Mein Selbstwertgefühl in der Anerkennung anderer zu suchen – auch bekannt als »Menschenfurcht« – war für mich eine Versuchung, seit ich denken kann.
Oft habe ich meinen Wert davon abhängig gemacht, wie meine letzte Begegnung lief. Wenn ich das Gefühl hatte, mich gut präsentiert zu haben, verspürte ich kurzzeitig Erleichterung. Wenn ich nicht so rüberkam, wie ich wollte, fühlte ich mich zutiefst unzulänglich. Das Schlimmste daran? Egal, wie es lief – die nächste Begegnung wartete schon, und ich musste mich wieder neu beweisen. Ein endloser, zermürbender Kreislauf.
Ich habe unzählige Strategien ausprobiert, um meine Unsicherheiten loszuwerden. Ich versuchte, meine Schwächen zu verstecken, mich anders darzustellen, als ich wirklich war, und nahm mir vor, mich besser zu verhalten. Ich versuchte sogar, völlig auszublenden, was andere über mich dachten – was weder liebevoll noch jesusähnlich war (Mt 5,16; 2 Kor 8,21; 1 Tim 3,7). Doch jede dieser Strategien machte mich am Ende noch unsicherer. Nicht nur schwankte meine Wahrnehmung der Anerkennung anderer ständig – hinter all meinem Verstecken und Vorspielen steckte der Glaube, dass ich so, wie ich wirklich bin, nicht liebenswert sei.
Glücklicherweise hat mir Gott, während ich im Glauben gewachsen bin, echte Freiheit geschenkt – mehr, als ich mir in jungen Jahren hätte vorstellen können. Auch wenn die Furcht vor Menschen wohl immer eine Versuchung bleiben wird, habe ich Wege gefunden, ihr zu begegnen, wenn sie auftaucht. Vier Gewohnheiten haben mir dabei besonders geholfen.
1. Strebe nach Mitgefühl statt nach Selbstvertrauen.
Erinnere dich an einen Moment, in dem du dir Sorgen gemacht hast, welchen Eindruck du auf jemanden machst. Vielleicht bei einem Date, einem Vorstellungsgespräch oder als du vor einer Gruppe gesprochen oder gepredigt hast. Wie klang dein innerer Dialog?
Als Teenager und in meinen frühen Zwanzigern versuchte ich, meine Unsicherheiten zu bekämpfen, indem ich mir sagte: »Blake, sei einfach selbstbewusst – oder tu wenigstens so.«
Das funktionierte selten. Selbst wenn ich selbstbewusst wirkte, konnte ich den Moment nicht genießen oder einfach ich selbst sein, weil ich ständig damit beschäftigt war, wie ich auf andere wirkte.
Eine der größten Veränderungen war, meinen Fokus vom Selbstbewusstsein auf Mitgefühl zu verlagern. Nervosität entsteht, wenn ich andere als Mittel zur Bestätigung oder Abwertung meines Wertes sehe, statt als Menschen, die – genau wie ich – sündigen, leiden und Hoffnung und Ermutigung brauchen.
Es ist erstaunlich, wie sehr die Angst nachlässt, wenn ich mich selbst vergesse und stattdessen den Schmerz des anderen und sein Bedürfnis nach Jesus wahrnehme. Oft ist Mitgefühl das bessere Gegenmittel gegen Nervosität als Selbstvertrauen.
2. Sei der Angst einen Schritt voraus.
Wurdest du schon einmal mitten in einem Gespräch von Angst überrumpelt, sodass du verzweifelt versucht hast, das Gespräch am Laufen zu halten und gleichzeitig innerlich gegen die Angst anzukämpfen?
Oft verstärken wir Angst noch, indem wir sie zerdenken und spontan lösen wollen. Wir fragen uns: Was stimmt nicht mit mir? Warum fühle ich mich so? Wie bekomme ich das weg? Währenddessen läuft das Gespräch weiter – aber innerlich sind wir längst woanders und nicht mehr wirklich präsent.
Eine der besten Möglichkeiten, diese Panik mitten im Gespräch zu vermeiden, ist, sich vorher einen Moment Zeit zu nehmen: zu atmen, zu beten und sich bewusst zu machen, wie man reagieren will, wenn die Angst auftaucht. Wenn Angst hochkommt, erinnere ich mich zum Beispiel daran:
- Gott ist mit mir und für mich (Ps 56,9; 118,6).
- Meine Nervosität bedroht Gottes Souveränität nicht (Mt 10,29–31).
- Gewinnen bedeutet nicht, jemanden zu beeindrucken, sondern ihn zu lieben (Mt 22,37–39).
David lebte genau das vor: »Wenn ich Angst habe, dann vertraue ich auf dich!« (Ps 56,4). Er hoffte nicht einfach, dass keine Angst kommen würde – er hatte sich vorher entschieden, wie er reagieren würde, falls sie doch auftaucht.
Es hilft mir sehr, vor dem Büro, vor Treffen mit Gemeindemitgliedern oder vor Begegnungen mit Freunden und Familie für Gottes Segen und Schutz zu beten. Ebenso bete ich nach solchen Begegnungen: Ich bringe sie vor den Herrn und bitte ihn, sowohl meine Stärken als auch meine Schwächen zu seiner Ehre zu gebrauchen.
3. Achte darauf, wen du fütterst.
Die Legende besagt, dass ein alter Cherokee einmal zu seinem Enkel sagte: »In dir kämpfen zwei Wölfe – ein guter und ein böser.« Die Augen des Jungen wurden groß. »Welcher gewinnt?« Der Häuptling antwortete: »Der, den du fütterst.«
Es ist leicht zu erkennen, wie das bei Sünden wie Bitterkeit, Neid oder Begierde funktioniert. Je mehr du diese Wölfe fütterst, desto stärker werden sie. Genauso ist es mit Menschenfurcht.
Ich füttere Menschenfurcht jedes Mal, wenn ich meine Frisur im Spiegel kontrolliere, Likes in sozialen Medien beobachte, Sprachmemos mehrfach aufnehme, um klüger zu wirken, Gespräche zwanghaft im Kopf wiederhole, mein Leben mit dem anderer vergleiche, von Größe träume, Erfolge übertreibe oder Misserfolge kleinrede.
Jesus lehrte, dass unsere Taten aus dem hervorkommen, womit unser Herz gefüllt ist (Lukas 6,45). Wenn wir uns ständig mit Menschenfurcht nähren, warum sollten wir erwarten, dass etwas anderes aus uns hervorkommt?
Was wir nähren, wächst. Was wir verhungern lassen, stirbt. Wenn wir in den großen Momenten Freiheit erleben wollen, müssen wir lernen, die Menschenfurcht in den kleinen Momenten des Alltags auszuhungern.
4. Denk daran, wer du bist – und wem du gehörst.
Mein Freund Jorge erzählte mir, dass er seiner dreijährigen Tochter Aria so oft wie möglich sagt: »Ich liebe dich.« Er sagte:
In der Schule wird sie versucht sein zu denken: »Ich bin nicht so klug wie sie« oder »nicht so lustig wie er«. In sozialen Medien wird sie denken: »Ich bin nicht so hübsch wie sie« oder »nicht so beliebt wie er«. Meine Aufgabe als Vater ist es, sie daran zu erinnern, wer sie wirklich ist: geliebt, wertvoll, geschätzt und schön.
In der Gegenwart ihres Vaters wird Aria an ihre wahre Identität und ihren Wert erinnert.
Dasselbe gilt für jedes Kind Gottes. Unsere tiefste Sicherheit muss aus dem kommen, was unser Vater über uns sagt – nicht aus dem, was andere über uns sagen oder sogar wir selbst über uns denken. In Sprüche 29,25 heißt es: »Sich vor Menschen fürchten bringt Gefahr; auf den HERRN vertrauen bringt Sicherheit.«
Unsere wahre Sicherheit entsteht aus dem, was unser Vater über uns sagt, nicht aus den Meinungen anderer.
Wenn du das nächste Mal versucht bist, dich mit anderen zu vergleichen oder deine Identität in ihrer Meinung zu suchen, lauf direkt zu deinem Vater. Sei ehrlich vor ihm. Bitte ihn, dich davon zu befreien, andere zu vergöttern, und dich mit seiner Liebe zu stärken (1 Sam 30,6; Ps 94,18).
Mein Freund, dein Vater kennt dich vollkommen und liebt dich von ganzem Herzen (Joh 16,27). Er liebt nicht die Instagram-Version von dir, nicht die Version aus Vorstellungsgesprächen und auch nicht die Person, zu der du glaubst werden zu müssen, um geliebt zu werden. Er liebt dich. Und weil seine Liebe unveränderlich ist, bleibt auch dein Wert unveränderlich. Ruhe heute in dieser ewigen Gewissheit.
In Zusammenarbeit mit The Gospel Coalition. Original von Blake Glosson auf thegospelcoalition.org. Deutsche Fassung und Anpassung an den DACH-Kontext: Ruth Delahaie (Pulse-Team).

