Kennst du die »Bibelverse singend lernen«-CDs? Ich habe sie als Kind jeden Tag gehört, nicht unbedingt weil ich Bibelverse auswendig lernen wollte, sondern eher weil ich die Musik mochte. Trotzdem haben mich diese Verse geprägt. Jedes Mal wenn ich »Lass dich nicht« lese, singt mein Kopf »Lass dich nicht (Lass dich nicht) vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse, … mit Gutem« (Römer 12,21, Luther 2017).
Später als Mitarbeiterin bei Kinderstunden versuchten wir, mit den Kindern jeden Sonntag einen Vers zu lernen. Doch dann habe ich aufgehört. Bis ich mit meinem Mann wieder angefangen habe und mir jetzt ein Ziel gesetzt habe: Bis Weihnachten möchte ich die Bergpredigt auswendig lernen. Währenddessen bin ich mir immer mehr bewusst geworden, warum. Hier sind meine Gründe:
Warum auswendig lernen?
1. Gottes Schrift ist von Gottes Geist erfüllt
2. Timotheus 3,16–17 gibt uns einen grundlegenden Grund, auswendig zu lernen: »Die ganze Schrift ist von Gottes Geist gegeben und von ihm erfüllt. Ihr Nutzen ist entsprechend: Sie lehrt uns, die Wahrheit zu erkennen, überführt uns von Sünde, bringt uns auf den richtigen Weg und erzieht uns zu einem Leben, wie es Gott gefällt. Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und ausgerüstet zu jedem guten Werk.« (NeÜ)
2. Die ewige Beständigkeit von Gottes Wort
Weiterhin ist das Wort Gottes ewig beständig. Das finden wir in Schlüsselstellen wie Jesaja 40,8: »Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt für immer in Kraft.« (NeÜ) Oder auch in der Bergpredigt, Matthäus 5,18 (NeÜ): »Denn ich versichere euch: Solange Himmel und Erde bestehen, wird auch nicht ein Punkt oder Strich vom Gesetz vergehen, bis alles geschieht.«
3. Die Kraft und Wirkung von Gottes Wort
In Hebräer 4,12 wird das Wort Gottes als lebendig und wirksam beschrieben. In Psalm 119 wird Gottes Wort als das, was uns rein hält (Vers 9), und das, was unseren Weg beleuchtet (Vers 105), beschrieben. Der Klassiker zum Auswendiglernen selbst ist aber Vers 11: »Dein Wort habe ich im Herzen verwahrt, weil ich nicht gegen dich sündigen will.« (NeÜ)
Mich persönlich tröstet das Wort Gottes. Nach dem Tod meines Opas bin ich immer wieder zu einem Vers zurückgekehrt: »Jahwe hat gegeben und hat es wieder genommen. / Gelobt sei der Name Jahwes« (Hiob 1,21, NeÜ). Es war sehr beruhigend zu wissen, dass alles auf dieser Welt aus der Hand meines liebenden himmlischen Vaters kommt. Und er weiß, was er wann tut.
4. Verfügbarkeit überall und jederzeit
Ganz praktisch gesehen: Gerade weil wir heute die Bibel ständig im Handy dabei haben, können wir überall und jederzeit üben und wiederholen. Im Bus, auf der Toilette, unter der Dusche, falls dein Handy wasserfest ist ;) . Und trotzdem lohnt sich das Auswendiglernen, denn Gottes Wort im Kopf ist noch direkter zugänglich als auf dem Bildschirm. Tag und Nacht über Gottes Wort nachzudenken wird mehrmals in der Bibel erwähnt. Gott fordert Josua dazu auf (Josua 1,8), und Psalm 1 beschreibt den »glücklichen« Menschen als jemanden, der genau das tut. Nachts ist es sehr praktisch, die Bibel auswendig zu können, gerade wenn schwere Gedanken dich plagen oder du einfach nur nicht einschlafen kannst und niemanden um dich herum wecken willst.
5. Zeugnis und Rechenschaft ablegen
1. Petrus 3,15 fordert uns auf: »Lasst vielmehr Christus, den Herrn, die Mitte eures Lebens sein! Und wenn man euch nach eurer Hoffnung fragt, seid immer zur Rechenschaft bereit!« (NeÜ) Auch dafür ist es sehr wichtig und praktisch, Verse auswendig zu können. Entweder ganze Strecken wie die Römerstraße (eine Art, das Evangelium zu erklären) oder auch nur einzelne Verse wie Johannes 3,16 sind hilfreich. Denn Gottes Wort wirkt.
6. Intensivere Auseinandersetzung mit dem Text
Ein letzter ganz praktischer Punkt, der vielleicht nicht alle im gleichen Ausmaß betrifft, aber für mich ist Auswendiglernen eine Art, den Text viel intensiver zu betrachten und darüber nachzudenken, als wenn ich ihn einfach nur lesen würde.
Wie ich es mache
Mein Ansatz ist keine Wissenschaft. Du machst im Grunde das Gleiche, das du aus der Schule oder Universität kennst. Und du hast vermutlich bereits eigene Ideen. Probiere aus, was für dich funktioniert, und sei kreativ.
Meistens lese ich einen Vers zweimal laut vor und versuche ihn dann auswendig aufzusagen. Am selben Abend wiederhole ich ihn vor dem Schlafengehen und kontrolliere erst danach mit der Bibel.
In den folgenden Tagen wechsle ich zwischen verschiedenen Techniken: Ich sage den Vers laut auf oder nehme mich auf, um zu überprüfen, ob ich ihn korrekt wiederhole. Alternativ schreibe ich den ersten Buchstaben jedes Wortes auf. Das geht schneller als den ganzen Text und hilft beim Kontrollieren. Das Wichtigste ist dann: wiederholen, wiederholen, wiederholen. Im Bus, auf der Toilette, unter der Dusche, überall.
Wenn du mehr Abwechslung möchtest, gibt es mehrere Optionen:
- Den Vers zeichnen, kalligrafieren oder bildlich darstellen. So entsteht ein visueller Anker im Gedächtnis.
- Einen Rhythmus finden oder ein Lied schreiben (und ja, »Bibelverse singend lernen« funktioniert auch bei Erwachsenen!) Probier es aus!
Kurzes Wort zu Übersetzungen: Die meisten kennen vor allem die Unterschiede zwischen den Bibelübersetzungen. Beim Auswendiglernen gibt es aber einen zweiten wichtigen Punkt: Du merkst dir nicht alles gleich gut. Ich persönlich merke mir eine alte Luther-Übersetzung (wie die von 1912) deutlich besser, als wenn etwas »zu modern« klingt. Das bin ich; bei dir kann das genau andersherum sein.
Vier kleine Punkte noch zum Schluss
- Dranbleiben. Wenn du einen Tag (oder eine Woche) auslässt, ist das nicht schlimm. Dann ist der Text mehr vergraben in deinem Kopf, aber er ist nicht verloren.
- Mach es zur Priorität, zum Beispiel, indem du jemandem davon erzählst, sozusagen als Rechenschafts-Person. Ich habe dir am Anfang dieses Artikels verraten, dass ich bis Weihnachten die Bergpredigt können will. Jetzt weißt du es, und ich kann nicht mehr so leicht kneifen, weil du vielleicht nachfragst, wie es gelaufen ist.
- Mach's gemeinsam. Such dir jemanden, mit dem du ab und zu mal zusammen sprichst, oder such dir eine Community, die dabei bleibt, etwas auswendig zu lernen.
- Es darf Spaß machen. Wenn du zwar nicht gut zeichnen kannst, aber es gerne tust, dann darfst du Verse zeichnen. Alles, was deinem Kopf hilft, es sich zu merken, ist es wert.
Fang heute an
Damit dieser Artikel nicht nur theoretisch bleibt, kommt hier noch meine Ermutigung, um das Gelernte umzusetzen.
Nimm dir 15 Minuten und lerne den Psalm 117 (NeÜ):
Alle Nationen, lobt Jahwe! / All ihr Völker, rühmt ihn! Denn machtvoll ist seine Gnade über uns, und ewig währt die Treue Jahwes. Halleluja!
Wiederhole ihn jeden Tag (am Klo oder so) für eine Woche, und voilà, du kannst einen ganzen Psalm!
