Ich habe kürzlich eine Predigt von John Piper darüber wiedergelesen, was biblische »Unterordnung« bedeutet und was nicht. Der übergreifende Zusammenhang: Piper wendet sich an Frauen, deren Ehemänner dem Herrn nicht nachfolgen oder keine biblische Leiterschaft ausüben. Sein Text war 1. Petrus 3,1-7.
In der Predigt nennt Piper zunächst sechs Dinge, die Unterordnung nicht bedeutet:
1. Unterordnung bedeutet nicht, mit allem einverstanden zu sein, was der Ehemann sagt. Das zeigt schon Vers 1: Sie ist Christin, er ist es nicht. Er hat eine bestimmte Vorstellung von der letzten Wirklichkeit, sie eine andere. Petrus ruft sie zur Unterordnung auf und setzt zugleich voraus, dass sie sich seiner Sicht auf das Wichtigste überhaupt – Gott – gerade nicht anschließt. Unterordnung kann also nicht heißen, allem zuzustimmen, was der Mann denkt.
2. Unterordnung bedeutet nicht, Verstand oder Willen am Traualtar abzugeben. Sie ist nicht die Unfähigkeit oder der Unwille, selbst zu denken. Hier ist eine Frau, die das Evangelium von Jesus Christus gehört hat. Sie hat darüber nachgedacht, die Wahrheitsansprüche Jesu geprüft, in ihrem Herzen die Schönheit und den Wert von Christus und seinem Werk erfasst – und sie hat sich für ihn entschieden. Ihr Mann hat es ebenfalls gehört; sonst würde Petrus wohl kaum sagen, er habe »dem Wort nicht gehorcht«. Er hat es gehört, darüber nachgedacht – und sich nicht für Christus entschieden. Sie hat selbst gedacht und selbst gehandelt. Und Petrus fordert sie nicht auf, von dieser Entscheidung abzurücken.
3. Unterordnung bedeutet nicht, auf jeden Versuch zu verzichten, den Mann zu verändern. Der ganze Sinn dieses Textes ist es, einer Frau zu zeigen, wie sie ihren Mann »gewinnen« kann. Vers 1 sagt: »Ordnet euch euren Männern unter, damit auch die, die dem Wort nicht gehorchen, gewonnen werden.« Ohne den biblischen Zusammenhang könnte man meinen, Unterordnung heiße, den Mann so zu nehmen, wie er ist, und ihn nicht verändern zu wollen. Doch im Zusammenhang gelesen ist Unterordnung – paradoxerweise – gerade eine Strategie, ihn zu verändern. Das Ziel dieses Textes ist die tiefstmögliche Veränderung, die man sich denken kann: vom geistlich toten Ungläubigen zum geistlich lebendigen Gläubigen.
4. Unterordnung bedeutet nicht, den Willen des Mannes über den Willen Christi zu stellen. Der Text lehrt klar: Die Frau ist Nachfolgerin Jesu, bevor und über allem, dass sie ihrem Mann folgt. Er geht den Weg des Unglaubens; darin folgt sie ihm nicht, denn sie ist berufen, Jüngerin Jesu zu sein. Die Unterordnung unter Jesus relativiert die Unterordnung unter Ehemänner – und ebenso unter Regierungen, Arbeitgeber und Eltern. Wenn Sara Abraham in Vers 6 »Herr« nennt, ist es »Herr« mit kleinem h, ähnlich wie »mein Gebieter«. Ihr Gehorsam ist ein abgeleiteter Gehorsam: unter, um willen und gefiltert durch den Gehorsam gegenüber dem HERRN mit großem H.
5. Unterordnung bedeutet nicht, dass eine Frau ihre geistliche Kraft aus ihrem Mann bezieht. Ein guter Ehemann soll seine Frau tatsächlich stärken, aufbauen und tragen; er soll eine Quelle der Kraft sein. In mancher Hinsicht ist die Frau, wie Vers 7 sagt, das »schwächere Gefäß«. Aber der Text zeigt: Wo geistliche Fürsorge und Führung des Mannes fehlen, steht eine christliche Frau nicht ohne Kraft da. Sie ist nicht darauf angewiesen, dass er ihr Glaubensstärke, Tugend und Charakter liefert. Der Text setzt das Gegenteil voraus: Sie ist gerufen, Tiefe, Stärke und Charakter zu entwickeln – nicht aus ihrem Mann, sondern für ihren Mann. Vers 5 sagt: Ihre Hoffnung ruht auf Gott, nicht auf dem Ehemann.
6. Unterordnung bedeutet nicht, aus Angst zu handeln. Vers 6b sagt: »Ihr seid ihre Kinder geworden, wenn ihr Gutes tut und euch durch keine Furcht einschüchtern lasst.« Mit anderen Worten: Unterordnung ist frei, nicht durch Furcht erzwungen. Die christliche Frau ist eine freie Frau. Wenn sie sich ihrem Mann unterordnet – ob er gläubig ist oder nicht –, tut sie es in Freiheit, nicht aus Angst.
Danach stellt Piper die positive Frage: Was ist Unterordnung dann? Seine Antwort:
Sie ist die Bereitschaft, der Autorität eines Mannes zu folgen, und die Neigung, sich seiner Führung anzuvertrauen. Es ist eine Haltung, die sagt: »Ich freue mich, wenn du in unserer Familie die Initiative ergreifst. Ich bin froh, wenn du Verantwortung übernimmst und in Liebe führst. Ich blühe nicht auf, wenn du passiv bist und ich dafür sorgen muss, dass die Familie funktioniert.«
Aber die Haltung christlicher Unterordnung sagt auch: »Es schmerzt mich, wenn du dich in Sünde begibst und mich mitnehmen willst. Du weißt, dass ich das nicht kann. Ich habe kein Verlangen, mich dir zu widersetzen. Im Gegenteil: Ich blühe am meisten auf, wenn ich schöpferisch und freudig auf deine Führung antworten kann. Aber ich kann dir nicht in die Sünde folgen, so sehr ich deine Führung in unserer Ehe auch ehren möchte. Christus ist mein König.«
In Zusammenarbeit mit The Gospel Coalition. Original von Justin Taylor auf thegospelcoalition.org, nach einer Predigt von John Piper zu 1. Petrus 3,1-7. Deutsche Fassung und Anpassung an den DACH-Kontext: Ruth Delahaie (Pulse-Team).

