei der Stange, und ich fühlte mit den Figuren mit.

Als Mose und Aaron sich über den Vorfall mit dem goldenen Kalb zerstreiten, konnte ich ahnen, wie schrecklich dieser Konflikt für die biblischen Figuren gewesen sein muss. Und als Aaron später wiederhergestellt wird und seinen Platz als Hoherpriester im Heiligtum einnimmt, war ich aufrichtig bewegt.

Eine zweite Staffel von The Promised Land wird bereits produziert. Ich freue mich also auf mehr Zeit mit einer Serie, die meine geringen Erwartungen weit übertroffen und mich überzeugt hat, dass die Bibel tatsächlich witzig sein kann.


In Zusammenarbeit mit The Gospel Coalition. Original von Amy Mantravadi auf thegospelcoalition.org. Deutsche Fassung und Anpassung an den DACH-Kontext: Andy Fronius (Pulse-Team).