Kurz gefasst: Vor dem Jahresende füllen sich Kalender und Kopf mit Terminen, Ausgaben und Sorgen um die Kinder. Irene Tucker merkt in ihrer Küche, wie oft sie selbst den Berater gibt, und bittet Jesus, den wunderbaren Berater, um Rat. Dazu eine Frage für dich und eine für das Gespräch mit deinem Teenager.

Sind das Weihnachtsglöckchen oder eine Herde Gnus?

Wenn dein Haus mit existenzieller Angst geschmückt ist.

Je näher das Jahresende rückt, desto deutlicher spüre ich in meiner Brust das Grollen der heranstürmenden Herde. Lege ich mein Ohr auf den Boden, fängt mein Herz an zu rasen … Ich höre, was auf mich zukommt.

Mein Körper erinnert sich daran, dass sich das Jahresende meist chaotisch und schwer anfühlt. Die Ausgaben schießen in die Höhe. Meine inneren Antreiber drängen danach, alles zu erfüllen, was unsere Kultur unter einer zauberhaften Weihnachtszeit versteht (Kürbisse, Plätzchen und Weihnachtsbäume, oh je!), und eine schier unmögliche To-do-Liste zu bezwingen, bevor die Uhr Mitternacht schlägt und ich selbst zum Kürbis werde.

Ich kann kaum schlafen, wenn ich daran denke, wie sich im Kalender jeder Tag nach dem anderen füllt. Ich denke an meine Kinder, die gerade erwachsen geworden sind, und an die großen Entscheidungen, die sie treffen. (Mit manchen bin ich einverstanden. Mit manchen nicht.) Ich frage mich, ob mein Sohn in der Oberstufe seine Noten vor dem Halbjahreszeugnis noch rechtzeitig hochziehen kann. Ich mache mir Sorgen um ihn, weil er traurig wirkt, und es ist so schwer, ihn zum Reden zu bringen.

Vielleicht ist dein Kopf genauso voll wie meiner, und vielleicht füllt sich auch dein Kalender fürs Jahresende schon. Aber ich vermute, dass nicht nur das, was darin steht, Platz in deinem Kopf einnimmt. Ich kann mir vorstellen, dass du dir um Menschen Sorgen machst oder Umstände gern ändern würdest. Vielleicht weißt du nicht, wie du jemandem helfen sollst, den du liebst, oder du trägst etwas mit dir herum, das du nicht in Ordnung bringen kannst, egal wie oft du es in Gedanken hin und her bewegst. Wahrscheinlich kennst du das auf deine Weise, etwas, das dich nachts wach hält und dir bis in den Tag hinein folgt.

Mich zerreißt dieses Gewicht in so viele Richtungen, und ich habe das Gefühl, in keinem Bereich meines Lebens wirklich etwas auf die Reihe zu kriegen. Ich mache mir Sorgen, ich schreibe Listen, und bevor ich auch nur einen einzigen Punkt auf besagter Liste abhaken kann, habe ich schon drei neue draufgeschrieben.

Während ich das alles wälze, sitzt mein anderer Teenager am Esstisch, an dem ich neben meiner dreimal aufgewärmten Tasse Kaffee arbeite, und versucht, mit mir ins Gespräch zu kommen.

Ich schaue kurz über den Bildschirm, gebe ihm ein paar Antworten auf Autopilot und wende mich wieder der Arbeit zu. »Wow! Das ist ja super. Total. So cool!« Die Sorge um die Menschen, die ich liebe, lenkt mich völlig ab, und dabei schaffe ich es nicht, lange genug innezuhalten, um dem Menschen, der direkt vor mir sitzt, Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken.

Ich gebe den Kaffee auf, kippe ihn in die Spüle und fange von vorn an. Ich höre der Kapselmaschine beim Jaulen, Zischen, Gurgeln und Würgen zu (soll die so klingen??), während sie meine zweite Tasse ausspuckt, geschmacklich grauenhaft, aber unglaublich praktisch. Ich lehne mich an die Arbeitsplatte.

Da kommen mir die Worte eines alten Liedes (»’Tis So Sweet to Trust in Jesus« von Louisa Stead, 1882) über die Lippen.

Jesus, Jesus, wie ich ihm vertraue!
Wie ich ihn immer und immer wieder erlebt habe!
Jesus, Jesus, kostbarer Jesus!
Oh, gib mir Gnade, ihm noch mehr zu vertrauen!

Ich bete. Ich bitte Jesus um Hilfe. Wobei? Ich weiß es nicht. Bei allem.

Mir fällt Philipper 4,6-7 ein:

»Macht euch keinerlei Sorgen, sondern bringt alle eure Anliegen im Gebet mit Bitte und Danksagung vor Gott! Und der Frieden Gottes, der alle menschlichen Gedanken weit übersteigt, wird euer Herz und euer Denken in Christus Jesus bewahren.«

Dann bitte ich Alexa, mir Verse über Frieden vorzulesen. Nicht lachen. So weit ist es schon mit mir gekommen.

Sie liest mehrere vor, aber ich höre kaum hin, weil mir eine Zeile aus dem Lied nicht aus dem Kopf geht.

Ich bin so froh, dass ich gelernt habe, dir zu vertrauen.

Mir wird klar, dass ich auf fast alles, was meine Gedanken verschlingt, kaum Einfluss habe. Während ich mit meinem Kaffee dastehe, kommt mir ein anderer Name für Jesus in den Sinn.

Wunderbarer Berater.

»Wunderbarer Berater, kraftvoller Gott, Vater der Ewigkeit, Friedensfürst.«

Jesaja 9,5 habe ich mein ganzes Leben lang gehört. Aber wie oft habe ich »wunderbarer Berater« als Einladung verstanden, mich tatsächlich von ihm beraten zu lassen? … Ich verbringe nämlich furchtbar viel Zeit damit, selbst den Berater zu geben, während DER wunderbare Berater direkt neben mir steht.

Also … bitte ich ihn, mich zu beraten:

Lehre mich, dir zu vertrauen. Lass mich erkennen, was meine Aufgabe ist und was ich loslassen darf. Zeig mir, wie ich Menschen lieben kann. Hilf mir, treues Handeln von ängstlichem Abstrampeln zu unterscheiden …

… Und hilf mir vielleicht, so da zu sein, dass ich über meinen Bildschirm schaue, wenn mein Kind mit mir reden will.

Um mich herum ändert sich erst einmal nichts, aber ich atme tief aus und erinnere mich daran, dass Gott der ist, der er zu sein verspricht.

In den kommenden Monaten lohnt es sich, öfter über das Beraten nachzudenken. Nicht über den perfekt organisierten Kalender oder die Fähigkeit, jedes Problem vorauszusehen und für alles zu sorgen, was gebraucht wird. Vielleicht jeden Tag ein Moment, in dem wir uns daran erinnern, Jesus zu vertrauen, unserem wunderbaren Berater.

Und vielleicht üben wir, bevor die Herde da ist, unser Ohr woanders hinzulegen als auf den Boden.

Gib mir Gnade, ihm mehr zu vertrauen.

Gesprächseinstiege

Für dich selbst zum Nachdenken: Was nimmt gerade den meisten Platz in meinem Kopf ein, ohne in meinem Kalender zu stehen?
💬
Für das Gespräch mit deinem Teenager: Glaubst du, es gibt einen Unterschied, ob dir etwas am Herzen liegt oder ob du dir Sorgen darum machst? Wo würdest du die Grenze ziehen?

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In Zusammenarbeit mit Axis. Original: »What the kitchen calendar taught me about counseling« von Irene Tucker, aus der Eltern-Mail »The One Conversation«. Deutsche Fassung: Esther Penner, Pulse-Team.