Toy Story 5 I Offizieller Trailer I Ab 23. Juli nur im Kino
Vor ein paar Wochen, bei der Kindergarten-Abschlussfeier meines Sohnes, hielt der Schulsprecher der achten Klasse an der christlichen Schule eine Rede vor seinen jüngsten Mitschülern.
An einer Stelle sagte er: »Ich gehöre zu den wenigen Achtklässlern, die immer noch kein Smartphone haben. Dafür bin ich dankbar.« Öffentlich dankte er seinen Eltern für ihre Entscheidung gegen den Strom, die es ihm, in seinen Worten, »erlaubt hat, noch ein bisschen länger Kind zu sein«. Dann forderte er die Erstklässler auf, so lange wie möglich ohne Handy zu leben, und feierte kindliches Spielen und Unschuld ohne die Ablenkungen des ständigen Scrollens.
Ich habe laut gejubelt. Die meisten Eltern im Raum klatschten ebenfalls, vielleicht ein weiteres Zeichen dafür, dass sich das Bewusstsein für die Gefahren von Bildschirmen langsam wandelt. Toy Story 5 ist ein weiteres Indiz, dass diese Botschaft an Boden gewinnt. Die ganze Prämisse des Films ist im Grunde der Slogan der US-Kampagne »Wait Until 8th«, die rät, Kindern erst ab der achten Klasse ein Smartphone zu geben: »Lasst Kinder noch ein bisschen länger Kinder sein.«
Als ich den Film am vergangenen Wochenende mit meinen drei älteren Kindern sah, habe ich ihn für seine schöne Geschichte genossen und für seine zeitgemäße Botschaft bewundert. Aber ich habe mich auch gefragt, wie viel von der »Botschaft« bei meinen Kindern wirklich ankam.
Oder ist der Film vor allem für die Eltern?
Lasst Kinder Kinder sein
Der Erfolg von Toy Story 5 an den Kinokassen, der größte Kinostart in der dreißigjährigen Geschichte der Reihe, zeigt, wie gut Pixar endlich den Nerv unseres kulturellen Moments trifft. Nach einer Reihe von agendagetriebenen, kreativ enttäuschenden Filmen (darunter das katastrophale Toy Story-Spin-off Lightyear) kehrt Toy Story 5 zu Pixars Erfolgsrezept zurück: Geschichten der alten Schule, die Kindern Spaß machen, Erwachsene bewegen und meisterhaft animiert sind.
Viele Eltern von heute waren selbst Kinder, als das erste Toy Story 1995 herauskam. Sie wuchsen in Pixars Blütezeit der späten 90er und frühen 2000er auf. Doch in den letzten Jahren haben manche Eltern das Vertrauen in die Marke Pixar verloren. Toy Story 5 ist der Versuch, es zurückzugewinnen.
Manche Eltern haben das Vertrauen in die Marke Pixar verloren. Toy Story 5 ist der Versuch, es zurückzugewinnen.
Die Rückbesinnung des Films auf traditionellere Werte hilft dabei. Es gibt in dieser Geschichte keine gleichgeschlechtlichen Küsse und keine lesbische Verkehrspolizistin. Keine »Mein Körper, meine Entscheidung«-Botschaften körperlicher Selbstbestimmung. Stattdessen erkennt der Film zu Recht, dass Kinderunterhaltung nicht der passende Ort für Erwachsenenthemen wie sexuelle Orientierung ist.
Erfrischenderweise vertritt Toy Story 5 (Regie: Andrew Stanton, der auch WALL-E inszenierte) die heilsame Botschaft, dass Kinder Kinder sein dürfen und vor allem vor dem geschützt werden sollten, was ihre Unschuld beenden würde.
Technik ist heute ein großer Teil dieses »Endes der Unschuld« für Kinder. Deshalb ist der Bösewicht in Toy Story 5 ein Kinder-Tablet namens Lilypad (Greta Lee). Das Gerät bekommt die einsame, schüchterne Bonnie (die kindliche Protagonistin, die auch in Toy Story 3 und 4 vorkam) von ihren Eltern geschenkt, damit sie »Verbindungen knüpfen« kann. Doch es kommt anders.

Die »Freunde«, die Bonnie über den Online-Chat des Geräts findet, entpuppen sich als bildschirmsüchtige Kinder, die sich »älter geben« und Bonnie unter Druck setzen, dasselbe zu tun. Schnell schämt sie sich für ihre »antiken« Spielzeuge: Jessie (Joan Cusack), Buzz Lightyear (Tim Allen), Forky (Tony Hale) und den Rest. Wie Jessie beklagt, lassen die neuen Geräte Kinder »sich so schnell verändern«. Jedes Elternteil weiß: Die Kindheit vergeht ohnehin im Handumdrehen. Wir brauchen keine Technik, die sie noch schneller enden lässt.
Können Spielzeuge mit Technik mithalten?
Ein Großteil der Komik des Films entsteht, als Bonnies analoge Spielzeuge begreifen, was die Einführung von Lilypad für sie bedeutet. »Das Zeitalter der Spielzeuge ist vorbei«, klagen sie. »Sobald die Technik dein Zuhause erobert, bist du erledigt.« Jessie will glauben, »es ist nur eine Phase« und dass ihre geliebte Bonnie weiter mit ihr spielt. Doch bald erkennen sie und die anderen Spielzeuge, dass sie mit den Wundern eines bildschirmbasierten Geräts nicht mithalten können. Wie Woody (Tom Hanks) in einem düster-treffenden Satz bemerkt: »Spielzeug ist zum Spielen da, aber Technik ist für alles.«
Dieser Satz hat mich hart getroffen. Ein Grund, warum es heute so schwer ist, Kinder von Geräten fernzuhalten, ist, dass sie uns Erwachsene, Eltern, Großeltern, ältere Geschwister, ständig an diesen Geräten sehen, wie wir sie für alles benutzen. In Toy Story 5 scrollen Eltern häufig am Handy oder sitzen in Zoom-Meetings. Kinder nehmen das wahr und fragen sich: Wenn diese Geräte für alles, was die Erwachsenen tun, so wichtig sind, sollte ich sie dann nicht auch für mich wichtig finden?
Kinder sind Nachahmer. Was ihre Eltern offenbar wertschätzen, das schätzen auch sie. Das ist die Zwickmühle, mit der ich ringe. Meine Frau und ich wollen, dass unsere Kinder mit analogen Spielzeugen spielen. Wir wollen, dass sie fantasievolle Abenteuer im Freien bildschirmbasierter Unterhaltung vorziehen. Aber wenn unsere Remote-Jobs und durchoptimierten Leben verlangen, dass wir große Teile des Tages an Bildschirme gefesselt sind, auch wenn wir es anders bevorzugen würden, fühlt es sich nach »Wasser predigen, Wein trinken« an, unseren Kindern zu sagen, sie sollten nicht selbst am Bildschirm sein. Was wir mit unseren eigenen Geräten vorleben, zählt am Ende mehr als das, was wir unseren Kindern darüber sagen.
Dasselbe gilt fürs Spielen. Wenn wir unseren Kindern sagen »Geh raus und spiel! Das tut dir gut!«, es aber selbst nie tun, immer Scrollen statt Spazieren, Bildschirme statt Himmel, Optimierung statt Ruhe, dann verhallt unsere Ermahnung ungehört.
Das muss ich mir oft selbst predigen: in meinem eigenen Leben den Gewohnheiten Vorrang zu geben, die ich mir für meine Kinder wünsche.
Bringt Kinder wieder zum Spielen
Eine Sache, die ich an Toy Story 5 geliebt habe, ist, wie er den Unterschied zwischen »Spielen« und »Gaming« auslotet. Spielen ist fantasiebasiert, aktiv, völlig offen. Gaming ist algorithmusgetrieben, süchtig machend, passiv und oft auf einen Bildschirm beschränkt.

Die Spielzeuge von Toy Story 5, angeführt von Jessie, Buzz und Woody, wollen Bonnie wieder zum Spielen bringen. Das ist nicht nur eigennützig (der Wunsch, dass Bonnie mit ihnen spielt), sondern auch, weil sie wissen, dass Spielen gut für sie ist. Bonnie wird keine echten Freunde finden, indem sie mit anderen Kindern im selben Raum sitzt, während alle an ihr eigenes Gerät gefesselt sind (»Wie soll sie Freunde finden, wenn sie sich nicht mal ansehen?«). Vielmehr wird sie Verbindungen knüpfen, indem sie aufblickt und die reale Welt sieht, ihre Abenteuer und fantasievollen Möglichkeiten erkundet, von Angesicht zu Angesicht, Seite an Seite, mit anderen Abenteurern.
Was wir mit unseren eigenen Geräten vorleben, zählt am Ende mehr als das, was wir unseren Kindern darüber sagen.
Wie ermutigen wir Kinder zu greifbarem Entdecken in einer Welt, die so gesättigt ist von Bildschirmen und süchtig machenden Dopamin-Medien? Toy Story 5 schlägt nicht vor, Geräte ganz abzuschaffen. Er legt nahe, dass die beste Nutzung von Technik darin besteht, Verbindungen zu schaffen, die offline aufblühen: Bildschirme nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um Erlebnisse im echten Leben anzustoßen. (Konkrete Ideen für gemeinsames Spielen ohne Bildschirm gibt es zum Beispiel in dieser Spielesammlung für Jugendgruppen.)
Da es eine Disney-Produktion ist, und ein Film, den man auf Bildschirmen schaut, kann Toy Story 5 bildschirmbasierte Unterhaltung nicht zu sehr verteufeln. Es ist ironisch, dass der Film zum Spielen im echten Leben ermutigt, in einem Format, das Kinder ein paar Stunden auf einen Bildschirm schauen lässt. Die Frage ist: Wird das verspielte Spielzeugland des Films junge Zuschauer dazu inspirieren, fantasievoll zu spielen? Oder führt es nur dazu, dass sie noch mehr Disney-Filme und -Serien sehen wollen?
Spaß für Kinder, Weckruf für Eltern
Meinen Kindern hat Toy Story 5 gefallen. Aber er war mehr für mich als für sie.
Das Schlussbild des Films zeigt eine Reifenschaukel, die an einem Baum hängt, getränkt in Sommersonne. Das Bild hat mich emotional bewegt, nicht nur wegen seiner Bedeutung im Kontext der Geschichte (Jessies eigene Vergangenheit mit ihrem früheren Kind Emily, die den größten emotionalen Moment des Films liefert), sondern auch wegen dessen, was es im weiteren Sinne symbolisiert.
Eine Reifenschaukel verkörpert jene Art von »frei laufender«, analoger Kindheit, die viele der heutigen Eltern selbst hatten, als sie Kinder waren. Das Bild weckt Nostalgie für jene Art von körperlichem Spiel im Freien, das wir hatten und das wir auch unseren Kindern wünschen.
Ich habe es genossen, den Film mit meinen Kindern zu schauen, aber ich verließ das Kino mit der Sehnsucht, dass sie die Welt draußen noch mehr genießen. Der Film hat mich noch mehr von Jonathan Haidts These in The Anxious Generation (deutsch: Generation Angst) überzeugt: Wir haben Kinder in der realen Welt überbehütet und in der virtuellen Welt zu wenig geschützt. Er hat mich neu davon überzeugt, dass ich will, dass meine Kinder aktiv ihre Fantasie nutzen und sich mit der realen Welt beschäftigen, statt in passive Bildschirme zu verfallen. Er hat mich darüber nachdenken lassen, wie ich selbst weise Technikgewohnheiten besser vorleben kann, gerade jetzt, wo wir in das neue Zeitalter der KI eintreten. Ich hoffe, der Film inspiriert auch andere Eltern auf dieselbe Weise.
In Zusammenarbeit mit The Gospel Coalition. Original von Brett McCracken auf thegospelcoalition.org. Deutsche Fassung und Anpassung an den DACH-Kontext: Andy Fronius (Pulse-Team).

