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Vorwort zur deutschen Ausgabe
Vorwort: Mit Wahrheit und Relevanz
Teil 1: Durchdenken
Kapitel 1: Warum wir das überhaupt tun
Kapitel 2: Das Vorbild von Jesus und der ersten Gemeinde
Vertiefung zu Teil 1
Teil 2: Aufbauen
Kapitel 3: Die Schlüsselelemente vor dem Start
Kapitel 4: Eine Gemeinde, die wirklich Jugendliche erreichen will
Kapitel 5: Sich auf den Prozess einlassen
Vertiefung zu Teil 2
Teil 3: Umsetzen
Kapitel 6: Der Startschuss
Kapitel 7: Durch positiven christlichen Kontakt
Kapitel 8: Jahreszeiten, Timing und Startbahnen
Kapitel 9: Hochwertige Jugendtreffen und Veranstaltungen
Kapitel 10: Ideen für die Kontaktarbeit
Kapitel 11: Ordnung, Kontrolle und Disziplin unter Rabauken
Kapitel 12: Kontaktarbeit in Familien
Ein letztes Wort: Froschküsser
Vertiefung zu Teil 3
Anhang der deutschen Ausgabe
Über Rick Bundschuh
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Dieses Buch stammt aus der Feder einer Person, die sich mit ihrem ganzen Sein in das Leben von Jugendlichen wirft, die sonst wenig Liebe und Annahme erleben. Denn es braucht mehr als gute Methoden und Konzepte, um Jugendliche zu erreichen, die wohl nur durch Kontaktarbeit Jesus kennenlernen werden.
Rick vergleicht gute Kontaktarbeit mit Auffahrten, die Jugendliche sanft auf den Weg zu Jesus hin setzen. Damit dieses Buch für dich persönlich eine gute Auffahrt in die Kontaktarbeit wird, habe ich das Buch mit Ricks ausdrücklicher Erlaubnis an unseren kulturellen Kontext angepasst und mit Fußnoten und einem Anhang versehen, die dir als Leitplanken dienen.
Wenn du kirchenferne Jugendliche erreichst, erreichst du echte Leben, und echte Leben bringen echte Nöte mit. Das gehört nicht auf die Schultern einer ehrenamtlichen Person allein. Generell gehört die Arbeit mit jungen Menschen nicht auf die Schultern von einer Person. Im Team unterwegs zu sein, sich Unterstützung bei erfahrenen Fachkräften, beim eigenen Träger, im Zweifel bei einer Beratungsstelle zu holen, ist genau die Sorte Weisheit, zu der Rick in diesem Buch immer wieder einlädt, wenn er sagt: »Überschlage die Kosten und bau ein Team.« Und wo aus gelegentlicher Kontaktarbeit regelmäßige Arbeit in Brennpunkten wird, gehört sie in die Hände von Fachkräften. Im Anhang dieses Buches findest du dafür zehn Dinge, die du geklärt haben solltest, bevor du losziehst, und Empfehlungen zum Vertiefen.
Jetzt wünsche ich dir beim Lesen genau das, was mir beim Übersetzen passiert ist. Dass dich Ricks Liebe zu diesen Jugendlichen ansteckt, dass du einige Male laut lachen musst, und dass du am Ende nicht sagst: »Das geht bei uns nicht«, sondern fragst: »Welche Auffahrt bauen wir zuerst?«
Esther Penner
Vorwort: Mit Wahrheit und Relevanz
Ich mag Ungläubige. Manchmal mag ich sie lieber als Gläubige. Besonders mag ich Ungläubige, die zu Gläubigen werden. Wenn man diese Menschen nicht in die Ausstechform irgendeiner müden Version des Christentums presst, bringen sie oft eine frische Perspektive mit, ansteckende Begeisterung und sogar eine gesunde Portion kritischer Fragen, die die Gemeinde braucht, um wach zu bleiben. Selbstgerechte erkennen sie auf einen Blick, und zumindest am Anfang haben sie keine Scheu, offensichtliche Ungerechtigkeiten oder Widersprüche anzusprechen.
Das gehört zu den Gründen, warum ich mit solcher Leidenschaft dafür brenne, die alten, zeitlosen Wahrheiten des christlichen Glaubens in die Sprache unserer heutigen Kultur zu übersetzen. Wir müssen Ungläubige mit Wahrheit und Relevanz erreichen.
Aus irgendeinem Grund war ich in dieser Sache immer ziemlich gut. Meine erste hauptamtliche Stelle außerhalb meiner Heimatgemeinde war die eines Jugendleiters für die 11- bis 14-Jährigen. Ich startete mit elf christlich-sozialisierten Jugendlichen in der Gruppe. Anderthalb Jahre später kamen zu meinen Treffen unter der Woche über dreihundert Jugendliche, aber nur elf davon waren christlich-sozialisiert aufgewachsen.
Ich hatte kaum Unterstützung und noch weniger Ressourcen. Die Erfahrung war verrückt und berauschend zugleich. Gott hat damals wilde Dinge getan und er tut sie bis heute, denn manche der Samenkörner von damals haben längst Wurzeln geschlagen.
Irgendwann kam ich nach Hawaii und gründete dort mit einer Handvoll anderer geistlicher Verrückter eine Gemeinde für Menschen, die eigentlich nicht besonders gern in die Kirche gehen. Rund 85 Prozent unserer Gemeinde (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) sind nicht in christlichen Elternhäusern aufgewachsen. Das macht die Sache richtig interessant, wenn man sie bittet, ein bestimmtes Buch in der Bibel zu finden. (Ich habe zugesehen, wie sie auf der Suche nach dem 1. Buch Mose von hinten nach vorne geblättert haben.)
Die Konzepte und Tipps in diesem Buch stammen aus vielen Jahren Jugendarbeit mit einem klaren Schwerpunkt: kleine Wilde zu erreichen. Es stecken viele praktische Ideen darin und ein paar grundsätzliche Gedanken zum Kauen.
Eines gibt es allerdings nicht: eine Universalschablone, um Kirchenferne zu erreichen. Ich glaube nicht, dass so etwas existiert. Falls irgendein Verlag versucht, dir eine zu verkaufen: Glaub ihm kein Wort. Es gibt Faustregeln und Ideen, die »meistens funktionieren«. Aber ich habe wirksame Kontaktarbeit erlebt, die gegen so ziemlich jeden Grundsatz verstoßen hat, den ich in diesem Buch aufstelle. Ich habe gelernt: Gott ist an unsere ausgeklügelten Pläne und Strategien nicht im Geringsten gebunden.
Ganz ehrlich: An etlichen Orten, an denen ich Jugendarbeit gemacht habe, wurde es richtig anstrengend, sobald die ungläubigen Horden anfingen, die Jugendgruppe zu stürmen. Ich pendelte zwischen Freude und Entmutigung – mit einer ordentlichen Portion Verwirrung obendrauf –, während ich zusah, wie unterschiedlich Christen darauf reagierten, dass die gute Nachricht die Unerreichten erreichte. Was mich weitermachen ließ, war die feste Überzeugung: Das hier ist Gottes Wille.
Das habe ich damals geglaubt. Und das glaube ich heute.
Gott liebt die Trolle, das Pack, die Nervensägen und die ungewaschenen Chaoten. Er liebt die durchgeknallten Linken und die tobenden rechten Eiferer und sogar den verschrobenen Elektriker, der mir beim Verkabeln meines Hauses in vollem Ernst und mit gedämpfter Stimme von den Reptilien-Invasoren aus dem All erzählte, die sich als Politiker und Staatschefs tarnen und die Weltherrschaft vorbereiten. (Ich konnte mir während des Gesprächs gerade so das Lachen verkneifen und ich gestehe: Nachdem er weg war, habe ich noch eine ganze Weile laut gelacht.)
Ich will lieben, was Gott liebt. Ich glaube, du auch. Sonst hättest du dieses kleine Buch nicht in die Hand genommen. Meine Hoffnung ist, dass die Menschen in deiner Gemeinde diese Liebe teilen, nicht nur mit Worten, sondern indem sie offen dafür sind, dass Jesus das Wesen ihrer Gemeinschaft von Grund auf verändert: durch eine Flut neuer Leute, die all das sind, was sie selbst nicht sind.
Möge Gott dich als seinen Katalysator gebrauchen, sein Werkzeug, seinen Spiegel, während du die liebst, für die der Sohn gestorben ist. Ja, auch die, die an Reptilien-Invasoren glauben.
Widmung
Fast jeder, der den schmalen Weg findet, findet ihn, weil jemand – im Zusammenspiel mit dem Heiligen Geist – zum Wegweiser in diese Richtung wurde. Oft sind das Familienmitglieder oder enge Freunde, deren Glaube nicht nur gesprochen, sondern gelebt wird. Manchmal taucht völlig unerwartet ein Außenstehender auf und wird zu Gottes Werkzeug in unserem Leben. Und in seltenen Fällen wird dieser Mensch nicht nur zum Wegweiser, sondern auch zum Mentor und Vorbild. Auf meinem Weg vom Unglauben zum Kreuz war dieser Schildhalter, Mentor, dieses Vorbild und dieser Freund E. G. Von – ein unbesungener, aber revolutionärer Jugendleiter.
Die Ideen in diesem Buch habe ich zuerst an seiner Arbeit abgeschaut. Aber ehrlich gesagt verdanke ich auch den Gemeinden viel, in denen ich gedient habe und besonders einigen Leitern, die zusammengezuckt sind, gebetet haben, schwer geschluckt und viel riskiert haben. Sie sind das Wagnis eingegangen, dass der verrückte Kram, den ihr junger Jugendleiter ständig ausheckte, sie am Ende nicht den Job oder eine Klage kosten würde, oder beides. Sie haben weggeschaut, wenn Chaos entstand, Kleinbusse verwüstet wurden, Geld draufging und Jugendliche sich herumtrieben, wo sie nichts zu suchen hatten.
Ich weiß euer Vertrauen sehr zu schätzen und euch widme ich dieses kleine Werk.
Rick Bundschuh
Kauai, Hawaii
Kapitel 1: Warum wir das überhaupt tun
Kapitel 2: Das Vorbild von Jesus und der ersten Gemeinde

Kapitel 1: Warum wir das überhaupt tun
Nenn mich naiv, nenn mich unwissend, nenn mich idealistisch, aber ich habe der Gemeindeleitung wirklich geglaubt, als sie sagten, dass eines der Ziele für die neue Position des Jugendreferenten darin bestand, dass junge Menschen Jesus kennenlernen sollten. Vielleicht redeten wir aneinander vorbei und hatten unterschiedliche Assoziationen dazu, als sie mich für meinen ersten Job außerhalb meiner Heimatgemeinde einstellten. Vielleicht stellten sie sich einen kleinen, stetigen Zustrom von gut gekleideten und gepflegten Jugendlichen vor, die durch die Bemühungen dieser neuen Position den Weg ins Reich Gottes und in die vordersten Reihen der Kirche finden würden.
Was sie bekamen, war etwas völlig anderes.
Sie bekamen fluchende, prügelnde, selbstsüchtige Teens aus kaputten Familien aus dem zwielichtigen Teil der Stadt. Sie bekamen kleine Rabauken, die einige der anderen Teens bedrohten und den Frauen den Stinkefinger zeigten, die sie dafür ausschimpften, dass sie auf ihren Skateboards an ihnen vorbeirasten. Kurz gesagt, sie bekamen wilde Jugendliche.
Ich dachte, die Leute im Gemeindevorstand würden sich freuen. Wenn jemand die gute Nachricht von Jesus hören musste, dann waren es diese Jugendlichen. Die meisten von ihnen hatten noch nie eine Bibel in der Hand gehalten, bis sie in der Jugendgruppe auftauchten. Nur wenige hatten den Namen Jesus jemals anders verwendet als ein Fluchwort. Kaum einer hatte jemals die Kinderkirche oder Jungschar besucht oder Geschichten aus dem Alten Testament gehört. Geistlich gesehen waren sie unbeschriebene Blätter.
Ich dachte, die Eltern der Gemeinde würden sich über die vielen neuen Gesichter freuen. Einige taten das auch, aber einige waren weniger begeistert. Als die Zahl der Neulinge die Zahl der »alten Hasen« übertraf, waren die Eltern noch weniger begeistert von dem, was passierte.
»Sie werden einen schlechten Einfluss auf mein Kind haben«, sagte einer.
»Das sind genau die Jugendlichen, vor denen ich meinen Sohn zu schützen versuche, indem ich ihn in die Jugendgruppe schicke, damit er mit ihnen keinen Kontakt hat«, sagte ein anderer.
Sicherlich würden der Pastor und die anderen Mitarbeiter hinter mir stehen, dachte ich. Der Pastor lud mich in sein Büro ein und ermutigte mich, die Jugendlichen mit klassischer Musik und anderen kulturellen Dingen in Berührung zu bringen, während wir über das Evangelium sprachen. Ich betrachtete es schon als Erfolg, einige christliche Rocklieder der Sammlung nicht jugendfreier Songs hinzuzufügen, die sie bereits hörten. Der Pastor war älter, fast im Ruhestand und nicht mehr wirklich mit dem Geschehen in der Jugendarbeit vertraut.
Der Hausmeister war verärgert über die Toilettenpapier-Deckenverzierungen, die in den Toilettenräumen auftauchten. Die Finanzverantwortlichen fingen an, sich über die Ausgaben für Limonaden, Spielmaterial, Zubehör, Sprit und andere typische Dinge zu beschweren, die bei einer wachsenden Jugendarbeit regelmäßig anfallen. Eine Reihe von Leuten beschwerte sich leise, dass diese Teens nur kamen, um unterhalten zu werden, und das Evangelium offensichtlich nicht gepredigt wurde.
Unterdessen kamen immer mehr Jugendliche. Sie terrorisierten die Nachbarn, rauchten hinter den Mülltonnen und einige trugen Kleidung, die eher Kleidungsfetzen ähnelten. Ihre Outfits sorgten für interessante Kontraste. Ich erinnere mich noch deutlich an das Kind, das ein T-Shirt mit einem riesigen Hanfblatt trug und in der Bibel las. Ich hätte ein Foto davon machen sollen.
Jugendliche entschieden sich reihenweise für ein Leben mit Jesus. Ihr junges Leben begann sich allmählich durch die Wirkung des Wortes Gottes zu verändern. Aber ich hatte sie nur für ein paar Stunden in der Woche, während die Welt ihre Aufmerksamkeit für die restliche Zeit hatte, sodass es nur langsam voranging und es viele Rückschritte gab. Es gab glorreiche Momente und Momente des Schreckens in der Jugendarbeit – wie die Zeit, als ein großer Junge mitten in der Jugendgruppe eine Schlägerei mit mir anfangen wollte, weil ich ihn gebeten hatte, sich bitte ruhig zu verhalten und mitzumachen.
Die Gemeinde bekam, was die Mitglieder wollten. Sie hatten nicht errettete Jugendliche, die ihnen aus den Ohren kamen, und jede Woche neue Bürger im Königreich Gottes.
Aber sie mochten nicht, was sie bekamen.
Einige Vorstandsmitglieder forderten meine Kündigung. Ich war fassungslos, verwirrt, verletzt. Wie konnte das sein? Ich hatte mich auf die Suche nach diesen kleinen Kirchenfernen gemacht und viel Zeit in diese Teens investiert! Wie konnte jemand denken, dass das etwas anderes als glorreich war?
Ah, aber ich lag so falsch.
Es dauerte nicht lange, bis der Gemeindevorstand um meinen Job kämpfte, wobei die Abstimmung für »den Jungen behalten« bei jeder monatlichen Versammlung knapp gewonnen wurde. Ich bewegte mich auf dünnem Eis, während sich die Gemeinde in zwei Lager spaltete: »Erreichen wir die Außenstehenden« und »Schützen wir unsere eigenen«.
Ich lernte die Lektion, dass Menschen, auch wenn sie sagen, dass sie etwas wollen, es vielleicht nicht mögen, wenn sie es tatsächlich bekommen.
Am Ende verließ ich die Gemeinde freiwillig. Der Grund? Sie konnten zwar sagen, dass sie Evangelisation wollten, aber wenn es darauf ankam, konnten sie es nicht tun oder tolerierten es nicht, wenn es getan wurde.
Was auch immer nötig ist
Dieses Buch ist für Menschen, die wirklich die jungen Menschen erreichen wollen, die sich am Skatepark oder im Einkaufszentrum aufhalten. Es ist für diejenigen, die ein Herz für die haben, die sich in Pornografie verlieren, und für die, die sich nach Anerkennung sehnen und dabei falsche Entscheidungen in Beziehungen treffen.
Es ist für diejenigen, die eine hohe Toleranz für noch nicht gerettete Teens haben, die fluchen, weil Fluchen die Sprache der Welt ist, in der sie leben und atmen. Dieses Buch ist für diejenigen, die bereit sind, sich als Mentor oder Ersatztante oder große Geschwister für junge Menschen einzusetzen, die nur noch eine halbe Familie haben. Oder für diejenigen, die nicht wissen, wie es ist, ohne ein Kissen über den Ohren einzuschlafen, um die lauten Streitereien und das Geschrei zu dämpfen, die aber trotzdem bereit sind, für diese Jugendlichen da zu sein, so wie Jesus.
Dieses Buch ist für diejenigen, die bereit sind, alles zu tun, um die vielen zu erreichen, die auf diese Weise leiden.
Dieses Buch hat auch das Potenzial, gefährlich zu sein. Wenn du es schaffst, eine Gruppe von Außenseitern anzulocken, wirst du möglicherweise herausfinden, wie sehr deine Gemeinde wirklich Evangelisation von ganzem Herzen will. Vielleicht erlebst du, dass deine Jugendgruppe gegen die Änderung der Hackordnung rebelliert, dass Eltern sich über die Invasion dieser wilden Jugendlichen aufregen.
Unerwartete Konflikte könnten aufflammen. Du erlebst vielleicht, dass sich deine Lehrmethoden ändern. Vielleicht ändern sich deine Erwartungen. Du erlebst vielleicht, wie dein Herz gebrochen wird. Und es kann sein, dass du die Freude erleben wirst, Teil des größten Wunders überhaupt zu sein: eines veränderten Lebens, jetzt und für die Ewigkeit.
Das ist natürlich der Grund, warum wir das tun.
Wir krempeln die Ärmel hoch und tauchen in die schmutzige Jugendkultur ein, die außerhalb der Kirchenmauern um sich greift. Wir tun das nicht nur, weil unser Meister uns dazu auffordert, es zu tun, sondern wegen der Freude, die daraus entsteht, wenn ein verlorenes Schaf gefunden, eine geknickte Seele befreit und ein gebrochenes Herz geheilt wird.
Für mich sind all diese Gedanken sehr persönlich. Ich war einmal einer dieser ungewaschenen Außenseiter, für den christlicher Slang ein Rätsel war und der die Idee, in die Kirche zu gehen, gleichsetzte mit einer Folter. Aber ein innovativer Jugendleiter mit starker Unterstützung seiner Gemeinde zog mich vom Strand weg zu einer Aktivität, die damals alles andere als Evangelisation zu sein schien: ein Surfausflug nach Mexiko. Diese Reise festigte meine Freundschaft mit dem Jugendleiter, gab mir meinen ersten verständlichen Geschmack des Evangeliums und führte letztlich dazu, dass ich anderthalb Jahre später mein Vertrauen in Jesus setzte.
Als ich entschied, für andere das zu tun, was für mich getan wurde, indem ich mich hauptberuflich in Jugendliche investierte, habe ich einfach die effektiven Methoden nachgeahmt, die bei mir so gut funktionierten.
Viele Jahre sind vergangen, seit ich der neugierige, schlaksige, sonnengebräunte Junge war, der von der Botschaft Christi angezogen wurde. Aber im Laufe der Jahrzehnte habe ich immer wieder Wege gesucht, um mit Kirchenfernen in Kontakt zu treten und Freundschaften zu schließen – und, wenn Gott es zulässt, von der Hoffnung zu erzählen, die in mir ist.
Andere lieben … einfach weil
Menschen sind aus verschiedenen Gründen missionarisch unterwegs. Hier ein paar Szenarien:
- Manche Menschen sind auf einem evangelikalen Dschihad und getrieben von einem starken Missionssinn. Die Menschen, denen sie begegnen, sind Zielobjekte, Seelen, die gerettet werden müssen.
- Einige Menschen machen Kontaktarbeit aus Pflichtbewusstsein. Sie wissen, dass ein Christ seinen Glauben weitergeben soll, also machen sie sich gehorsam an die Arbeit, obwohl es sich eher wie eine mühsame Aufgabe anfühlt.
- Manche Menschen sprechen über Jesus voller Begeisterung aufgrund ihrer neuen Erfahrung mit ihm, stellen jedoch oft fest, dass ihre Bemühungen abkühlen, wenn sie sich an den Rhythmus und die Routinen des christlichen Lebens gewöhnen.
Gott kann und wird so ziemlich jede Methode oder Motivation, die Menschen sich ausdenken, nutzen, um seine Botschaft zu verbreiten (Philipper 1,15-18 ist eine großartige Bibelstelle, um dies zu verdeutlichen). Aber das bedeutet nicht, dass diese Methoden oder Motivationen die besten für uns oder die Menschen sind, die wir erreichen wollen.
Auch wenn dieses Buch viele methodische Ideen enthält, basieren diese Methoden auf der Voraussetzung, dass der Jugendleiter wirklich bereit ist, Jugendliche zu lieben, egal, ob sie auf die Botschaft von Jesus reagieren oder nicht. Diese Methoden sind nicht als Gimmicks gedacht, um die Besucherzahlen zu erhöhen, sondern als Ideen, wie du dein Herz und die Herzen deiner Mitarbeiter mit den Herzen der Menschen außerhalb von Gottes Familie verbinden kannst. Diese Ideen, Hilfen und Tipps können dir die Erlaubnis geben, in das Leben eines Jugendlichen hineinzusprechen und sein oder ihr Freund zu werden. Sie müssen mit dieser Vision im Blick verwendet werden.
Der Bedarf
Theologen sagen gerne, dass wir in einer post-christlichen Kultur leben. Damit meinen sie, dass eine wachsende Zahl von westlich geprägten Menschen sich nicht mehr als explizit christlich betrachtet oder ihre Moral und Ethik durch einen christlichen oder biblischen Filter sieht.
In früheren Jahrzehnten war es politisch korrekt, sich zu einem Glauben zu bekennen und gelegentlich in das örtliche Gotteshaus zu gehen, auch wenn man im praktischen Sinne kein echter Gläubiger war. Zumindest in einer solchen Gesellschaft hatte man einen dünnen Überzug von Religiosität, wobei die meisten »christlich« als ihre Lieblingsgeschmacksrichtung nannten. Unabhängig davon, wie sich die Menschen verhielten, gaben sie zumindest Lippenbekenntnisse zu einer breiten Palette von christlich geprägter Moral und Ethik, mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen wie Scheinheiligkeit.
Heute haben wir mehr Eltern, die es nicht für nötig halten, sich an biblische Ethik, Standards und Werte zu halten. Sie erstellen ihr eigenes Wertesystem oder übernehmen einen Ansatz à la »Schlemmerbuffet«, der es ihnen ermöglicht, aus den christlichen Werten diejenigen herauszupicken, die sie gut finden, und die, die ihnen missfallen, zu ignorieren.
Nur wenige dieser Eltern verspüren das Bedürfnis, ihren Kindern durch die Teilnahme an der Kinderkirche oder am Kindergottesdienst eine geistliche Grundlage zu vermitteln. Tatsächlich sind viele in Bezug auf das spirituelle Erbe ihrer Kinder gleichgültig und erklären, dass die Kinder »später selbst entscheiden können, ob sie an Gott glauben oder eine Religion wählen möchten, wenn sie älter sind«. Die Kinder dieser Eltern sind abdriftende Kinder, ohne geistlichen Anker, ohne feste Grenzen und Orientierung, die ihnen helfen, richtige Entscheidungen im Leben zu treffen.
Und diese Eltern stehen neben den vielen, vielen Eltern, die das Beste für ihre Kinder wollen, aber nicht wissen, wie, oder denen das Selbstvertrauen fehlt, sie effektiv zu leiten.
In diese Welt sind wir berufen, hineinzusprechen.
Die ideale Zeit und Altersstufe für Evangelisation
Die Jugendjahre und besonders die frühen Jugendjahre sind entscheidend, um einem Menschen, der noch nicht an Jesus glaubt, Jesus vorzustellen. Es ist in dieser Lebensphase weitaus einfacher, offene Ohren und Herzen zu finden als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt, doch christliche Gemeinschaften verpassen oder ignorieren oft diese Gelegenheit.
Stell dir vor, du bist ein leidenschaftlicher Angler. Damit meine ich nicht, dass du einfach gerne in die Wildnis fährst, die Landschaft genießt und die Einsamkeit auskostest, während du versuchst, dabei ein oder zwei Forellen zu fangen. Ich meine, dass du wirklich gerne angelst, mit dem Ziel, mit so vielen Fischen wie möglich nach Hause zu kommen. Angenommen, du hättest die Wahl zwischen mehreren Angelplätzen. An manchen Orten sind deine Chancen, einen Fisch zu fangen, ziemlich gering, aber an einem bestimmten Angelteich sind deine Chancen ziemlich hoch. Wo gehst du angeln? Die Antwort für einen eingefleischten Angler liegt auf der Hand. Du gehst zu den bewährten Plätzen, an denen du immer wieder mehr Fische fängst.
Seit Jahren zeigen Umfrageergebnisse, dass die Mehrheit der Menschen, die Christen werden, diese Entscheidung vor ihrem 20. Lebensjahr treffen (Schätzungen gehen bis zu 85 Prozent), wobei ein großer Teil dieser Entscheidungen vor der neunten Klasse stattfindet. Die gleichen Umfragen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand sich im Alter für Jesus entscheidet, immer geringer wird. Die Jugendjahre stellen also ein erstklassiges »Angelgewässer« dar, in dem viele, die als Menschenfischer berufen sind, arbeiten sollten, besonders, wenn sie ernsthaft »Fische fangen« wollen und nicht nur Freizeitfischer sein wollen.
Mit ein wenig gesundem Menschenverstand sollte jede Kirche, die ernsthaft daran interessiert ist, Seelen zur Errettung in Jesus zu führen, viel Zeit, Energie und Ressourcen in diese Altersgruppe investieren, wo das Potenzial für eine Entscheidung so hoch ist. Obwohl sich viele Gemeindeleiter dieser Fakten bewusst sind, wird nur sehr wenig Energie darauf verwendet, das Beste aus dieser Gelegenheit zu machen. Es werden nur wenig qualifizierte Arbeitskräfte, Gedanken, Geld oder Ressourcen für die Altersgruppen der 11- bis 14-Jährigen eingesetzt.
In der Glaubensgemeinschaft, in der ich als Lehrpastor tätig bin, hat die Auseinandersetzung mit der Realität den Rhythmus unserer Gemeindearbeit verändert. Unsere wichtigste Ansprechperson für Evangelisation ist unser Jugendleiter für die 11- bis 14-Jährigen. Unsere Kirche investiert viele Ressourcen, um sicherzustellen, dass die Werkzeuge und das Personal vorhanden sind, um dieser Altersgruppe Jesus vorzustellen. Sollte es eine finanzielle Krise geben, bei der Kürzungen notwendig sind, hat unser Jugendleiter für die 11- bis 14-Jährigen so viel oder mehr Jobsicherheit als jeder andere Mitarbeiter. Er wäre der Letzte, der gehen müsste, und sein Dienst wäre der Letzte, der gekürzt wird. So wichtig ist dieses »Angelgewässer«, dass es Vorrang vor fast jeder anderen missionarischen Anstrengung hat, die der Kirche als wichtig gilt.
Jugendleiter, vielleicht müssen wir unseren Fokus und unsere Energie schärfer auf die 11- bis 14-Jährigen richten, die durch die Nachbarschaften, Skateparks und Einkaufszentren streifen. Es ist offensichtlich, dass diejenigen, die Jesus in diesem Alter kennenlernen, sich eher für ein Leben mit Jesus entscheiden.

Kapitel 2: Das Vorbild von Jesus und der ersten Gemeinde
Einer der Gründe, warum ich nie hoffnungslos entmutigt wurde trotz der offensichtlichen Lustlosigkeit, mit der manche Christen und sogar Gemeindeleiter der Jagd nach den kantigen Sorten verlorener Jugendlicher begegnen, ist dieser: Ich weiß, dass der Impuls, die Abgestürzten und Angeschlagenen zu erreichen, im Takt mit dem Herzschlag von Jesus schlägt. Alles, was ich über unseren Herrn weiß, zeigt: Er liebt es geradezu, die Rauesten der Rauen zu lieben und die vorhersehbare Empörung der Frömmer-als-du-Fraktion lässt ihn kalt. Ein kurzer Blick in die Evangelien zeigt, dass Jesus so bereitwillig mit dem Bodensatz der Gesellschaft unterwegs war, dass er die religiösen Profis regelmäßig empörte und selbst seine stärksten Unterstützer häufig verwirrte.
Der Präzedenzfall
Du erinnerst dich vielleicht. Johannes der Täufer, der offensichtlich von den Gerüchten beunruhigt war, die ihm über Jesus und seine Feiern mit zweifelhaften Gestalten zugetragen wurden, schickte einige seiner Nachfolger los, um die Sache zu prüfen. Ausgerüstet waren sie mit einer merkwürdigen Frage: »Johannes der Täufer hörte im Gefängnis vom Wirken des Messias und schickte einige seiner Jünger zu ihm. Er ließ ihn fragen: ›Bist du wirklich der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?‹« (Matthäus 11,2-3). Die Frage ist so aufgeladen, dass man förmlich zwischen den Zeilen lesen kann. Hier also mein Versuch, genau das zu tun. Ich nenne es Ricks erweiterte, leicht ausgeschmückte und jugendleiterfreundliche Fassung: »Ähm, wir hören, dass du, ganz anders als unser asketischer Meister Johannes, auf allen wilden Partys der Stadt unterwegs bist und dich mit den schäbigsten Gestalten anfreundest. Man will dich sogar dabei gesehen haben, wie du dir ab und zu ein Gläschen Wein genehmigst. Deshalb hat man uns geschickt, um zu fragen: Bist du wirklich der, auf den wir warten, oder, äh … na ja, sollten wir uns mal nach jemand anderem umsehen?«
Und ich liebe die Antwort, die Jesus den Jungs für Johannes mitgibt:
»Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt. Und glücklich zu nennen ist der, der nicht an mir irre wird.« — Matthäus 11,4-6
Rechnen wir das mal durch: Häng mit einem Haufen Taugenichtsen ab und mach es dir ernsthaft zum Ziel, sie so zu lieben und zu prägen, wie Jesus es getan hat und die Zungen werden wackeln und die Gerüchte fliegen, bis die Leute deine Methoden infrage stellen, deine Moral und sogar deine Berufung. Aber vielleicht bekommst du eben auch eine Schiffsladung voller Wunder und veränderter Leben.
Falls Johannes etwas verwirrt war: Er befand sich in guter Gesellschaft. Selbst die Männer, die als Jünger bei Jesus angeheuert hatten, standen regelmäßig ratlos vor der Frage, mit wem er sich da schon wieder abgab. Eines Tages zum Beispiel liefen sie in die nahegelegene Stadt, um Essen zu besorgen. Als sie zurückkamen, stellten sie zu ihrer Überraschung fest, dass Jesus mitten in einem ausgewachsenen Gespräch mit einer stadtbekannten Frau von zweifelhaftem Ruf steckte. Sie mussten alle Beherrschung zusammenkratzen, die sie hatten, um nicht etwas herauszuplatzen wie: »Wer ist denn bitte die da und warum verschwendest du überhaupt einen Gedanken an sie?« (vgl. Johannes 4,27).
Aber die Leute, die Jesus wirklich auf die Palme brachte, waren die religiösen Typen, die stolz darauf waren, wie viel Abstand sie zwischen sich und die schmierigen Sünder legen konnten. Wieder und wieder wackelte ihr erhobener Zeigefinger über seine Wahl der Tischgenossen, oder sie murrten mit gedämpfter Stimme über den befleckten Ruf irgendeiner Gestalt, mit der Jesus unterwegs war.
Und wieder und wieder erklärte Jesus ihnen seinen Auftrag: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder« (Markus 2,17).
Er versuchte sogar, seinen Punkt in raffinierten Gleichnissen rüberzubringen, etwa in der Geschichte vom Hochzeitsfest des Königs in Matthäus 22,1-10, die perfekt veranschaulicht, dass die Religiösen an Gottes Einladung in Wahrheit gar nicht interessiert waren, die scheinbar Unpassenden dagegen schon.
Jesus sagte ihnen noch ein Gleichnis: »Mit der Himmelsherrschaft verhält es sich wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Als es so weit war, schickte er seine Diener los, um die, die er zum Fest eingeladen hatte, rufen zu lassen. Doch sie wollten nicht kommen. Da schickte er noch einmal Diener los und ließ den Eingeladenen sagen: ›Das Festmahl ist angerichtet, Ochsen und Mastkälber geschlachtet, alles ist bereit. Beeilt euch und kommt!‹ Doch sie kümmerten sich überhaupt nicht darum. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft. Einige jedoch packten die Boten, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig. Er schickte seine Truppen aus, ließ jene Mörder umbringen und ihre Stadt in Brand stecken. Dann sagte er zu seinen Dienern: ›Das Hochzeitsfest ist vorbereitet, aber die Gäste, die ich eingeladen hatte, waren es nicht wert. Geht jetzt auf die Straßen und ladet alle ein, die ihr trefft.‹ Das taten sie und holten alle herein, die sie fanden, Böse und Gute. So füllte sich der Hochzeitssaal mit Gästen.« — Matthäus 22,1-10
Die erste Gemeinde
Dem Vorbild, das Jesus gesetzt hatte, folgte in der ersten Gemeinde am konsequentesten nicht einer der ursprünglichen Jünger, sondern der Apostel Paulus. Er zog tiefe Furchen weit außerhalb der kleinen, überschaubaren jüdischen Welt und flutete die Gemeinde mit Menschen, die nichts vom hebräischen Hintergrund teilten, weder kulturell noch moralisch. Auch das messianische Denken, das zum jüdischen Glauben gehörte, war ihnen fremd.
Unter den ersten Christen brachen Streitigkeiten über die scheinbar harmlosesten Fragen aus: Durfte man Fleisch auftischen, das man zum Schnäppchenpreis bekommen hatte, weil es auf dem Altar irgendeines römischen Möchtegern-Gottes gebraten worden war? Oder: Sollte ein neuer männlicher Gläubiger, der kein Jude war, sich wie die Juden durch die Beschneidung körperlich kennzeichnen lassen? Die Briefe von Paulus sind voller Hinweise und Anweisungen zu genau dieser Art von Kleinkriegen. Aber auch wenn die Gemeinde zeitweise deutliche Anpassungsprobleme an das neue Blut von außen zeigte, segelte Paulus mit geradezu manischer Freude durch das ganze Römische Reich und fügte dem Himmelreich in fast jedem Hafen weitere schräge Vögel hinzu.
Und wie immer, wenn man sich wirklich unter die Welt mischt, sorgte der Zustrom der Rauesten der Rauen für jede Menge Ärger, damals wie heute. In Apostelgeschichte 16,16-24 schildert Lukas einen solchen Vorfall aus der geschäftigen Stadt Philippi:
Als wir einmal auf dem Weg zu der Gebetsstätte waren, begegnete uns eine Dienerin. Sie war von einem Wahrsagegeist besessen und brachte ihren Herren viel Geld mit Wahrsagen ein. Die junge Frau lief dem Paulus und uns hinterher und schrie: »Diese Leute sind Diener des höchsten Gottes! Sie können euch den Weg zur Rettung zeigen!« So ging das viele Tage, bis Paulus es nicht mehr ertrug. Er drehte sich um und sagte zu dem Geist: »Im Namen von Jesus Christus befehle ich dir: Verlass diese Frau!« Im selben Augenblick verließ er sie. Als ihre Herren aber begriffen, dass die Hoffnung auf Gewinn für sie verschwunden war, packten sie Paulus und Silas und schleppten sie auf den Marktplatz zu den Behörden. Vor den beiden Stadtregenten beschuldigten sie die Apostel: »Diese Juden hier bringen unsere ganze Stadt in Aufruhr! Sie wollen Sitten einführen, die wir als römische Bürger keinesfalls annehmen dürfen.« — Apostelgeschichte 16,16-21
Geschlachtete heilige Kühe
In Philippi wurde jemandes heilige Kuh geschlachtet. In diesem Fall das einträgliche Geschäftsmodell mit der kleinen Wahrsagerin. Menschen sind oft alles andere als begeistert, wenn ungeschliffenes neues Blut in die Gemeinde strömt, weil sie fürchten, Veränderungen hinnehmen zu müssen, die ihnen nicht passen, oder Probleme zu bekommen, mit denen sie nichts zu tun haben wollen.
Und ihre Befürchtung stimmt. Menschen aus rauen Verhältnissen bringen alles mit, ihre schlechten Angewohnheiten, ihre miserablen Entscheidungsmuster, ihre verletzten Seelen und ihr verdrehtes Denken.
Aber, die Gemeinde gehört Jesus, nicht irgendeiner Interessengruppe. Wenn Jesus aus einer braven, bürgerlichen Vorstadtgemeinde einen Ort machen will, an dem Leute mit Harley-Davidsons, großflächigen Tattoos und behaarten Rücken ein und aus gehen, wer sind wir, dass wir ihm widersprechen? Wenn er unsere Gemeinden mit muffig riechenden Skatern füllen will, mit Möchtegern-Gangstern, die Rap-Zeilen aufsagen, oder mit überdrehten Computernerds, welchen Einwand könnten wir da ernsthaft vorbringen?
Ein Zustrom wilder neuer Jugendlicher kann bedeuten, das Budget zu überdenken, um mehr Mittel für Jugendliche bereitzustellen, die bisher eher in Versuchung waren, Geld aus dem Kollektenkorb herauszunehmen, als etwas hineinzulegen. Es kann bedeuten, Fahrzeuge anzuschaffen, die Raumverteilung neu zu denken und zusätzliche Mitarbeiter zu gewinnen, die helfen, den Deckel draufzuhalten. Und es kann die Begegnungen deiner Jugendgruppe mit den Jugendgruppen anderer Gemeinden schwieriger machen.
Ich habe gelernt, dass viele andere Jugendgruppen mit den Jugendlichen, mit denen ich arbeitete, lieber nichts zu tun haben wollten. Etliche meiner Leute schummelten bei Spielen, hatten keinerlei Hemmungen, eine Schlägerei anzuzetteln, und führten ein reichlich übles Mundwerk spazieren.
Aus irgendeinem Grund zogen wir überdurchschnittlich viele junge Burschen an, die waschechte Alphatiere waren. Einmal tauchte ich mit so vielen dieser testosterongeladenen jungen Kerle auf einer Freizeit auf, dass ich körperlich anstrengende und fordernde Zusatzaktivitäten erfinden musste, nur um ihnen den Druck zu nehmen, damit sie mit den Jungs aus den anderen Gemeinden überhaupt koexistieren konnten. Das war eine Menge Arbeit. Es gab Tage, an denen ich mich nach einer netten, braven, kooperativen, respektvollen kleinen Jugendgruppe sehnte, statt der kriminellen Sorte, die Gott mir aufgehalst hatte.
Sie haben mich verändert, und sie haben die Gemeinde verändert, und nicht wenige von ihnen wurden dabei selbst verändert.
Auf so ziemlich jede erdenkliche Weise hatte die Kontaktarbeit unter kirchenfernen jungen Menschen Auswirkungen auf die Gemeinde, und die können zu unbequemen Veränderungen führen. Aber wie C. S. Lewis beobachtete: Das Christentum ist dazu da, Trost zu spenden, nicht unbedingt dazu, bequem zu sein.
Der Auftrag
Kontaktarbeit ist keine Option, über die wir frei verfügen. Wir haben einen Marschbefehl, und wir sollten ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Worte von Jesus in Matthäus 28 kennen wir alle:
Da trat Jesus auf sie zu und sagte: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern. Dabei sollt ihr sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen und sie belehren, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch bis zum Ende der Zeit!« — Matthäus 28,18-20
Mit ein bisschen Nachdenken, einer Portion Experimentierfreude und der Bereitschaft, Dinge zu verändern, kann jede Gemeinde anfangen, in das Leben von Jugendlichen hineinzusprechen, die sich sonst niemals vorstellen würden, in die Umlaufbahn einer Gruppe von Jesus-Nachfolgern zu geraten. Wenn die Gemeinde sich aber als Festung gegen die Welt versteht und gegen die zwielichtigen Gestalten, die diese Welt bevölkern; wenn sie sich mit einem Burggraben aus Frommsprech umgibt und einer Zugbrücke der Liebe, die nur für die heruntergelassen wird, die die richtigen Passwörter kennen, dann wird diese Gemeinde nur den Status quo verwalten, ohne jede Hoffnung auf Veränderung. Und der Preis dafür: Sie verpasst Begeisterung, Abenteuer, Ringen, Freude und Enttäuschung und das Vorrecht, zu sehen, was Gott mit einem ungeschliffenen Juwel anstellen kann, wenn er es erst einmal in seinen Griff bekommt.
Die Zukunft: ihre und unsere
Die Jugendlichen in der Jugendgruppe einer Gemeinde werden gern als die Zukunft der Gemeinde bezeichnet. Was aus einer Gemeinde in Zukunft wird, hat viel damit zu tun, mit wem wir sie heute füllen. Ein paar Blicke auf die Jugendlichen in vielen Gemeinden genügen, um zu erkennen, wohin die Reise geht, nämlich zu einer Gemeinde, die nur noch um sich selbst kreist, bevölkert und geleitet ausschließlich von denen, die aus christlichen Elternhäusern stammen und in der Gemeinde großgeworden sind.
Wenn Menschen von außen auftauchen, entsteht eine neue Dynamik für die Gegenwart wie für die Zukunft. Diese neue Dynamik kann die Gemeinde in kurzer Zeit tiefer in ihr Umfeld hineintragen. Sie kann die Kernbotschaft des Evangeliums auf eine Weise kommunizieren, die relevant und verständlich ist, und die ein paar Mauern der christlichen Blase einreißen kann, in der sich so viele von uns eingerichtet haben.
Aber nicht nur die Gemeinde hat eine hellere Zukunft, wenn wir Jugendliche früh erreichen. Wer früh erreicht wird, bleibt von vielem Schmerz, Herzeleid und manchem Kampf verschont, den seine geistlich verlorenen Altersgenossen als natürliche Folge davon erleben werden, dass sie nach ihren Trieben leben und dem folgen, was in ihren eigenen Augen klug erscheint. Dieser Gewinn wird ihnen im Aufwachsen vielleicht nicht bewusst sein. Aber eines Tages werden sie auf den Bogen ihres Lebens zurückschauen und ihn mit der Flugbahn vieler Gleichaltriger vergleichen, die nie zu Jesus gefunden haben. Und du könntest dich eines Tages im Besitz eines wertvollen Geschenks wiederfinden: eines Briefes von einem ehemaligen Jugendlichen, der dir dafür dankt, dass du dein Leben und deine Liebe investiert hast, um ihm zu helfen, aus der Quelle lebendigen Wassers zu trinken: Jesus.
Aber wie soll die Botschaft verkündigt werden, wenn niemand den Auftrag dazu bekommen hat? Es steht ja schon geschrieben: »Was für eine Freude ist es, wenn die Boten kommen und gute Nachricht bringen.« — Römer 10,15
Vertiefung zu Teil 1
2. Was könnte deine Gemeinde gewinnen oder verlieren, wenn es ihr gelingt, eine nennenswerte Zahl kirchenferner Jugendlicher zu erreichen?
3. Was sind die heiligen Kühe deiner Gemeindefamilie? Wie würden die Mitglieder reagieren, wenn ein paar dieser Kühe geschlachtet würden?
Kapitel 3: Die Schlüsselelemente vor dem Start
Kapitel 4: Eine Gemeinde, die wirklich Jugendliche erreichen will
Kapitel 5: Sich auf den Prozess einlassen

Kapitel 3: Die Schlüsselelemente vor dem Start
Ich bin ein Typ, für den das Glas halb voll ist, und ich neige nicht zu pessimistischem Denken. Deshalb glaub mir bitte, dass ich nicht übertreibe, wenn ich sage, dass jeder Versuch, kirchenferne Jugendliche zu erreichen, am Ende zum Scheitern verurteilt ist, wenn nicht einige Schlüsselelemente stehen, lange bevor du startest. Genau darum geht es im mittleren Teil dieses Buches. Hier ist also eines dieser Elemente. Wirksame Kontaktarbeit braucht eine Schlüsselperson, einen Mann oder eine Frau an vorderster Front, die nicht nur das Herz dafür hat, dass die bedürftigsten Kinder und Jugendlichen zu Jesus finden, sondern die auch tatsächlich die Fähigkeiten mitbringt, mit ihnen in Kontakt zu kommen und sie zu gewinnen. Beide Eigenschaften müssen bei deiner Schlüsselperson stark ausgeprägt sein.
Die richtige Sorte Mensch
Brady wollte ein Konzert veranstalten, um die ungläubigen Jugendlichen zu erreichen, die er überall sah. Brady hat ein riesiges Herz, wirklich riesig. Aber er hat so gut wie null Talent für strategisches Denken oder dafür, diese Sorte Jugendlicher anzuziehen. Er legte ordentlich Geld auf den Tisch für eine Band, von der er glaubte, sie würde die Jugendlichen von der Straße anlocken. Es war natürlich eine christliche Band, und als Vorbands hatte er ebenfalls zwei christliche Bands gebucht.
Nicht schlau.
Das Ergebnis war vorhersehbar. Das Konzert war im Grunde eine rein christliche Veranstaltung. (Einen Aufruf zur Lebensübergabe gab es trotzdem, nur um sicherzugehen.) Brady verbrannte einen Haufen Geld, von dem er das meiste nie wiedersah, und hatte am Ende ungefähr null Einfluss auf die säkulare Welt, die sein Herz eigentlich erreichen wollte.
Immerhin hat er den christlichen Jugendlichen ein schönes Konzert geschenkt.
Weil Brady ein Freund von mir ist, habe ich mich früh zu seiner Idee geäußert. »Bist du sicher, dass du das machen willst? Ich glaube nicht, dass viele säkulare Jugendliche diese Band überhaupt kennen.«
Brady beharrte darauf, dass die Band, die er ausgesucht hatte, sie anziehen würde wie ein Honigtopf die Bären. Er ist ein bisschen stur, und na gut, es war sein Geld. Trotzdem wollte ich nicht zusehen, wie er am Ende enttäuscht und pleite dasteht. Also blieb ich dran, hakte nach und machte Vorschläge.
»Also, an deiner Stelle würde ich ins Vorprogramm ein paar lokale säkulare Bands setzen, die ihre Freunde mitbringen. Die bleiben dann wahrscheinlich für die ganze Show.«
»Was?!«, sagte Brady fassungslos. »Nichtchristliche Bands? Die fluchen vielleicht oder so.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Na ja, wenn du die Ungläubigen erreichen willst, musst du vielleicht vom guten alten ungerechten Mammon Gebrauch machen.«
»Keine andere Gemeinde wird das Konzert unterstützen, wenn ich das mache!«, quiekte Brady. (Ja, inzwischen quiekte er.)
Ich zuckte wieder mit den Schultern. »Und?«
Brady zog seine Pläne durch und bekam genau das Ergebnis, das er nicht wollte. Alle um ihn herum redeten die Veranstaltung schön und sagten Dinge wie »Gott hat genau die Leute kommen lassen, die er dabeihaben wollte«. Das ist eine nette, sichere Methode, um an der Tatsache vorbeizureden, dass man seine erklärten Ziele verfehlt hat und dass Strategie und Planung höchstwahrscheinlich Murks waren.
Brady hat das Herz, aber nicht das intuitive Gespür und die Straßenschläue, um sich in der Welt säkularer Jugendlicher zu bewegen. Er ist ein guter zweiter Mann, ein großartiger Assistent, aber keine gute Schlüsselperson.
Menschen mit dem Herzen und der gottgegebenen Fähigkeit, einen Draht zur säkularen Welt zu haben, lassen sich nicht künstlich herstellen oder durch das Bildungssystem produzieren. Solche einzigartigen Menschen muss man entdecken und ihnen dann die Freiheit und die Ermutigung geben, sich um nichtchristliche Jugendliche zu kümmern. Man muss ihnen erlauben, ein Umfeld zu schaffen, in dem diese Jugendlichen willkommen sind und aufblühen können.
Wie? Am besten, indem man den geistlichen Menschen mit natürlicher Leitungsbegabung findet, um den ständig eine Menge säkularer Jugendlicher herumzuschwirren scheint. Das kann ein Lehrer sein, ein Trainer oder so ziemlich jeder, der Jugendliche offensichtlich mag und zu dem Jugendliche leicht einen Draht finden.
Oft sind solche Menschen bereits in irgendeiner Form von Dienst aktiv. Manchmal arbeiten sie außerhalb der Mauern der Gemeindearbeit in übergemeindlichen Werken wie Young Life oder Jugend für Christus, also in Organisationen, die häufig Menschen anziehen, die sich von der klassischen Gemeindejugendgruppe weniger angesprochen fühlen.
Eine Schlüsselperson finden
Aber diese Leute zu gewinnen ist vielleicht gar nicht so einfach. Gerade bei Menschen mit dem Talent, säkulare Jugendliche zu erreichen, kann es anfangs Widerstand dagegen geben, Teil des Auftrags einer etablierten Gemeinde zu werden.
Viele von ihnen sind die Freiheit und die Teamkultur gewohnt, die viele übergemeindliche Werke mitbringen. Der Schritt in eine Gemeinde kann sich für sie anfühlen wie der Eintritt in ein labyrinthartiges Betriebssystem voller Einschränkungen, von denen sie manche (zu Recht oder zu Unrecht) als kleinlich empfinden. So eine Entscheidung kann sich zumindest am Anfang anfühlen, als würde man einen Anker mit sich herumschleppen.
Wer hochintuitive und offensiv ausgerichtete Kontaktarbeit leitet, ist oft misstrauisch, sich mit den Ausschüssen, Vorständen und der Politik vieler Ortsgemeinden zu verheddern. Viele wissen, dass Ortsgemeinden eine ziemlich schwache Bilanz darin haben, Menschen aus der säkularen Welt anzusprechen und zu integrieren.
Und es kommen noch weitere Faktoren dazu.
Manche Gemeinden suchen jemanden, der »für Jugendliche relevant« ist, gezielt unter jungen Erwachsenen im Studentenalter. Junge Erwachsene sind oft gute Kandidaten, aber ein Studium ist für diese Aufgabe keineswegs Voraussetzung, und eine theologische Hochschulausbildung kann sogar kontraproduktiv sein.
Dazu kommt der Mythos, man müsse jung sein, um einen Draht zu Jugendlichen zu finden.
Eine wirksame Schlüsselperson für Kontaktarbeit sollte nicht so sehr an Alter oder Coolnessfaktor gemessen werden, sondern an ihrer Fähigkeit, echte Liebe und echtes Interesse zu vermitteln, verbunden mit einem natürlichen Gespür dafür, was funktioniert und was nicht. Natürlich haben jüngere Leiter meist mehr Energie und Ausdauer als etwas ältere. Aber es gibt einen riesigen Unterschied zwischen härter arbeiten und klüger arbeiten. Oft machen Ältere diese Art von Dienst klüger als ihre jüngeren Kollegen.
Je jünger die Schlüsselperson, desto wahrscheinlicher wirst du sie anleiten müssen, dich für sie entschuldigen müssen und sie vielleicht sogar vor denen schützen müssen, die ihr an den Kragen wollen. (Diese Lümmel haben sich über die Kuchen hergemacht, die für das Frauenfrühstück am nächsten Tag gedacht waren! Der ältere Jugendleiter hätte, gestützt auf seine Erfahrung, vorher einen Blick in die Küche geworfen und die Kuchen versteckt.)
Ich habe gelernt, dass man nie sicher vorhersagen kann, wer die Schlüsselperson sein wird. Der Mann oder die Frau mit der natürlichen Gabe, Jugendliche außerhalb der Gemeinde zu erreichen, könnte dich überraschen. Manche werden ungeschliffene Diamanten sein, mit denen du geduldig arbeiten musst, um ihre Gaben zu fördern und ihre Fähigkeiten aufzubauen, ohne ihre Begeisterung dabei verdunsten zu lassen.
Ein solcher Diamant
Jenny war einer unserer ungeschliffenen Diamanten. Sie war eine unserer wirksamsten Mitarbeiterinnen darin, Jugendliche vom Rand hereinzuholen. Sie war energiegeladen, warmherzig, fürsorglich und fähig. Neue Jugendliche strömten in die Jugendarbeit, wegen ihres Einsatzes, ihrer Liebe und ihres Könnens.
Sie war außerdem jung und ein bisschen leichtsinnig.
Sie fuhr ein kleines, verbeultes Auto. Sie stopfte es so voll mit Jugendlichen, dass es aussah wie ein Zirkuswagen. Die Reifen waren blank gefahren, und wie sich herausstellte, war der TÜV abgelaufen. Das versetzte die verantwortungsbewussteren Leute im Leitungsteam in helle Panik. Sie wussten, wenn Jenny mit unserem Segen Jugendliche durch die Gegend kutschiert und dabei ohne TÜV einen Unfall baut, stehen uns womöglich bald die Anwälte vor der Tür.
Wir bestanden darauf, dass sie das TÜV-Problem löst, und boten ihr als Hilfe den Kleinbus der Gemeinde an (der auch gut versichert war). Dazu gab es von uns ein paar Belehrungen über die Verantwortung für die Jugendlichen in ihrem Fahrzeug und darüber, wie wenig Eltern es schätzen, einen Anruf aus dem Krankenhaus zu bekommen.
Sie packte den Kleinbus voller Jugendlicher und schaffte es, ihn ordentlich zu verbeulen, indem sie rückwärts gegen Pfosten fuhr und Briefkästen abrasierte, meistens weil sie mit den Jugendlichen quatschte, statt aufzupassen. (Ironischerweise fuhr sie auf freier Strecke völlig ordentlich.) Wir bissen die Zähne zusammen, zwangen uns ein Lächeln ab und verbuchten die Dellen als den Preis, den wir zahlen mussten, damit Jenny ihre Magie wirken konnte. Wir zogen sie auch ordentlich damit auf, dass sie den Kleinbus fuhr wie einen Autoscooter.
Jenny war ein wertvoller Gewinn mit ein paar Risiken, die zum Gesamtpaket gehörten. Wir entschieden uns, den Gewinn zu polieren und mit den Risiken geduldig zu sein, während wir ihr halfen, sich zu verändern.
Ganz gleich, wie sehr eine Gemeinde unerreichte Jugendliche anziehen möchte, ohne eine Schlüsselperson wie Jenny ist der Aufbruch zu säkularen Jugendlichen in der Regel verfrüht. In seltenen Fällen habe ich erlebt, dass Jugendliche selbst Feuer fangen und in der Kontaktarbeit unter ihren nichtchristlichen Freunden von sich aus aktiv und wirksam werden. Aber das sind Ausnahmen, so willkommen und wunderbar sie sind, und nichts, was man erzeugen, programmieren oder vorhersagen kann.
Wenn dir niemand einfällt, der das Herz, die Fähigkeiten und die unmittelbare Bereitschaft mitbringt, sich in diesen Bereich zu stürzen, dann ist jetzt die Zeit zu beten, die Augen offen zu halten und dich auf die Person vorzubereiten, die Gott dir über den Weg schicken wird.

Kapitel 4: Eine Gemeinde, die wirklich Jugendliche erreichen will
Als ich heute Morgen auf das Gemeindegelände kam, fand ich den Parkplatz, das Foyer, die Flure und die Räume übersät mit knallgelben Schaumstoffkugeln. Offensichtlich hatten die älteren Jugendlichen gestern Abend ihren Spaß.
Heute Vormittag ist Frauenbibelkreis.
Zweifellos lagen gestern Nacht noch viel mehr Kugeln herum, aber im Dunkeln alle zu finden ist nahezu unmöglich. Zum Glück schienen sich die Damen, die den Bibelkreis leiten, an dem merkwürdigen Müll nicht groß zu stören. Wahrscheinlich sind sie es inzwischen gewohnt.
Ein kleiner Junge kam mit einem Pappbecher voller Schaumstoffkugeln zu mir. Ich erzählte ihm, das sei radioaktive Munition aus einem Krieg mit Außerirdischen, der letzte Nacht stattgefunden habe, und wenn er sie alle einsammeln würde, täte er der Welt einen Gefallen, und ich würde ihm für jeden vollen Becher einen Euro geben. Die Welt retten und dafür bezahlt werden, das schien ihm einzuleuchten, und so flitzte er los, um Kugeln zu sammeln.
Niemand wird wegen der Kugelreste zum Rapport zitiert. Der Hausmeister wird nicht frustriert kündigen, wenn er zum hundertsten Mal eine Schaumstoffkugel hinter der Heizung hervorfischt. Mit einer Gruppe von Menschen zu arbeiten, die junge Leute wirklich erreichen wollen und bereit sind, die kleinen Ärgernisse zu ertragen, die damit einhergehen, ist einfach wunderbar.
Ist deine Gemeinde bereit?
In Wirklichkeit musst du, noch bevor du deine Schlüsselperson gefunden hast, die Herz und Fähigkeiten für die Aufgabe mitbringt, sicherstellen, dass deine Glaubensgemeinschaft wirklich bereit und willens ist, den Preis dafür zu tragen, Jugendlichen vom Rand nachzugehen. Das ist ein bisschen kniffliger, als es zunächst scheint. Denn wenn du die Leute in deiner Gemeinde fragst, ob sie die Verlorenen erreichen wollen, kommt bei allen die Reflexantwort, die sie sagen lässt, »Aber ja, natürlich!«
Aber es gibt immer einige, die es nicht wirklich ernst meinen.
Was diese Aussage für viele in Wahrheit bedeutet, ist natürlich, »Wir wollen die Verlorenen erreichen, solange sie ohne große Probleme zu uns kommen, sofort anfangen, die Bibel zu lesen, sich in der Kinderarbeit engagieren, etwas Zusätzliches zum Mitbringbuffet beisteuern, das Rauchen und Fluchen auf der Stelle aufgeben und sich im Großen und Ganzen so verhalten, wie wir es gern hätten.«
In Wirklichkeit würden die wenigsten einem Obdachlosen einen Platz auf ihrem Sofa anbieten oder losziehen, um eine Prostituierte zu ihrem Frauenbibelkreis einzuladen. Der Preis für so etwas ist höher, als viele tatsächlich tragen können. Zu viele wollen die Massen erreichen, ohne sie tatsächlich zu umarmen. Okay, okay. Es ist leicht, zynisch zu werden, aber es ist eben auch zu oft genau so. Ich behalte in dieser Sache öfter recht, als mir lieb ist.
Ich muss an eine Geschichte über Franz von Assisi denken, der mit seinen Freunden und Mitjüngern auf einer Landstraße unterwegs war, als sie das Klingeln des Bettelglöckchens eines Aussätzigen hörten, das Reisende warnte, dass er sich näherte. Franziskus und seine Begleiter wichen an den Straßenrand aus, um diesem bedauernswerten Geschöpf mit seiner gefürchteten, entstellenden Krankheit weiträumig Platz zu machen.
Während Franziskus dem Mann zusah, wie er in seinen verrottenden Kleidern und mit verrottendem Fleisch die Straße entlangstolperte, wurde ihm klar, dass der erbärmliche Zustand dieses Mannes ihm vielleicht Mitleid und Anteilnahme aus der Ferne einbrachte, aber niemals das, wonach er sich am meisten sehnte, menschliche Berührung.
Zum Erstaunen seiner Freunde wie auch des Aussätzigen trat Franziskus mitten auf die Straße und ging mit offenen Armen auf ihn zu.
Der Aussätzige läutete ängstlich sein Glöckchen, um diesen Verrückten zu warnen, aber Franziskus ignorierte es, schloss den zerfallenden, abstoßenden Bettler in eine riesige Umarmung, flüsterte ihm Gottes Segen zu und krönte sein Handeln mit einem Kuss auf das Gesicht des armen Mannes.
Genau wegen solcher Dinge erinnern wir uns heute an Franziskus, und genau deshalb war er so wirksam. Er gab sich nicht damit zufrieden, aus der Distanz zu lieben.
Und genau diese Haltung muss jede Gemeinde prägen, die die Menschen außerhalb ihrer Mauern erreichen will. Du weißt nie, wen Gott dir über den Weg schickt.
Eine Gemeinde, die bereit ist, den Preis zu zahlen
Weil ich eine lange Geschichte mit dieser Art von Arbeit habe, werde ich oft gebeten, Gemeinden zu beraten, die über echte Kontaktarbeit nachdenken. Nach ungefähr fünfzehn Minuten Gespräch verabschieden sich die meisten von der Idee.
Ich erinnere mich, wie ich mit einer reizenden Gruppe von Ausschussmitgliedern zusammensaß, die klugerweise die Kosten von Kontaktarbeit abwägen wollten. Wir trafen uns in einem großen, geschichtsträchtigen Gemeindesaal, die Kekse waren selbst gebacken und schmeckten großartig. Ich knabberte daran, während sie stolz die Geschichte des Saals beschrieben. »Ist das der größte Raum, den ihr habt?«, fragte ich. »Ja, hier würden unsere Kontaktangebote für die Jugendlichen stattfinden«, antworteten sie höflich.
Ich stand auf und ging zu einem der Fenster hinüber.
»Also, wenn ihr das erreicht, worüber wir hier reden, könnt ihr damit rechnen, dass zwei oder drei solcher Fensterscheiben zu Bruch gehen, durch fliegende Bälle, Besenstiele, achtloses Herumtoben oder den Kopf irgendeines armen Jungen.«
Sie verschluckten sich fast an ihren Keksen.
Ich wanderte durch den großen Saal und zeigte auf die Zukunft des Raumes. »Ihr könnt davon ausgehen, dass es ein paar interessant aussehende Kerben in diesem schönen Parkett geben wird und ein paar böse Wörter, die auf diese Tischplatte gekritzelt sind. Auf sämtlichen Möbeln hier wird herumgesprungen werden, sie werden mit Limo getränkt und verfärbt sein und voller Krümel stecken. Ich sollte auch erwähnen, dass ihr nach einer Veranstaltung manchmal feststellen werdet, dass das gesamte Toilettenpapier aus den Waschräumen verschwunden ist. Und das alles wohlgemerkt mit Aufsicht.«
Ich blickte in einige entsetzte Gesichter. Sie reagierten, als hätte ich soeben einen weiteren apokalyptischen Reiter beschrieben.
Also nahm ich mir die Zeit, ihnen in aller Ausführlichkeit die parasitäre Natur dieser Sorte Jugendlicher zu erklären (und eigentlich der meisten Jugendlichen überhaupt). Ich gab ihnen eine grobe Vorstellung von den Kosten, nicht nur für ihre Räumlichkeiten, sondern auch für ihr Budget. Ich bemühte mich, ihnen begreiflich zu machen, dass diese Dinge sogar den Gottesdienstbesuch eine Zeit lang beeinträchtigen könnten, besonders am Sonntagmorgen.
Sie dankten mir zügig für meine Einblicke und beschlossen, die Idee auf eine spätere Sitzung zu vertagen. Das ist typischer Gemeindesprech für »Wir machen dieses verrückte Ding ganz sicher nicht!«. Sie schätzten den Erhalt ihres historischen Gebäudes eben höher ein als die Kontaktarbeit unter ungläubigen Jugendlichen. Am liebsten hätten sie beides gehabt, aber vor die Wahl gestellt, entschieden sie sich. Und zwar falsch.
Manchmal besteht der Preis für eine Gemeinde in unzufriedenen und verärgerten Mitgliedern.
Vor Kurzem hat eine Familie mit Jugendlichen unsere Gemeinde verlassen. Ihre Begründung war, die Jugendgruppe sei »zu gefährlich für unsere Kinder«. Beide Eltern waren als Erwachsene zum Glauben gekommen und gaben ihr Bestes, ihre Kinder in einem ausgesprochen christlichen Umfeld großzuziehen. Als die Kinder klein waren, liebten sie den Kindergottesdienst.
Als sie etwas älter wurden, begannen sie, Instrumente zu lernen, um die Lobpreislieder spielen zu können, die sie den ganzen Tag hörten. Schließlich wurden sie Jugendliche und wechselten in die Gruppe der Altersstufe elf bis vierzehn, in der eine hohe Priorität darauf liegt, Jugendliche hereinzuholen, für die das Christentum, solange es ihnen niemand nahebringt, ein Buch mit sieben Siegeln ist.
Die Eltern stellten fest, dass ihre Kinder nun von genau der Sorte Jugendlicher umgeben waren, vor der sie ihre Kinder mit aller Kraft hatten schützen wollen. Das Entsetzlichste daran war für sie die Tatsache, dass diese Begegnungen ausgerechnet in der Jugendgruppe der Gemeinde stattfanden. Die Gefahr einer schlechten Ansteckung durch die säkularen Jugendlichen wog für sie schwerer als die Möglichkeit einer guten Ansteckung, die von ihren eigenen Kindern hätte ausgehen können. Also gingen sie.
Wie du weißt, gibt es wenige Gemeinden, die feiern, wenn engagierte Kernfamilien die Gemeinschaft verlassen.
Bedenke auch die Kosten, die dein Erfolg auf andere Weise mit sich bringt. Vielleicht musst du zum Beispiel euer Budget neu denken. Vielleicht musst du die Nutzung eurer Räume neu denken. (Die Horden neuer junger Jugendlicher brachten eine Gemeinde, mit der ich arbeitete, dazu, die Kirchenbänke zugunsten stapelbarer Stühle abzuschaffen, damit wir mehr Platz hatten. Diese Entscheidung entfachte die berüchtigten Bankkriege.) Vielleicht brauchst du mehr Helfer und Mitarbeiter. Vielleicht musst du neu überdenken, wofür du deine Zeit einsetzt. (Plane unbedingt die Stunden ein, die nötig sind, um die Mengen von Nerfkugeln einzusammeln, die über das ganze Gelände verstreut sind!)
Eine Gemeinde, die bereit ist, lockerer zu werden (und den Preis dafür zu zahlen)
Sei ehrlich. Stört es dich, wenn jemand auf dem Gemeindeparkplatz eine Zigarette anzündet? Wie würdest du reagieren, wenn du wüsstest, dass ein paar Jugendliche bekifft zu einem Treffen erschienen sind, oder wenn du herausfindest, dass sie einen Joint auf die Freizeit geschmuggelt haben?
Was, wenn die Mädchen, mit denen du so lange gearbeitet hast, um sie mit dem Evangelium in Berührung zu bringen, zu einer Poolparty in Badeanzügen auftauchen, die kaum vorhanden sind? Angenommen, das fetteste Schimpfwort fliegt quer durch den Gemeindeflur? Was, wenn aus den Kopfhörern einiger Smartphones ziemlich derbe Rapsongs herausdringen?
Selbst wenn du solche Situationen mit Gnade und Angemessenheit bewältigen kannst, kann es deine Gemeinde auch?
Manche Gemeinden machen ein großes Ding aus Sachen, die für Jugendliche außerhalb christlicher Kreise überhaupt kein Ding sind. Manche erlauben auf einer Fahrt oder im Jugendraum ausschließlich christliche Musik. Manche erwarten für Gemeindeveranstaltungen einen Standard, der für säkulare Jugendliche schlicht nicht nachvollziehbar ist. Ich glaube durchaus, dass Jugendgruppen klare und vernünftige Regeln für alle brauchen, die mitmachen wollen. Drogen und Alkohol sind absolut tabu, Fäkalsprache wird nicht gern gesehen, Mädchen und Jungs teilen sich bei Übernachtungen keine Schlafräume, und öffentliches Rumknutschen ist unangebracht. Der Schlüssel bei dieser Art von Regeln ist, dass sie für fast alle Jugendlichen einleuchtend sind, ob christlich oder nicht, und dass sie im Allgemeinen von der Gesellschaft, den Schulen und den meisten Familien mitgetragen werden.
Säkulare Jugendliche rebellieren in der Regel nicht gegen klare, vernünftige und logische Regeln, wie sie bei Gemeindetreffen genauso gelten wie zu Hause, in der Schule und im Sportverein.
Nur wenige der Dinge, bei denen Christen so hoch und heilig werden, sind eindeutige biblische Gebote. Oft schleicht sich ein alberner Legalismus ein, etwa wenn pauschal alle Filme ab 16 für tabu erklärt werden, während viele Filme ab 12 weit übler und für das Empfinden eines Christen weit anstößiger sind. (Recherchiere Filme vorher gründlich, zum Beispiel über ausführliche Elternratgeber im Netz. Nur zwei Beispiele für Filme, zu denen du nie mit einem Jugendlichen gehen dürftest, wenn du pauschal alles ab 16 verbietest, sind Die Passion Christi und Der Soldat James Ryan. Manche Filme ab 12 dagegen stecken voller Schrott.)
Mein persönlicher Lieblingsprügelknabe vieler Gemeinden ist das Feiern von Halloween, ein Fest, für das ich dir später in diesem Buch eine ganze Menge Munition liefern werde, wie man es positiv nutzen kann. Lange Zeit hatten Christen mit Halloween kein besonderes Problem, aber in den letzten Jahrzehnten sind viele Gemeinden zu dem Schluss gekommen, dass dieses Fest, an dem so viele Möchtegernvampire ihre Freude haben, der Inbegriff des Bösen in unserer Welt ist.
Egal, dass der Rest der Welt in wilden Kostümen unterwegs ist und bei den Nachbarn Süßigkeiten absahnt. Viele Christen ziehen sich in Gemeindekeller zurück, wo sie dem Bösen fernbleiben können, indem sie sich als Bibelfigur verkleiden (außer als Satan, Delila, Judas, Isebel und vermutlich Rahab in ihren Tagen als Prostituierte) und sich gegenseitig Süßigkeiten zustecken. Der Punkt ist, es gibt keinerlei Bemühen, mit der Welt auf eine Weise in Berührung zu kommen, die Jesus ehren würde.
Wir halten uns für heilig, weil wir dem offensichtlich Bösen fernbleiben, den Fledermäusen, Spinnweben, Gespenstern, niedlich aussehenden Hexen, Darth Vaders und Vampiren. Der Rest der Welt hält uns für verschroben, weil wir etwas so Albernes und Harmloses als derart furchteinflößend deuten, dass man sich davor verstecken muss. Wenn Heiligkeit verdächtig nach Verschrobenheit aussieht, hast du womöglich ein Problem.
Sollen wir uns wegen der vorchristlichen Wurzeln von Halloween aufs hohe Ross setzen? Jeder halbwegs informierte Ungläubige kann uns von diesem Ross herunterholen, indem er die vorchristlichen Wurzeln erwähnt, die an Weihnachten hängen, und fragt, warum unsere Gemeinden nichts gegen Ostereiersuchen oder den Valentinstag sagen.
Eine Gemeinde, die die Ungläubigen wirklich erreichen will, muss ihre Streitthemen vielleicht neu sortieren. Welche Themen gehören grundlegend zur biblischen Integrität, und welche sind Reaktionen auf gesellschaftliche Situationen? In manchen Fällen muss eine Gemeinde vielleicht zweigleisig fahren und unterschiedliche Sichtweisen zulassen. Wer in der Gemeinde gegen Halloween ist, darf dagegen sein, und wer Jugendliche erreichen will, bekommt die Freiheit, das Fest für alles zu nutzen, was es hergibt.
Nicht jeder wird glücklich sein mit den Wegen, die diejenigen einschlagen, die Jugendliche erreichen wollen. Manche werden eine Tirade vom Stapel lassen, wenn du ein Paintballwochenende organisierst oder Nerfschlachten im Gemeindesaal veranstaltest. »Die Jugendmitarbeiter fördern Gewalt!«, werden sie jedem vorjammern, der bereit ist zuzuhören. (Übrigens, mehr zu Nerfschlachten und wie man damit Jugendliche anzieht, findest du in Kapitel 10.)
Unser Jugendleiter für die Altersgruppe elf bis vierzehn wollte mehr von den säkularen Jugendlichen, die zu seinem Programm unter der Woche kamen, dafür gewinnen, seinen Bibelkreis am Sonntag auszuprobieren. Er beschloss, mit der Truppe nach dem sonntäglichen Ignite-Bibelkreis (früher schlicht Sonntagsschule genannt) erst Pizza essen zu gehen und danach ins Kino, in Die Simpsons, der Film (der gerade angelaufen war).
Eine neue Familie war in den Monaten davor zu unserer Gemeinde gestoßen. Sie hatten ein Kind in dem Alter, das unbedingt mit dabei sein wollte.
Einem der Elternteile brannte die Sicherung durch. Ob wir denn nicht wüssten, dass die Simpsons schlicht und einfach böse seien? (Äh, nein. Auf den Gedanken waren wir ehrlich gesagt nie gekommen.) Natürlich verbot sie ihrem Kind die Teilnahme.
Aber das reichte ihr nicht. Sie zog außerdem einen Feldzug auf.
Schließlich erklärte ich den Eltern, dass die Mitarbeiter nicht nur hinter der Entscheidung unseres Jugendleiters standen, sondern dass die meisten im Leitungsteam die Simpsons mochten und planten, den Film entweder im Kino zu sehen oder sich die DVD zu kaufen, sobald sie erhältlich wäre.
Die neue Familie verließ auf der Stelle die Gemeinde, fassungslos über unseren Mangel an geistlicher Unterscheidungsgabe und Weisheit.
Eine Gemeinde voller Gnade
Jugendliche, die aus einem Zuhause kommen, in dem Drogen oder Alkohol zum Alltag gehören, die Sprache vulgär ist und Moral keine Rolle spielt, bringen diese »Familienwerte« mit. Das sind die Jugendlichen, die viele christliche Eltern am meisten fürchten, weil sie das saubere Wasser verschmutzen könnten, in dem die Eltern ihre Kinder mit so viel Sorgfalt haben schwimmen lassen.
Eine Gemeinde voller Gnade versteht das Wesen der Jugendlichen, mit denen sie arbeitet. Sie setzt klare Verhaltensregeln, aber sie geht mit diesen Jugendlichen fürsorglich und freundlich um.
Du wirst überrascht sein, wie oft Gnade zum Einsatz kommt.
Mit Anfang zwanzig wurde ich als Jugendleiter für die Altersgruppe elf bis vierzehn angestellt. Die Gemeinde hatte elf Kinder in dieser Altersgruppe, aber ich wusste, wo ich deutlich mehr finden konnte.
Nach einem Jahr hatten wir elf Gemeindekinder und ungefähr dreihundert ehemals kirchenferne Jugendliche in der Jugendgruppe, so viele, dass ich um den Gemeindebus bitten musste, um sie im Problemviertel abzuholen. Das Fahrzeug war ein klassischer Schulbus, blau lackiert, mit einer großen Glastür am Heck, unter die irgendein Genie den Spruch »Folg mir zur Sonntagsschule!« gepinselt hatte. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter fuhren los, um die Jugendlichen einzusammeln, während ich auf dem Gelände blieb und dafür sorgte, dass beim Programm alles an seinem Platz war.
Irgendwo auf den wenigen Kilometern zwischen dem Problemviertel und dem Gemeindegelände stachelten die Jungs auf der Rückbank ein nicht besonders helles, aber üppig gebautes Mädchen dazu an, ihr Oberteil samt BH hochzuziehen und ihre nackten Brüste gegen die Heckscheibe des Gemeindebusses zu pressen.
»Folg mir zur Sonntagsschule!« Was für eine Werbung!
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Bus hatten von alledem nichts mitbekommen, aber bis zur Ankunft auf dem Gelände hatten die kichernden Jugendlichen die Sache längst herumerzählt, und noch bevor der Bus fertig ausgeladen war, wartete ich draußen, als das Mädchen ausstieg.
»Du und ich, wir reden mal kurz«, sagte ich streng, aber leise. Das Mädchen war inzwischen rot vor Scham und den Tränen nahe. Sie brauchte keine Standpauke.
»Ich muss dich heute nach Hause schicken«, sagte ich. Aber ich kannte auch ihre Situation zu Hause, und so fügte ich hinzu, »Ich werde über diesen Vorfall kein Wort verlieren, solange du mir versprichst, dass du nicht noch mal so einen Unsinn machst.«
»Darf ich nächste Woche wiederkommen?«, flehte sie unter Tränen.
»Natürlich. Wir wollen, dass du wiederkommst. Ich sage von jetzt an kein Wort mehr darüber.«
Sie dankte mir, und ich weihte eine Mitarbeiterin in das Gespräch ein. Ich bat sie, die junge Dame nach Hause zu fahren. Für die Jugendlichen war es ein urkomisches Ereignis, das irgendwann abebbte, als alle zum nächsten Skandal oder zur nächsten Dummheit weiterzogen. Aber irgendwann, du ahnst es, fand die Geschichte ihren Weg in die Reihen der übrigen Gemeinde.
Manche waren zu schockiert, um überhaupt etwas zu sagen. Manche wollten sichergehen, dass dieses schamlose Mädchen hart bestraft würde (eine öffentliche Steinigung samt lebenslangem Hausverbot auf dem Gemeindegelände schien ungefähr das zu sein, was ihnen vorschwebte). Wieder andere überraschten mich mit ihrem Verständnis und ihrer Gnade, als ich erzählte, was ich über das Mädchen und ihr Zuhause wusste. Sie stärkten mir auch den Rücken für die Art, wie ich die Situation gehandhabt hatte.
Und manche wussten nun endgültig, dass es ein Fehler gewesen war, mich einzustellen. Man schaue sich nur an, was für Gesindel neuerdings hier auftaucht, so ihre Logik.
Eine Gemeinde und Jugendgruppe, die sogar völlig Kirchenferne integriert
Eine der größten Hürden für wirksame Kontaktarbeit können die christlichen Jugendlichen in der Jugendgruppe sein. (Und, in der Verlängerung, ihre Eltern.) Die meisten Jugendgruppen haben eine etablierte Hackordnung. Viele werden von einigen wenigen hochengagierten Mädchen geführt, und in etlichen Jugendgruppen gibt es auffällig viele Jugendliche von christlichen Schulen oder aus besonders behüteten christlichen Elternhäusern. Neue Jugendliche, besonders raue, straßenerprobte Alphatiere (die schon immer meine wichtigste Zielgruppe waren), bringen die etablierte Ordnung gehörig durcheinander.
Und wo Alphatiere sind, kreisen meist auch ein paar sehr attraktive Mädchen in der Nähe. Attraktive Mädchen machen andere Mädchen nervös und geben ihnen das Gefühl, unterlegen zu sein. Attraktive kirchenferne Mädchen können mit christlichen Höflichkeiten zudem wenig anfangen. (Ganz ehrlich, christliche Mädchen können genauso zickig und cliquenhaft sein wie ihre nichtchristlichen Altersgenossinnen. Die Krallen können schnell ausgefahren werden.) Die Neuen werden als Eindringlinge gesehen, die das Revier der alteingesessenen Gemeindejugendlichen besetzen.
Groll kann wachsen. Ein Gefühl von Wir gegen Die kann sich breitmachen. Das Öl der Welt und das Wasser der christlichen Gemeinschaft vermischen sich oft nicht gut. Rechne damit, dass manche christlichen Jugendlichen die Bemühungen untergraben werden, neue Jugendliche hereinzuholen.
Ein Teil der Lösung besteht darin, deine Jugendlichen von Anfang an in die gesamte Strategie der Kontaktarbeit einzubinden. Ermutige sie, ihre ungläubigen oder kirchenfernen Freunde mitzubringen. Es hilft, die Gemeindejugendlichen herauszufordern, geistliche Leiter zu sein, und im Vorfeld die Arten von Problemen und Dilemmata zu besprechen, die entstehen können.
Weil jede Jugendgruppe ihre eigene Dynamik und ihre ganz eigene Chemie hat, gibt es kein Patentrezept, mit dem sich die möglichen Probleme erledigen ließen, die entstehen, wenn eine etablierte Gruppe mit Neulingen geflutet wird, die ganz anders denken, sich ganz anders verhalten und ganz anders reagieren.
Eine Gemeinde, die bereit ist, Herausforderungen und Veränderungen willkommen zu heißen
Manche Gemeinden sind so weit gegangen, praktisch zwei Jugendgruppen zu schaffen, eine überwiegend mit christlichen Jugendlichen und eine, in der die Neulinge den Ton angeben. (Ich mache daraus keine feste Empfehlung, aber man kann es sich anschauen.) Nichts legt eine aktive, auf Kontaktarbeit ausgerichtete Jugendarbeit schneller lahm, als wenn die Eltern der Gemeindejugendlichen das Gefühl bekommen, ihre Kinder würden vernachlässigt oder an den Rand gedrängt, um die Kirchenfernen zu erreichen.
Die Erwachsenen in der Gemeinde müssen verstehen, was ihre Rolle ist, wenn von Zeit zu Zeit Grüppchen von Jugendlichen auf dem Gemeindegelände auftauchen, die sich merkwürdig verhalten (und vielleicht auch merkwürdig aussehen!). Erwachsene können die Kontaktarbeit nicht nur unterstützen, sie können Teil der Lösung sein, indem sie sich entscheiden, bei einer Gruppe Jugendlicher vorbeizuschlendern, die sie nicht kennen, sie willkommen zu heißen und Interesse an ihnen zu zeigen. Vielleicht können Eltern in eurer Arbeit den Verkaufsstand übernehmen oder auf andere handfeste Weise mit anpacken und sich so ganz nebenbei in die Arbeit einweben.
Kurz gesagt, eine Gemeinde muss bereit sein, die Herausforderungen und Veränderungen willkommen zu heißen, die wirksame Kontaktarbeit mit sich bringt.
Ende der Sechzigerjahre blickten viele Menschen und Mitarbeiter in den meisten Gemeinden auf die jungen Leute herab, die in die Hippiekultur eintauchten. Hier und da fand sich ein christlicher Leiter, der über den Duft von Patschuliöl, Perlenketten und langen Haaren hinwegsehen konnte, um diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu lieben. Diese vereinzelten Leiter entdeckten in diesen jungen Menschen aus der Gegenkultur einen tiefen Hunger nach Gott, und ihre Gemeinden begannen, sich mit ihnen zu füllen.
Eine Gemeinde in Südkalifornien fand sich in genau dieser Lage wieder, und viele in der Gemeinde waren darüber alles andere als glücklich. Das Thema, dass die Gemeinde von schmutzigen Hippies übernommen werde, wurde zum Mittelpunkt einer besonders hitzigen Vorstandssitzung. Die Beschwerde wurde allerdings nicht so ausgesprochen, sondern verträglicher verpackt. Die offiziell geäußerte Sorge galt der Zahl junger Leute, die barfuß den Gottesdienst besuchten.
»Warum ist das ein Problem?«, fragte der Pastor, der sehr genau wusste, worum es wirklich ging.
»Es ist der Teppich«, druckste eines der Vorstandsmitglieder herum. »Das Öl und der Schmutz von ihren Füßen werden den Teppich ruinieren.«
»Das ist also alles? Wenn der Teppich nicht wäre, hättet ihr kein Problem damit, dass diese jungen Leute den Gottesdienst besuchen, selbst barfuß?«, fragte der Pastor.
Der Vorstand nickte zustimmend, und die Sitzung wurde geschlossen.
Noch in derselben Nacht ging der Pastor in die Kirche und riss eigenhändig den gesamten Teppich heraus.
Mit ihrer Ausrede dahin, dampften etliche Vorstandsmitglieder wutentbrannt aus der Gemeinde ab. Und diese Gemeinde wurde zu einem der größeren Werke der Gegend, und viele dieser schmutzigen Hippies von damals übernahmen später den Mantel christlicher Leiterschaft.
Der Pastor entschied sich weise dafür, die Gemeinde zu der Gemeinde werden zu lassen, die Jesus wollte, und nicht zu der, die manche in ihren Reihen wollten.
Übrigens, die Person, die mir diese Geschichte erzählt hat, war eines der Vorstandsmitglieder, die damals voller Wut und Abscheu gegangen sind. Jahre später erkannte er demütig, dass Gott einen Plan hatte, der größer war als sein Vorurteil.

Kapitel 5: Sich auf den Prozess einlassen
Sie tauchen immer wieder bei Instagram auf, Bilder von ehemaligen Mitgliedern der Jugendgruppen, die ich geleitet habe. Nur dass sie inzwischen erwachsen sind. Aber sie posten immer noch gern, wie sie früher ausgesehen haben.
Wenn ich die jungen Gesichter sehe, die drahtigen Körper und die Frisuren von damals, denke ich über die Flugbahnen dieser Leben nach. Manche sind schnell aufgeblüht. Sie hätten als Vorzeigebeispiele dafür durchgehen können, wie es aussehen soll, wenn jemand vom zerzausten Ungläubigen zum Jesusnachfolger wird. Andere haben ein Christenleben voller Stolpern, Widersprüche und Hochs und Tiefs hinter sich und hängen trotzdem noch dran. Manche verschwanden aus dem Glauben, nur um Jahre später wieder aufzutauchen, angeschlagen und mit blauen Flecken, aber mit einer viel tieferen Hingabe an den Herrn. Und manche sind immer noch da draußen in einer fernen Umlaufbahn, weit weg von der Sicherheit bei Jesus.
Nicht ganz einfach und schmerzfrei
Eines der Konzepte, die sich am schwersten vermitteln lassen, ist dieses. Reifen als Christ ist ein Prozess. Ein gewaltiger. Einer, der das Wort wirklich verdient.
Die meisten von uns hätten gern, dass die Bekehrung einer Seele augenblicklich geschieht, schmerzfrei und mit positiver Wirkung fürs ganze Leben. Und dann gibt es die Realität. Manchmal dauert es lange, sehr lange, bis aus dem Leben eines Menschen irgendetwas hervorkommt, das nach Frucht aussieht. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen.
Bei einem gläubigen jungen Menschen vermischt sich die geistliche Verwandlung mit den körperlichen, emotionalen und sozialen Verwandlungen, die beim Erwachsenwerden ebenfalls ablaufen. Und diese Reifungsprozesse stecken voller wilder Ausschläge.
Jugendliche und junge Erwachsene werden oft von Impulsen getrieben, die nicht von reifem Denken gebremst werden. (Zugegeben, das gilt auch für reichlich Erwachsene und sogar für ältere Erwachsene!)
Ein Jugendlicher mit soliden, engagierten christlichen Eltern hat ein Team im Rücken, das ihm hilft, nicht jeder Laune nachzugeben, die ihn von der Gemeinde, der Jugendgruppe oder anderen Christen überhaupt fernhalten will. Die Eltern können ihn an die Maßstäbe, Prinzipien und Werte von Jesus erinnern, für die sich viele Jugendliche, auf sich allein gestellt, nicht entscheiden würden.
Aber für den Jugendlichen aus einem kirchenfernen Umfeld gibt es womöglich kein solches Sicherheitsnetz, das ihn geistlich verbunden hält, wenn Stimmungsschwankungen, sozialer Druck oder andere Faktoren an seiner Tür Schlange stehen, laut anklopfen und ihm zurufen, er solle die christliche Gemeinschaft verlassen. Das Risiko, dass diese Jugendlichen den Glauben wieder verlieren, ist viel höher als bei denen aus Elternhäusern, in denen Jesus im Mittelpunkt steht.
Dazu kommt bei vielen Leuten in der Gemeinde die Erwartung, dass die Wilden, sobald sie zu Jesus gefunden haben, jetzt gezähmt, ordentlich angezogen und bereit sein sollten, im Chor mitzusingen.
Diese Erwartung ist falsch.
Tatsächlich gibt es eine ganze Weile womöglich keinen großen, an der Oberfläche sichtbaren Unterschied zwischen dem Jugendlichen vor und nach seiner Entscheidung für Jesus. Das liegt daran, dass der Heilige Geist ein Leben in der Regel langsam formt. Er schleift, meißelt und gestaltet, statt zu sprengen und neu zu bauen.
Ich muss heute noch schmunzeln, wenn ich daran denke, wie ein junger Neubekehrter mir begeistert erzählte, »Jesus zu kennen ist das (füge hier ein wirklich deftiges Schimpfwort ein) Beste, was ich je erlebt habe!«
Es war ein echtes Zeugnis, aufrichtig, ehrlich, ohne Hintergedanken. Und völlig unzitierbar.
Gott arbeitete an diesem jungen Gläubigen, aber die Wahl seiner Adjektive hatte der junge Mann offensichtlich noch nicht bekehrt.
In vielen Jahren Arbeit mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen oder zutiefst säkularen Elternhäusern habe ich Jugendliche erlebt, die fanden, dass sie geistlich gut unterwegs waren, weil sie nur noch einmal pro Woche kifften statt täglich (und alles in allem glaube ich, dass sie tatsächlich gut unterwegs waren). Ich habe Jugendliche kennengelernt, deren Eltern mit aller Kraft daran arbeiteten, sie vom christlichen Glauben wegzuziehen, und die vor Freunden und Verwandten erklärten, ihre Kinder seien in eine Sekte geraten und meine Wenigkeit sei ein Sektenführer vom Kaliber eines Charles Manson oder Jim Jones, nur ohne den vergifteten Früchtepunsch, versteht sich.
Also genieß die Reise
Der Prozess, in dem unser Leben verändert wird, ist eine langfristige Angelegenheit. Gott verändert bis heute Bereiche in mir, von denen ich nie wusste oder nie wissen wollte, dass sie Veränderung nötig haben. Und Gott wird alle Hände voll zu tun haben, wenn er anfängt, die Leben mancher Jugendlicher umzugestalten, die ich kenne und mit denen ich arbeite.
Es kann sehr schnell sehr interessant werden.
In einer Gemeinde, in der ich einmal gedient habe, hatte ich einen älteren Jugendlichen, dessen Mutter die positiven Veränderungen bei ihrem Sohn sehr unterstützte. Sie hätte ihn gern sonntags zum Gottesdienst begleitet, konnte aber nicht, wegen ihrer Arbeitszeiten. Doch ihre Partnerin, die von der neuen Lebensfreude des jungen Mannes ebenfalls beeindruckt war, hatte bereits angefangen, zum Gottesdienst zu kommen. Oh, habe ich erwähnt, dass ihre Partnerin eine Frau war? Und dass für manche eine Unsicherheit entstand, wie man dieser Frau am besten begegnen sollte?
Mit kirchenfernen Jugendlichen unterwegs zu sein kann ein hartes Spiel sein. Und jetzt darf die ganze Gemeinde mitspielen. (Übung. Frag dich selbst, wie deine Glaubensgemeinschaft auf die gerade beschriebene reale Situation reagieren würde. Ist sie darauf vorbereitet, Menschen wie diesen beiden Frauen mit Liebe und Gnade zu begegnen? Weiß sie, wie man den Sünder aufrichtig umarmt, ohne biblische Werte und Maßstäbe aufzugeben? Und übrigens, wie würdest du reagieren?)
Es kann nötig sein, aktiv auf diejenigen zuzugehen, deren Erwartungen an Neubekehrte zu unrealistisch sind. Erkläre das wilde Gepäck, die schrägen Familiensituationen und die orientierungslose Erziehung, die bei vielen Jugendlichen zum Gesamtpaket gehören. Entscheidend ist, die Erwartung derjenigen Gemeindemitglieder zu dämpfen, die bei jedem einzelnen Jugendlichen auf eine augenblickliche und nie wankende Bekehrung hoffen.
Ach ja, und genieße die Reise, während du zusiehst, wie Gott im Leben dieser harten Fälle arbeitet. Es kann gut sein, dass dein eigenes geistliches Wachstum dabei gleich mit in neue Richtungen aufbricht.
Vertiefung zu Teil 2
2. Wie würde deine Jugendgruppe reagieren, wenn plötzlich eine ganze Truppe kirchenferner Jugendlicher auftauchen würde?
3. In welchen Situationen müssten deine Gemeinde, dein Leitungsteam oder deine Jugendgruppe besonders viel Gnade zeigen?
4. Welche Situationen brauchen eine feste Hand? Welche Situationen brauchen beides, eine feste Hand und Gnade?
Kapitel 6: Der Startschuss
Kapitel 7: Durch positiven christlichen Kontakt
Kapitel 8: Jahreszeiten, Timing und Startbahnen
Kapitel 9: Hochwertige Jugendtreffen und Veranstaltungen
Kapitel 10: Ideen für die Kontaktarbeit
Kapitel 11: Ordnung, Kontrolle und Disziplin unter Rabauken
Kapitel 12: Kontaktarbeit in Familien
Kapitel : Ein letztes Wort: Froschküsser

Kapitel 6: Der Startschuss
Nehmen wir also an, du hast eine willige und fähige Schlüsselperson, und nehmen wir an, deine Gemeinde ist begeistert von der Aussicht, das Gelände mit Jugendlichen vom Rand zu fluten, und bereit, diese Unternehmungen zu unterstützen. Dann lautet die logische Frage, wie stellt man dieses Ding an?
Von Anfang an müssen wir verstehen, dass es kein Programm und keine Zauberformel gibt, die garantiert die Ergebnisse liefert, auf die du hoffst. Es gibt allgemeine Prinzipien, die meistens funktionieren, und ich werde dir einen ganzen Schwung Ideen anbieten, die dich in Gang bringen können. Aber verschiedene Regionen verschiedener Länder ticken unterschiedlich, und jede Kultur hat einen Rhythmus, der für sie funktioniert (und viele, die es nicht tun). Deshalb ist ein solides Verständnis für die möglichen Fallstricke und Minenfelder, die mit der Sorte Jugendlicher einhergehen, mit der du arbeitest, unverzichtbar.
Du musst Kontaktarbeit außerdem als etwas grundsätzlich Experimentelles betrachten. Manchmal triffst du auf eine Idee oder Aktion, die wirklich funktioniert und fast zeitlos ist. Ein anderes Mal funktioniert die Idee in einem Jahr und geht im nächsten baden. Und wieder ein anderes Mal geht die Idee direkt unter.
Behalte im Kopf, dass die Gedanken und Vorschläge in diesem Buch keine Schablonen sind, sondern deine Vorstellungskraft anknipsen wollen. Viele meiner Vorschläge wirst du vielleicht für unbrauchbar halten, und das wäre okay. Aber sie können Ideen für etwas entzünden, das für deine Gruppe funktioniert. Genau das hoffe ich.
Der Rest dieses Kapitels ist gefüllt mit einer Reihe von Schlüsselideen, dem großen Ganzen, damit du loslegen kannst.
Denk zuerst an die Jungs
In der Jugendarbeit gibt es eine bekannte Faustregel, »Wenn du Wachstum willst, richte deine Energie und deine Aktionen auf die Jungs aus, dann bekommst du die Mädchen dazu. Planst du vor allem für die Mädchen, erreichst du oft nur sie.«
Was viele Jungs motiviert, sieht oft anders aus als das, was viele Mädchen motiviert. Ein großer Teil der Jungs wird von Action, Wettkampf und Bewegung angezogen, davon, gemeinsam etwas zu unternehmen und sich zu messen.
Bei vielen Mädchen läuft mehr über Beziehung, darüber, mit anderen in Verbindung zu sein und zu reden. Natürlich sind das grobe Tendenzen. Es gibt reichlich sportbegeisterte Mädchen und beziehungsorientierte Jungs. Aber wenn du mal Mäuschen spielst und bei ein paar Gesprächen unter Jugendlichen zuhörst, wirst du feststellen, dass Jungs, wenn sie denn mal zum Reden kommen, über eine Sorte von Dingen sprechen, und beziehungsorientierte Mädchen über eine andere.
Der Kern ihrer Gespräche sollte reichen, um dir zu zeigen, warum an dieser Faustregel etwas dran ist.
Die typische Jugendgruppe wird oft von den Mädchen getragen und gesteuert. Das ist in Ordnung, wenn das Ziel eine Mädchengruppe ist, aber problematisch, wenn du Kontaktarbeit für beide Geschlechter machen willst. Das heißt keineswegs, dass wir die Mädchen aufgeben, überhaupt nicht. Aber es heißt, dass wir bei einer gemischten Aktion unser Bestes geben sollten zu prüfen, ob sie Alphatiere interessieren wird. Reine Mädchenaktionen sind wirksam und ausdrücklich zu ermutigen, aber der Schwerpunkt unserer Kontaktarbeit für die ganze Gruppe sollte in Richtung der Dinge kippen, auf die Jungs sich mühelos einlassen. Achte dabei vor allem darauf, dass Mädchen nicht der Köder sind. Jungs tauchen erfahrungsgemäß auch auf, wenn sich herumspricht, dass bei euch viele hübsche Mädchen sind. Sie kommen dann aus den völlig falschen Gründen, und die Probleme, die so eine »Strategie« mit sich bringt, sind den Ärger nicht wert.
Ein weiterer Faktor bei diesem Prinzip ist, dass viele Jungs sich beim Thema Leitung zunächst an männlichen Vorbildern orientieren. Gerade straßenerprobte Alphatiere suchen anfangs oft einen Mann, an dem sie sich messen und dem sie folgen können. Deshalb hilft es erfahrungsgemäß, wenn zumindest ein Teil des Leitungsteams männlich besetzt ist, wenn du solche Jungs von außen erreichen willst. Das heißt ausdrücklich nicht, dass Frauen hier weniger können. Im Gegenteil, ich bin zutiefst dankbar für die vielen Frauen, die hauptamtlich an der Basis der Jugendarbeit stehen, und immer wieder von ihnen ermutigt. Gott gebraucht tatkräftige Frauen, die anpacken und Dinge bewegen, ganz genauso. (Schau dir nur Debora im Buch der Richter an.) Es geht hier weniger um eine Regel als um ein Gespür dafür, wen diese Jungs am Anfang als Gegenüber annehmen.
Wisse, wohin du sie führst
Ein wirksames Kontaktprogramm ohne solides Nachdenken darüber, wie du neue Gläubige einbinden, beheimaten und in der Nachfolge begleiten willst, ist ungefähr wie eine Frau, die ein Kind zur Welt bringt und das Baby dann im Krankenhaus zurücklässt.
Behalte im Kopf, dass die meisten Jugendlichen aus kirchenfernen Elternhäusern praktisch nichts haben, das sie motiviert, Teil einer Gemeinde zu sein, außer ihrem eigenen Interesse und ihrer eigenen Sehnsucht. Eltern sind vielleicht milde unterstützend, gleichgültig oder sogar feindselig, wenn ihr Kind Zeit in der Gemeinde verbringt oder in der Bibel liest.
Nach meiner Erfahrung wird ein junger Mensch, der zum Glauben findet, oft zum Werkzeug, durch das Eltern und Geschwister zu Jesus finden. Aber ich habe auch Eltern erlebt, die ängstlich reagierten oder vermuteten, ihr Kind sei in eine Sekte geraten.
Eine starke und beständige Kommunikation mit den Eltern von Jugendlichen aus kirchenfernen Familien hilft, die meisten großen Probleme zu entschärfen. (Siehe dazu das Kapitel über Kontaktarbeit in Familien am Ende dieses Buches.)
Auch wenn vieles an deinem Plan für geistliches Wachstum vom Alter, vom Hintergrund und von der Reife der Jugendlichen abhängt, die du erreichst, gibt es einige logische Schritte, die du im Gleichklang mit den Kontaktaktionen entwickeln kannst. Wenn wir zum Beispiel mit Jugendlichen außerhalb der Gemeindefamilie in Kontakt kommen, wie beginnen wir dann den Prozess, ihnen zu helfen, sich von unserer Glaubensgemeinschaft willkommen geheißen zu fühlen? Holen wir sie erst herein, wenn sie ihren Glauben bekannt haben, oder laden wir sie ein, uns anzuschauen und mitzumachen, auch wenn sie sich noch nicht als Gläubige verstehen?
Was wir entscheiden, hat oft Folgen.
- Machen wir uns den Gedanken zu eigen, dass Jugendliche dazugehören dürfen, bevor sie glauben?
- Schlagen wir einem Ungläubigen die Abendmahlselemente aus der Hand, wenn er sie arglos entgegennimmt?
- Senken wir Erwartungen und Maßstäbe für die, die ohne Bindung an unseren Meister zu uns stoßen?
- Ist es klug oder überhaupt realistisch, einen neuen Gläubigen in Dinge zu stürzen, die ein gewisses Maß an Wachstum und Verständnis voraussetzen?
- Wenn jemand ganz frisch zum Glauben gekommen ist, wo ist für ihn der beste Ort, um seine Reise mit unserer geistlichen Familie zu beginnen?
Wir müssen im Voraus über die Einstiegspunkte nachdenken und über das Umfeld, das Wachstum bei neuen Gläubigen fördert. Vielleicht müssen wir sie auch vor den unfreundlichen (oder schlicht schrägen) Elementen und Menschen schützen, die in unserer Gemeindefamilie herumlaufen, und vor beispielsweise geisttötenden Sitzungen, die jemandem, der neu im Glauben ist, herzlich wenig helfen.
Zu den Tipps, die bei diesem Prozess helfen, gehört eine durchdachte Strategie für die Begleitung danach. Was ist der nächste Schritt für einen Jugendlichen, der sich Jesus anvertraut hat?
- Wenn der nächste Schritt ist, die Bibel besser kennenzulernen, sollten wir ihm wahrscheinlich keine dicke, altertümliche Lutherbibel in der Sprache von vorgestern in die Hand drücken. Ein schlichtes Neues Testament oder ein einzelnes Evangelium in einer modernen Übersetzung trifft den Bedarf weit besser.
- Wenn einer der nächsten Schritte ist, sich mit anderen Gläubigen in einer altersgerechten Kleingruppe zu treffen oder Teil eines Bibelkreises zu werden, müssen wir vielleicht dafür sorgen, dass sich unser neuer Jugendlicher wohlfühlt, obwohl sein Verständnis noch minimal ist. Das kann bedeuten, ihn nicht vor allen zum Vorlesen von Bibelstellen oder zum Beantworten von Fragen aufzurufen, und ihn vermutlich nicht in eine Gruppe langjähriger Jünger zu stecken, die gerade die kleinen Propheten in aller Tiefe durcharbeiten.
- Wenn einer der nächsten Schritte ist, Beziehungen in die christliche Gemeinschaft hinein aufzubauen, können wir mit einigen unserer reifen christlichen Jugendlichen darauf hinarbeiten, dass sie bereitstehen, die Neuen unter ihre Fittiche zu nehmen.
Der Schlüssel ist, nicht einfach anzunehmen, dass Wachstum und Beheimatung von selbst geschehen, sondern einen Boden zu bereiten, in dem dieser frisch aufbrechende Samen am besten keimen kann.
Jüngere Jugendliche sind leichter zu erreichen als ältere
Wenn du Kontaktarbeit machen willst, ist die Altersgruppe elf bis vierzehn die leichter zu erreichende. Diese Jugendlichen sind die Aussätzigen der Jugendjahre. Die meisten Menschen ignorieren sie. Die Älteren schauen auf sie herab. Jugendleiter delegieren sie routinemäßig an irgendeinen Handlanger.
Unbeholfen, unreif, überdreht, zeitweise schlicht albern, verschmitzt, und doch auf wunderbare Weise unschuldig und in vielem offen für Neues. Diese Altersgruppe hat ein paar Schlüsseleigenschaften, aus denen ein kluger Jugendleiter etwas machen kann.
Sie sind im Rudel unterwegs
Mehr als die Älteren bewegen (und benehmen) sich Jugendliche zwischen elf und vierzehn wie Rudeltiere. Gewinn einen, und du bekommst alle. Beziehungsorientierter als diese Altersgruppe geht es kaum.
Kaum ein Erwachsener mag sie
Jugendliche in diesem Alter drehen völlig auf, wenn ein Erwachsener (außer den eigenen Eltern) sie wichtig nimmt. Sei nett zu einem von ihnen, und er oder sie ist dein Freund fürs Leben, oder zumindest für einen Monat. (Denk dran, die Aufmerksamkeitsspanne ist kurz.)
Sie sind nicht mobil
Jugendliche zwischen elf und vierzehn kommen schlecht von A nach B. Wer sie irgendwohin fährt, ist ihr Kumpel. Du kannst an jedem beliebigen Tag der Woche einen Kleinbus für eine Jugendaktion füllen, indem du einem einzigen von ihnen sagst, dass du ihn und alle seine Freunde nach der Schule abholst. Du bekommst die halbe Schule, wenn du erwähnst, dass ihr unterwegs noch ein Eis essen geht.
Sie sind heiß auf Spaß
Diese Jugendlichen wollen eine gute Zeit haben. Sie wollen raus aus dem Haus. Sie haben normalerweise keine Nebenjobs und selten ernsthaft viele Hausaufgaben, aber sie haben eine Menge freie Zeit. Mach etwas, das Spaß macht, und es spricht sich herum.
Sie sind geistlich offen
Jugendliche in diesem Alter haben noch weiche Herzen. Zynisches Denken und schwere Versuchungen haben viele von ihnen noch nicht vergiftet. Wenn du es schaffst, um die kurzen Aufmerksamkeitsspannen herumzumanövrieren, wirst du erleben, dass diese Altersgruppe Gedanken über Gott aufsaugt wie Wasser.
Abstraktes Denken wird gerade greifbar
Kinder tun sich schwer mit abstraktem Denken, und ein großer Teil des christlichen Glaubens verlangt abstraktes Denken. Für Jugendliche zwischen elf und vierzehn ist die neue Fähigkeit, abstrakt zu denken, erfrischend. Es ist, als würden ihnen zum ersten Mal die Augen geöffnet, während sie die großen Zusammenhänge erfassen.
Sie haben wenig Gepäck
Vergleichsweise wenige Jugendliche in diesem Alter schleppen die Art von negativem Gepäck mit sich herum, die sie in späteren Jahren ansammeln werden. Ihre Herzen sind freier, und oft lassen sie sich noch auf Wege lenken, die sie so bewahren.
Auch wenn nur eine besondere Sorte Mensch bereit ist, ganz in die Welt dieser Altersgruppe einzutauchen, ist sie ein hervorragender Ort, um eine Kontaktarbeit zu starten. Mit etwas Nachdenken und Arbeit wird eine große Zahl dieser Jugendlichen als ältere Jugendliche in Richtung Reife und Mitarbeit weiterwachsen.
Nutze deine offensichtlichen Stärken
Stell dir eine Gemeinde voller Skater vor. Nein, wirklich, stell dir vor, wie muffig riechende Jugendliche mit Rollen unter den Füßen jeden verfügbaren Zentimeter Beton rund um deine Gemeinde bevölkern. Stell dir Wachs und fehlende Betonecken an den Pflanzkübeln vom Grinden vor, oder wie das Treppengeländer zum Gottesdienstsaal für Rail Slides benutzt wird. Stell dir zwei Dutzend Skateboards vor, die sich vor einem Treffen im Flur stapeln. Stell dir die »interessante Bildsprache« von Skatershirts auf den Körpern von Dutzenden Jugendlichen vor.
Der Anführer dieses Rudels könntest du sein. Ist das nicht ein großartiger Gedanke?
Für mich war es das definitiv, in meinen Anfängen als grünschnabeliger Jugendleiter. Weil ich selbst Skater und Surfer war und diese Kultur verstand und lebte, fiel es mir leicht, mit diesen Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Ich hatte nie vor, dass die Jugendgruppe von einer einzigen Szene überrannt wird, es ist einfach passiert. Vielleicht war es Gottes Fügung, ich weiß es nicht. Schließlich schien sonst niemand einen Draht zu diesen Jugendlichen zu finden.
Jeder Mensch tut etwas oder steckt in etwas drin, das eine bestimmte Gruppe von Jugendlichen faszinierend finden könnte. Diese Stärken sind unsere natürlichen Kontaktpunkte, um die außerhalb der Gemeinde zu erreichen.
- Es kann Jagen, Angeln oder Scrapbooking sein.
- Es kann irgendeine Sportart sein.
- Es kann Schrauben, Musik oder Gaming sein.
- Es kann etwas sein, das Sportskanonen als nerdig abtun, Nerds aber richtig cool finden.
Deinen natürlichen Kontaktpunkten zu folgen kann bedeuten, dass du am Ende eine Jugendgruppe hast, in der die Mehrheit ein Taschenmesser dabeihat, schmierige Hände hat und nach Benzin riecht. Oder eine, in der alle aussehen wie Klone von Bill Gates.
Der Punkt ist, der natürlichste Startpunkt ist genau da, wo du bist. Wenn Gott beschließt, dich zu gebrauchen, um das Gesicht der Jugendgruppe zu verändern, indem er sie mit Gothic-Jugendlichen, Snowboardern, Computerfreaks oder Ringern flutet, ist das seine Sache.
Darüber nachzudenken, was du gern tust, und einen Jugendlichen mit ähnlichen Interessen einzuladen mitzumachen, und gleich noch einen Freund mitzubringen, kostet herzlich wenig Mühe. Die leichteste und echteste Form von Kontaktarbeit ist, dass du mit deinem ganzen von Gott geschaffenen Sein Jugendlichen begegnest, die er genauso gemacht hat.
Den Schwachen bin ich ein Schwacher geworden, um die Schwachen zu gewinnen. Ich bin allen alles geworden, um unter allen Umständen wenigstens einige zu retten. Das alles tue ich für das Evangelium, um sein Teilhaber zu sein. — 1. Korinther 9,22-23
Groß gegen klein
Die meisten von uns denken gern in Zahlen und Mengen, und je mehr Jugendliche wir mit der guten Nachricht erreichen, desto besser. Den Saal füllen, das Stadion packen, so beginnen wir zu denken. Aber klein kann oft die deutlich bessere Option sein.
Manche der großen Ideen, die dir vielleicht vorschweben oder die in diesem Buch stehen, brauchen Mitarbeiter und ein Budget. Andere Dinge dagegen lassen sich mit wenig Geld und auf kleine, persönliche, bedeutsame Weise umsetzen. Ein Auto voller Jugendlicher kann besser sein als ein Kleinbus voller Jugendlicher, und viel leichter kennenzulernen. Ein halbes Dutzend Jugendliche zum Grillen und zu einer Zockernacht einzuladen kann fürs Reich Gottes oft mehr bringen als ein riesiges Spektakel.
Manche Menschen sind für Gruppen gebaut, und manche sind nur für Einzelne gebaut. Herauszufinden, wo deine Persönlichkeit und deine Begabung liegen, hilft dir beim Gestalten deiner Kontaktarbeit.
Der Hauptgrund, warum klein oft so wirkungsvoll ist, liegt darin, dass nicht »wir« zu Jesus kommen, sondern »ich«. Der Eintritt ins Reich Gottes ist keine Gruppenveranstaltung, sondern eine ganz persönliche.
Viele Ideen und ein Großteil der Stoßrichtung dieses Buches gehen in Richtung organisierter und größerer Kontaktaktionen, aber das sind nur einige der möglichen Wege, Jugendliche zu erreichen. Vielleicht führt Gott dich auf einen viel schlankeren, aber genauso wichtigen Weg, um mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, die Jesus brauchen.
Kontaktarbeit durch Mentoring
Eine höchst wirksame Form von Kontaktarbeit auf kleiner Ebene ist Mentoring. Mentoring heißt, mit einem oder zwei Jugendlichen über ein gemeinsames Interesse in Kontakt zu kommen und durch echte Freundschaft eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.
Wenn du zum Beispiel eine begabte Schneiderin bist, bietet es großartige Gelegenheiten, ein paar Jugendlichen das Nähen beizubringen und sie dabei kennenzulernen. Sobald Jugendliche dich kennen und mögen, geben sie dir die Erlaubnis, in ihr Leben hineinzusprechen.

Kapitel 7: Durch positiven christlichen Kontakt
Es gibt oft eine natürliche Reihenfolge, wenn es darum geht, säkulare oder kirchenferne Jugendliche zu erreichen. Viele säkulare Jugendliche sind gegenüber »Religion« zutiefst misstrauisch. Sie haben die Vorstellung, die Kirche wolle sie ausnutzen (»die Kirche will doch nur dein Geld«) oder die Kirche wolle aus jedem einen fanatischen Jesus-Freak machen und ihn zum Predigen an die Straßenecke stellen. »Religion« (so sehen säkulare Jugendliche das, was wir unseren Glauben nennen) ist in ihren Augen etwas für Spinner und emotionale Wracks, nicht für den gesunden, starken Jugendlichen, schon gar nicht für den männlichen.
Der erste Schritt beim Beziehungsaufbau mit säkularen Jugendlichen läuft oft über etwas, das wir positiven christlichen Kontakt nennen können. Das kann alles sein, was die christliche Welt auf positive Weise mit der säkularen Welt verbindet.
Normalerweise hat diese Art von Aktion keine direkte christliche Botschaft, auch wenn sie mit Gebet beginnen kann, ein Tischgebet einschließt und ethische Leitplanken hat, an die sich alle halten (achte auf deine Sprache, kein Alkohol, keine Drogen, sowas eben). Ein paar Beispiele wären ein Paintballtag, ein Ausflug an den See oder zum Wasserski, eine Skateboard-Safari, ein Spieleabend oder alles andere, das Jugendliche anzieht, die auf der Suche nach etwas sind, das Spaß macht.
Der Hauptzweck solcher Aktionen ist schlicht, ein Umfeld zu schaffen, das Spaß macht, attraktiv und einladend ist, damit die Mitglieder deiner Jugendgruppe ihre säkularen Freunde problemlos einladen können, mal vorbeizuschauen.
Ich weiß, dass manche Leute frustriert sein werden, wenn sie einen ganzen Schwung Ungläubiger für eine Aktion einsammeln und dann keine Gelegenheit bekommen, diese Jugendlichen mit dem Evangelium zu bombardieren. Für manche Gruppen ist eine Werbeunterbrechung für Gott bei jeder einzelnen Aktion quasi Pflicht.
Sei mit dieser Art von Denken sehr, sehr vorsichtig. Es gibt kein biblisches Gebot, das uns zwingt, das Evangelium in Worten zu präsentieren, nur weil wir Jugendliche versammelt haben. In manchen dieser Situationen sind wir viel wirksamer, wenn wir die Botschaft durch Interesse, Liebe und echte Anteilnahme an den Jugendlichen vermitteln, und natürlich bereitstehen, von der Hoffnung in uns zu erzählen, wenn sich die passende Tür öffnet. Eine schlecht getimte Präsentation oder eine, die mit Druck arbeitet, wirkt dagegen gegen uns. Sie ist unangenehm für alle und sogar peinlich für die christlichen Jugendlichen, die ihre Freunde mitgebracht haben.
Wichtiges für Aktionen mit positivem christlichem Kontakt
Hier sind ein paar strategische Punkte, die du nicht vernachlässigen solltest.
Sammle Namen und Kontaktdaten
Versuch, von jedem neuen Jugendlichen, der kommt, Namen und Kontaktdaten zu bekommen. Je nach Rahmen kannst du Verschiedenes tun, um an Namen zu kommen, eine Verlosung mit Preisen ist so eine Idee.
Verschicke kurze Dankeskarten
Sorg dafür, dass jeder neue Jugendliche innerhalb einer Woche nach eurer Aktion eine Dankeskarte bekommt. Die meisten Jugendlichen bekommen selten persönliche Post, eine handgeschriebene Karte sendet deshalb eine starke, positive Botschaft. Aber genauso wichtig ist Folgendes. Halte die Karte kurz und werde bei diesen ersten Kontaktgelegenheiten nicht zu offensiv. Wenn ein Erwachsener anfängt, Jugendliche anzurufen oder sie zu tieferem Engagement einzuladen, wird das von säkularen Eltern, die sich vor übergriffigen Fremden fürchten, oft mit Skepsis betrachtet, womöglich sogar als unheimlich empfunden.
Hab die nächste Aktion startklar
Sorg dafür, dass du bereits eine weitere Aktion im Kopf hast, die dieselben Jugendlichen interessieren würde. Hatten sie eine gute Zeit, werden sie wahrscheinlich bereit und hoffentlich richtig motiviert sein, zur nächsten Aktion zu kommen, wenn sie davon wissen. Halte das Werbematerial für die nächste Aktion bereit, um es den Jugendlichen beim Rausgehen in die Hand zu drücken.
Achte auf die natürlichen Anführer
Halte Ausschau nach den Jugendlichen, die Überzeugungskraft bei ihren Altersgenossen haben. Sie sind die natürlichen Anführer, die charismatischen Typen. Das sind die Jugendlichen, die du kennenlernen und gewinnen willst, wenn sie wiederkommen. Sie sind diejenigen, die das Wachstum befeuern können, auf das du zielst, oder, wenn sie eine negative Erfahrung machen, ihre Altersgenossen davon abbringen.
Es muss nicht das Champions-League-Finale der Kontaktarbeit sein
Behalte im Kopf, dass positiver christlicher Kontakt keine große, übermäßig verrückte Aktion sein muss. Er kann sehr klein und nischig sein. Eine Handvoll Jungs, die zusammen zocken. Eine Gruppe Mädchen bei einer Übernachtungsparty. Eine kleine Truppe, die die Tonanlage der Gemeinde für ihre Bandprobe nutzt.
Die Art der Aktion, über die ihr Kontakte knüpft, sollte dir sagen, wo und wann eine Präsentation des Evangeliums oder ein Bibelkreis angemessen ist. Aktionen mit Übernachtung wie eine Zeltfreizeit bieten oft den idealen Rahmen, um am Lagerfeuer ehrlich zu teilen, worum es beim Leben mit Jesus geht. Der Versuch dagegen, mitten in einen Freizeitparkbesuch eine Präsentation hineinzuquetschen, ist meist vergeblich, von der Frustration für alle Beteiligten ganz zu schweigen.
Die Jugendlichen, die die Gabe haben, andere in eure Arbeit mitzubringen, sind genau die, die ein feines Gespür für die Qualität und Angemessenheit dessen haben, was ihr tut. Wenn eure Aktionen öde oder langweilig sind, oder wenn sich das Angebot, eine Entscheidung für Jesus zu treffen, wie ein Verkaufsgespräch mit Druck anfühlt, würgst du womöglich gerade deine Gänse ab, die goldene Eier legen. Die Jugendlichen mit diesem natürlichen Gespür, die andere mitbringen, sind großartige Resonanzböden für die Frage, wann und wie solche Botschaften vermittelt werden.

Kapitel 8: Jahreszeiten, Timing und Startbahnen
Es sollte die große evangelistische Aktion des Jahres werden. Die Band war beliebt und der Veranstaltungsort klasse, aber der Mann, der das Ganze auf die Beine stellte, hatte vergessen, rechtzeitig in den Schulkalender zu schauen. Er hatte sein Riesenevent ausgerechnet auf den Abend des Abschlussballs gelegt. Da 80 Prozent seiner Jugendlichen von der Schule kamen, die diesen Ball feierte, war seine Aktion so gut wie erledigt.
Jahreszeiten und Timing
Gutes Timing, und eine Portion gesunder Menschenverstand, hilft enorm. Die meisten erfahrenen Jugendleiter werden dir bestätigen, dass es gute und schlechte Zeiten gibt, um Jugendliche über Kontaktaktionen zu erreichen oder einen neuen Arbeitszweig zu starten.
Die Weihnachtszeit ist für die meisten Jugendgruppen tödlich. In manchen Gegenden, etwa dort, wo der Sommer brütend heiß ist, kommt in den heißen Monaten praktisch alles zum Erliegen, während andernorts genau dann am meisten los ist. Jede Gegend hat ihren eigenen Rhythmus. Es gibt Phasen, in denen Jugendliche leicht zu erreichen sind, und Phasen, in denen sie mit Schulterminen, Urlaubszeit, Reisen oder Feiertagen beschäftigt sind.
Zu lernen, wann man aufs Gaspedal tritt und wann man den Fuß zurücknimmt, ist entscheidend, um Energie, Zeit und Geld nicht zu verschwenden. Dass die Jahreszeiten vorgeben, welche Aktionen Jugendliche wahrscheinlich anziehen, dürfte in den meisten Fällen offensichtlich sein. (Ein Ausflug an den Badesee mitten im Winter ist vermutlich eine schlechte Idee, es sei denn, ihr flüchtet in tropische Gefilde, dann wird aus der schlechten Idee eine gute.)
Über die Jahre habe ich festgestellt, dass der Herbst eine besonders gute Zeit ist, um neue Kontakte zu Jugendlichen zu knüpfen, vor allem die Wochen vor Halloween. Aktionen, die ein Element dieses Festes nutzen, um Jugendliche anzuziehen, funktionieren bei uns seit vielen Jahren. Kostümevents, Schnitzeljagden, Gruselfilmabende und Halloweenpartys bringen in der Regel einen starken Schwung neuer Jugendlicher, wahrscheinlich weil andere Jugendliche sie ihren Freunden leicht »verkaufen« können und weil sie sich nicht nach »frommen« Aktionen anfühlen.
Jugendliche da draußen müssen sehen, dass wir nicht in jeder wachen Minute die Bibel studieren, sondern jede Menge Spaß haben, während wir die Bibel in die Praxis umsetzen.
Natürlich kann das, was in unserem Umfeld am besten funktioniert, bei dir total daneben gehen. Nutze also deine eigene Erfahrung und Beobachtung.
In den Kapiteln 9 und 10 liefere ich dir einen ganzen Schwung Aktionen mit großem Potenzial als Zugpferde. Mit ein wenig Kreativität lassen sich viele davon auf fast jede Jahreszeit ummodeln.
Startbahnen
Strategische Gemeindegründer suchen nach dem, was sie Startbahnen nennen, um darauf ihre Arbeit abheben zu lassen. Eine Startbahn ist ein Zeitraum, Wochen oder Monate, in dem Menschen ohne große Ablenkung verfügbar sind, also auch Phasen, die nicht mit größeren Ferien zusammenfallen. Diese Phasen erlauben einer Arbeit, Geschwindigkeit und Auftrieb zu gewinnen.
Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass die ersten Wochen eines neuen Schuljahres eine miserable Zeit sind, um irgendetwas mit Jugendlichen zu unternehmen. Viele Eltern wollen das Schuljahr richtig starten, setzen frühe Heimkommzeiten durch und greifen durch, indem sie darauf bestehen, dass ihre Kinder jeden Abend Hausaufgaben machen. Dazu wirken die Jugendlichen vom neuen Schuljahr gleichzeitig aufgekratzt und abgelenkt.
Ein paar Wochen später beruhigt sich normalerweise alles, und die alten Routinen kehren zurück. In dieser Zeit hatten wir intensive, aber starke Läufe durch den Früh- und Hochherbst, einschließlich der Halloweenzeit, bevor es Ende November, wenn die Adventszeit beginnt, wieder abflacht. (Ich rede von Teilnehmerzahlen, neuen Besuchern und der Stimmung insgesamt.) Ähnliche, aber weniger intensive Phasen haben wir von Mitte Januar bis Anfang Mai erlebt (mit Ausnahme der Osterferien). Danach fiel alles wieder auseinander, wegen der Prüfungs- und Abschlusszeit und des Sommers.
Ein verwandter Gedanke. Versuche nicht, das Startbahnkonzept am Ende einer Phase zu nutzen. Eine große Skifreizeit direkt vor den Weihnachtsferien wird zum Beispiel vermutlich nicht besonders gut aufgehen. Die Aktion selbst mag Jugendliche anziehen, aber die Folgetreffen oder Folgeaktionen werden wegen der vollen Weihnachtszeit deutlich schlechter besucht sein. Bis die Feiertage vorbei sind, ist der Sprudeleffekt der Skifreizeit womöglich verflogen, samt der neuen Beziehungen, die daraus hätten entstehen können. Leg die Skifreizeit lieber dorthin, wo der entstandene Schwung helfen kann, Interesse und Begeisterung aufzubauen.
Jahreszeiten, in denen Jugendliche schwer zu erreichen sind, sind in gewisser Weise ein verstecktes Geschenk. Wie Surfer über die Unberechenbarkeit des Ozeans manchmal sagen, »Es gibt Zeiten, in denen du draußen surfen musst, und es gibt Zeiten, in denen du besser einfach den Strand sauber machst.«
Während unsere Gemeinde über die Jahre ihre Strategie entwickelte, um Jugendliche zu erreichen, haben wir entschieden, dass manche Jahreszeiten dafür da sind, neuen Jugendlichen nachzugehen und Wachstum anzuschieben, und manche dafür, Beziehungen zu vertiefen und Kleingruppenarbeit zu machen. Wie diese Taktung aussieht, ist von Ort zu Ort sehr verschieden. Die eine Konstante ist, dass jede Gegend einen Rhythmus hat, und kluge Jugendleiter arbeiten hart daran, ihn herauszufinden.

Kapitel 9: Hochwertige Jugendtreffen und Veranstaltungen
Veranstaltungen und Treffen sind die sozialen Rahmen, in denen Gutes passiert.
- Wir knüpfen neue Kontakte für die nähere, persönlichere Arbeit.
- Der Großteil der biblischen Lehre und der evangelistischen Gelegenheiten findet hier statt.
- Die Dynamik einer jungen Glaubensgemeinschaft nimmt hier Gestalt an.
- Jugendliche bekommen einen Vorgeschmack darauf, wie es ist, Teil einer Gemeinde zu sein.
- Jugendliche erleben einen bleibenden Eindruck davon, wie Christsein aussieht.
Jugendtreffen und Veranstaltungen müssen durchdacht und gut gestaltet sein. Sie müssen im Vergleich mit dem, was die Welt anbietet, gut abschneiden, nicht unbedingt eins zu eins, aber in unserem Maß an Einzigartigkeit und Kreativität. (Der Versuch, die Welt zu kopieren und nur christlichen Zuckerguss draufzupacken, ist in der Regel eine schlechte Idee und fast immer ein verlorenes Spiel.)
Tipps, die anziehen
Hier sind ein paar Gedanken für jedes wöchentliche Treffen und jede Veranstaltung, mit der du Jugendliche anziehen und halten willst, die an diesem Punkt ihres Lebens wenig bis gar keine Motivation haben, Teil einer Gemeinde zu sein.
Vielleicht musst du ein paar Dinge loswerden
Um für Außenstehende attraktiv zu sein, musst du vielleicht ein paar Dinge über Bord werfen und das Schiff etwas auf Hochglanz bringen. Denk mal so darüber nach. Wenn Besuch zu dir nach Hause kommt, sorgst du dafür, dass die Wohnung einladend, sauber und freundlich aussieht. Du sorgst dafür, dass die Schmutzwäsche im Korb ist, das Geschirr aus der Spüle verschwindet und der Hund gut riecht. Innerhalb der Familie habt ihr vielleicht einen etwas anderen Standard, aber wenn Besuch kommt, lässt du das Schlampige und die Familienmacken weg, das Fußnägelschneiden im Wohnzimmer zum Beispiel. Das macht man einfach nicht.
Genauso lädst du junge Menschen ein, die in vielerlei Hinsicht Besucher deiner Glaubensgemeinschaft sind. (Die schrägen Onkel und den seltsamen Familienkram solltest du vielleicht eine Weile wegpacken. Sonst könnte der Besuch kurz ausfallen.)
Bleib dabei echt, aufrichtig, authentisch.
Weg mit allem, was cheesy ist
Vieles von dem, was Jugendgruppen so machen, fällt unter das, was Jugendliche cheesy nennen würden, also billig, peinlich, einfallslos und unecht. Achte auf den Peinlichkeitsfaktor in eurer Werbung, eurem Treffpunkt, eurer Musikauswahl und dem Ablauf eurer Treffen. Wenn irgendetwas kitschig oder stümperhaft rüberkommt, zögern Jugendliche einzutreten. Natürlich ist das, was für den einen cheesy ist, für den anderen cool, aber die meisten von uns erkennen es, wenn wir es sehen. (Der Mann mittleren Alters mit halb offenem Hemd, behaarter Brust und reichlich Goldketten ist cheesy, auch wenn er sich selbst für cool hält.)
Achte darauf, was in der Jugendkultur passiert, die Bilder, der Grafikstil, die Musik und mehr. Frag deine Jugendlichen, sie wissen normalerweise, was peinlich und was cool ist. Ein paar junge Erwachsene um Hilfe bei Design und Vibe zu bitten ist eine weitere Ressource. Wenn du künstlerisch begabte junge Leute in die Gestaltung von Materialien, Stickern und T-Shirts einbindest, hältst du die Peinlichkeit draußen und schaffst Beteiligung.
Die Ausnahme von der Regel gilt, wenn du bewusst auf Kitsch setzt. Wir haben zum Beispiel eine Discoparty gefeiert, bei der schrill und trashig die Regel war. Es hat funktioniert. Absichtlich cheesy zu sein kann durchaus cool sein.
Weg mit dem Schrägen
Manche Gemeinden tun regelmäßig Dinge, die die meisten Menschen außerhalb der Gemeinde schlicht schräg finden. Und ich rede nicht nur von Gruppen, die bei ihren Gottesdiensten mit Giftschlangen hantieren. Ich rede von Leuten, die es cool finden, wenn alle sich zum Beten an den Händen fassen, oder die tatsächlich Gruppenumarmungen fördern.
Ich habe ja nichts gegen Gruppenumarmungen, zumindest in der Theorie. Aber ich weiß, wenn ich als Neuer in einer Gruppe von Fremden wäre, die wollen, dass ich anfange, Leute zu umarmen, die ich gar nicht richtig kenne, wäre mir das höchst unheimlich. (Es sei denn, die Umarmung käme von jemandem, in den man gerade verknallt ist, dann wäre man im Himmel angekommen.)
Christliche Gruppen tun sich schwer damit, ihre eigene Schrägheit mit den Augen von Außenstehenden zu sehen. Schließlich sind wir so ziemlich die letzten Menschen im Land, die sich treffen, um gemeinsam zu singen. Rechne damit, dass sich das für manche Neulinge etwas unangenehm anfühlt, selbst wenn die Musik richtig gut ist. Wenn die Musik schlecht ist, wird die Situation geradezu furchteinflößend. Dazu benutzen wir ständig Codewörter wie Errettung und Gnade, die in der modernen Kultur kaum vorkommen und noch weniger verstanden werden.
Alle reihum aus einer Bibelstelle vorlesen zu lassen mag für langjährige Insider nicht weiter seltsam wirken. Aber für viele Jugendliche, die noch nie eine Bibel in der Hand hatten, kann genau das eine schräge (und vielleicht sogar erschreckende?) Erfahrung sein, erst recht, wenn sie sich die Zunge an schönen Wörtern wie Sühnung brechen sollen (ein altes Bibelwort, das in vielen neueren Übersetzungen gar nicht mehr auftaucht) oder an klangvollen Bibelnamen wie Maher-Schalal-Hasch-Bas.
Ich verstehe gut den Reflex, an dem festzuhalten, was wir für normale oder sogar notwendige Gemeindepraxis halten, statt es zu verändern, um den Weg in die christliche Gemeinschaft zu ebnen. Aber der bessere Weg ist, sorgfältig auszuwählen, welche Veranstaltungen oder Treffen wir Neulingen zumuten, und sie Schritt für Schritt ins Verständnis des christlichen Glaubens hineinwachsen zu lassen. Das ist weit besser, als sie ins tiefe Wasser zu stoßen, bevor sie schwimmen können. Und damit weiter zum nächsten Gedanken.
Weg mit der Routine
Viele christliche Gruppen haben bequeme Routinen, die für sie so normal sind, dass sie nie darüber nachdenken, wie sich jemand fühlt, der mit den Gepflogenheiten des Glaubens nicht vertraut ist. Ein Beispiel. Oft bittet ein Leiter seine Jugendlichen, eine Bibelstelle aufzuschlagen, und die Gemeindejugendlichen blättern sofort los, weil sie wenigstens wissen, in welche Richtung. Für einen kirchenfernen Jugendlichen dagegen ist die Bibel ein einziges großes Rätsel (was, wenn man darüber nachdenkt, ja auch etwas Gutes sein kann), und sich darin zurechtzufinden ist schwierig und potenziell peinlich. Die Verse auszudrucken oder zu projizieren ist für Neulinge besser. Oder, falls das Blättern in der Bibel wirklich gebraucht wird, kannst du unsere Lösung übernehmen. Wir haben Bibeln für die Treffen gekauft und sie an Jugendliche verschenkt. Wenn wir eine Stelle aufschlagen ließen, haben wir die Seitenzahl gleich mit angesagt.
Manche eurer Routinen müssen vielleicht überdacht oder umgebaut werden, um die neuen Jugendlichen einzubeziehen, die den Hintergrund, die Aufmerksamkeitsspanne oder die Fertigkeiten eurer Stammbesucher nicht mitbringen.
Wie würdest du eine Freizeit gestalten, bei der 60 Prozent der Teilnehmer kirchenferne Jugendliche sind? Müssten manche Routinen verändert oder angepasst werden? Müssten wir unsere christlichen Begriffe besser erklären? Würden wir an unserem geplanten Programm festhalten oder es umbauen, damit es für die passt, die kaum Hintergrund im Glauben mitbringen?
Achte auf den ersten Eindruck
Wie jeder weiß, gibt es für den ersten Eindruck keine zweite Chance. Was, glaubst du, denkt der durchschnittliche Neuling, wenn er in euer Treffen oder eure Veranstaltung stolpert?
Der erste Eindruck der Gesamtsituation beginnt zu prägen, was Jugendliche über dich und deine Gruppe denken werden. Feine Signale senden starke Botschaften. Ist der Raum sauber, aufgeräumt und trotzdem interessant gestaltet? Oder riecht er nach Schimmel und ungeleertem Mülleimer? (Gemeinden sind berüchtigt dafür, die Jugend in den Keller zu stecken.) Fühlt er sich freundlich an, so, dass man gern dort abhängt? Oder ist er steril, vollgestellt und ungefähr so attraktiv wie ein Secondhandladen? (Was ziemlich häufig vorkommt, viele Jugendräume sind mit ausrangierten Sofas und Möbeln vollgestopft.)
Ein großartiges Beispiel für starkes Denken rund um erste Eindrücke und ein einladendes Umfeld ist ein kurzer Blick nach Disneyland. Die Gestalter dieses kalifornischen Freizeitparks erforschen seit Jahrzehnten, wie Menschen ticken. Die durchschnittliche Gemeinde könnte von ihren Erkenntnissen das eine oder andere lernen.
Die Planer von Disney fanden zum Beispiel heraus, dass Menschen ihren Müll im Schnitt nur rund acht Meter mit sich herumtragen und ihn dann ablegen. Irgendwo. Egal wo. Um den Park sauber zu halten, sorgte Disney dafür, dass die Mülleimer höchstens rund acht Meter auseinanderstehen. (Und sie werden regelmäßig geleert.)
Der Park ist so gestaltet, dass die Menschen dorthin gehen, wo Disneyland sie haben will, nicht dorthin, wo sie sonst hingehen würden. Anfangs hatte Disneyland Gehwege mit vielen rechten Winkeln. Man stellte fest, dass die Leute quer durch die Blumenbeete abkürzten, statt den Wegen zu folgen, selbst als kleine Zäune aufgestellt wurden. Also riss man Blumenbeete und Gehwege heraus und richtete alles am natürlichen Bewegungsfluss der Besucher aus. Keine rechten Winkel mehr.
An der Main Street von Disneyland liegen viele Essensstände. Irgendjemand fand heraus, dass der Duft von erwärmter Vanille, aus dem Fenster geblasen, bei den Menschen auf dem Weg zu den Fahrgeschäften etwas auslöst, das ruft, »Hey, bleib stehen und iss was!«
Erste Eindrücke sind in Disneyland ein Riesending, weil man will, dass du dich wohlfühlst und wiederkommst. Ungefähr das, was wir uns für unsere Jugendgruppen auch wünschen.
Steigere euren Freundlichkeitsfaktor
Der erste Eindruck eines Besuchers hängt nicht nur an der Atmosphäre, sondern vor allem daran, wie einladend das Umfeld ist. Das ist oft die härtere Nuss. Das räumliche Umfeld können wir steuern, die Freundlichkeit der Jugendlichen liegt am Ende bei ihnen selbst.
Christliche Gruppen können, wie jede andere Ansammlung von Jugendlichen, voller Cliquen sein, in die man schwer hineinkommt. Vielleicht willst du also erst mit deiner Stammtruppe arbeiten, bevor du eine große Aktion startest, die Neulinge anziehen könnte.
Das ist vielleicht nicht für jede Gruppe das Richtige, aber wir haben etwas mit unseren Jugendlichen ausprobiert, um ihnen zu zeigen, wie wichtig es ist, auf neue Jugendliche zuzugehen. Wir haben mit einem Jugendlichen aus einer anderen Gemeinde zusammengearbeitet, den unsere Leute nicht kannten. Diese Person spielte einen geheimen »Besucher«, so wie Läden manchmal Testkäufer einsetzen, die so tun, als würden sie einkaufen, in Wahrheit aber die Freundlichkeit der Mitarbeiter bewerten. Unser geheimer Besucher hatte die Anweisung, etwas schüchtern zu sein, aber zu reagieren, wenn er angesprochen wird. Wir wollten vor allem herausfinden, wie viele Jugendliche von sich aus auf unseren Freund zugehen würden, damit er sich willkommen fühlt.
Wir legten den Besuch auf denselben Abend wie eine Einheit über freundschaftliche Evangelisation. Am Ende des Treffens deckten wir unseren Plan auf und ließen die Würfel fallen, wie sie wollten.
Es war ein starker und durchaus schmerzhafter Moment für die Jugendlichen in unserer Gruppe. Aber er half ihnen und motivierte sie dazu, sich auf andere Besucher einzustellen, die künftig ihren Weg in die Gruppe finden könnten. (Übrigens haben etliche Gemeinden und Erwachsenenkreise Ähnliches ausprobiert. Der anfängliche Ärger mancher Mitglieder über den Trick weicht dabei fast immer der Einsicht, etwas gelernt zu haben, und der persönlichen Erkenntnis, dass es sie weitergebracht hat.)
Wir haben sogar geheime Besucher mit anderen Jugendgruppen getauscht, deren Leiter von unserem Experiment gehört hatten!
Kenne deine Herde
Besorg dir so bald wie sinnvoll ein paar Hintergrundinfos über eure Besucher. Das gibt dir einen Rahmen, um sie zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten. Nutze einen kurzen Fragebogen. Hier ein Beispielformular:
Name ____________________
Adresse ____________________
Telefon ____________________
Klasse, Schule ____________________
E-Mail ____________________
Wohnst du: ☐ bei beiden Eltern · ☐ bei einem Elternteil · ☐ abwechselnd bei beiden Eltern · ☐ bei einem anderen Familienmitglied
Wer sind zwei oder drei deiner besten Freunde in dieser Gemeinde? ____________________
Was sind ein oder zwei Dinge, die du als Sport, Hobby oder Zeitvertreib am liebsten machst? ____________________
Nenn ein paar Bands oder Musik, die du gern hörst: ____________________
Nenn einen oder zwei deiner Lieblingsfilme: ____________________
Was sind deine Lieblingsfächer und Hassfächer in der Schule? ____________________
Was ist dein liebstes Videospiel, deine liebste Realityshow, dein liebster Cartoon oder dein liebstes Müsli? (Such dir was aus!) ____________________
Auffahrten, die anziehen
Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Wegen, mit säkularen Jugendlichen in Kontakt zu kommen. Ich nenne diese Ideen Auffahrten, weil sie Jugendliche genauso sanft in unsere Glaubensgemeinschaften hineinführen sollen, wie eine Auffahrt dein Auto auf die Autobahn bringt. Manchmal sind Auffahrten erstaunlich simpel, leicht, billig und wirksam.
Denk an Spiele, die Jungs (und Mädchen) lieben werden
Bevor Sicherheitsapostel dem ein Ende setzten, quoll jeder Spielzeugladen über vor Dartpistolen. Nicht die schwachen, stummeligen Schaumstoffpfeile von heute, sondern die altmodische Sorte, Saugnapf auf steifem Plastikstab, verschossen aus einer Pistole mit Federmechanik.
Diese Pfeile flogen richtig ab und hatten ordentlich Wumms. Sie waren billig. Eine Pistole und sechs Pfeile. Ich kaufte ungefähr fünfzig davon, und ein neues Spiel war geboren. Dart Wars.
Wir spielten nachts, meistens nach 21 Uhr. Wir spielten im Gemeindehaus, alle Türen aufgekeilt und alle Räume abgeschlossen, in denen nicht gespielt werden durfte (das Büro des Pastors zum Beispiel). Wir spielten im Dunkeln. Während des Spiels war kein Licht erlaubt. Ein Team versteckte sich. Das andere Team startete aus dem einzigen Raum mit Licht und zog los, um es zu finden, lautlos durch die dunklen Räume schleichend. (Falls du so ein Spiel spielst, lass die Jugendlichen Schutzbrillen tragen, um die Haftungsfrage eurer Gemeinde zu entschärfen.)
Wer getroffen wurde, musste es ansagen, den Kampf abbrechen und zurück in die Leichenhalle (den Raum mit Licht), um dort Limo zu schlürfen, bis das eigene Team komplett das Zeitliche gesegnet hatte oder siegreich war. Währenddessen krabbelten die Überlebenden im Dunkeln herum, lauschten auf Atemgeräusche und tasteten den Boden nach verschossenen Pfeilen ab, um ihr Arsenal aufzustocken.
Dart Wars war simpel, albern, leicht und absolut, unfassbar beliebt.
Neue Jugendliche strömten in Scharen herbei, und ich stellte fest, dass das Sitzen in der Leichenhalle im Gespräch mit den »Gefallenen« eine großartige Möglichkeit war, neue Jugendliche kennenzulernen. Wir spielten Dart Wars an jedem Wochenendabend und an vielen Wochentagen dazu. (Ich erinnere mich, wie ich im Gottesdienst saß und einen knallorangen Pfeil entdeckte, der vom Aufräumen des Vorabends übrig geblieben war und über der Kanzel an der Wand klebte.)
In genau diesem Moment gibt es Männer und Frauen, die, wenn man sie nach der Geschichte ihrer Bekehrung fragt, so anfangen werden, »Also, da war diese Gemeinde, die im Dunkeln ein Spiel mit Dartpistolen gespielt hat …«
Leider finde ich diese Sorte Pfeile nirgendwo mehr. Ich verrate dir meinen ehrlichen Gedanken, jedes Mal, wenn ich dieses Produkt nicht auftreiben kann. Verflucht seiet ihr, Sicherheitsapostel!
Wie dieses Beispiel zeigt, brauchst du keinen Haufen Geld oder Unmengen an Zeit und Energie, um etwas auf die Beine zu stellen, das säkulare Jugendliche wirklich packt und deine Stammtruppe gleich mit begeistert. Der Schlüssel ist, eine Aktion oder ein Umfeld zu schaffen, bei dem Jugendliche zu uns kommen wollen. Wenn Jugendliche freiwillig, ja geradezu ungeduldig auf unser Terrain kommen, bestimmen wir die Regeln und setzen die Erwartungen.
So lahm, dass es cool ist
Ich halte ständig Ausschau nach Ideen, die bei Jugendlichen funktionieren. Wie schon gesagt, nicht alles muss glatt, hip und auf dem neuesten Stand sein, um anzuziehen. Manches darf so albern sein, dass es zu attraktivem Spaß wird.
Beim Bummel durch die Gänge eines großen Supermarkts fiel mir zum Beispiel eine riesige Sammlung alberner aufblasbarer Poolspielzeuge auf, Wale, Haie, Schildkröten und einiges mehr. Das alberne Zeug brachte mich auf die Idee einer Planschtier-Invasion an unserem örtlichen Strand. Ziel der Übung ist, mit nichts Coolem wie Surfboards oder Bodyboards in die Wellen zu gehen, sondern ausschließlich mit albernem Poolspielzeug. Die Planschtier-Invasion ist zu einer unserer lustigsten jährlichen Aktionen mit Jugendlichen geworden. Sie rücken mit Luftmatratzen, Poolspielzeug und Schwimmringen an und verstopfen den Strand.
Ich habe erlebt, wie ähnlich lahme Dinge zu großartigen Zugpferden umgebaut wurden. Während ich das hier schreibe, ist bei unseren älteren Jugendlichen zum Beispiel Völkerball der letzte Schrei. Wir haben eine Völkerballliga, offizielle T-Shirts, offizielle Schiedsrichter und einen riesigen Andrang an jedem Völkerballabend. Das hat eine kleine Umrüstung unseres Spielraums nötig gemacht. Vor den Fenstern wurden Stahlläden angebracht.
Die Völkerballliga ist durchgestartet, und am Ende jeder Saison wird die Botschaft des Evangeliums von einem der Spieler oder Teamleiter weitergegeben.
Echten Gegenwert fürs Geld bekommen
Ein Wort der Warnung. Gruppen investieren oft viel Energie und Geld in Kontaktaktionen, die in Wahrheit sehr wenig zurückbringen. (Zurückbringen heißt hier, Wirkung und Verbindung zu Ungläubigen.)
Ein Konzert mit großen Namen zum Beispiel kostet eine Menge Geld, wenn Gagen, Werbung, Reisekosten, Hotels und Verpflegung zusammenkommen. Das Konzert mag eine ansehnliche Gruppe Jugendlicher anziehen, aber außer einem netten Erlebnis und vielleicht ein paar coolen Worten über Jesus ist es viel Arbeit und Geld für ein ziemlich kleines Endergebnis. (Und das setzt schon voraus, dass das Konzert gut besucht ist.)
Das soll niemanden vom Veranstalten von Konzerten abhalten, aber wir müssen Wege finden, mehr aus solchen Events herauszuholen, etwa indem wir Namen und Adressen sammeln (Lose, die Jugendliche ausfüllen, sind eine Idee) oder direkt im Anschluss an das Konzert eine kommende Aktion bewerben. Wenn wir ein Konzert veranstalten, fragen wir außerdem oft, ob eine unserer lokalen Bands mit ein paar Songs eröffnen darf, was unsere kleinen Bands sich wie große Nummern fühlen lässt.
Wir haben festgestellt, dass es manchmal in unserem Interesse klüger ist, Jugendliche einzusammeln und zum Konzert eines großen Namens mitzunehmen, statt selbst eines auszurichten.
Außerdem holen wir oft weniger bekannte Bands für Konzerte, weil das wirtschaftliche Risiko viel kleiner ist und viele Jugendliche die Vorstellung mögen, ganz vorn dabei zu sein, wenn eine aufstrebende Band bekannt wird. (Ungefähr so, als könnte man sagen, »Klar, ich hab mit Coldplay abgehangen, als sie noch in den kleinen Clubs gespielt haben.«)
Dieselbe Vorsicht gilt für Aktionen wie Snowboardfreizeiten, Hausbootwochenenden und Ähnliches. Manche dieser Aktionen sind zwar beliebt und für Außenstehende attraktiv, brauchen aber eine kräftige Portion Realismus in der Frage, was sich damit erreichen lässt.
Bei einer Snowboardfreizeit zum Beispiel verstreuen sich die Jugendlichen den ganzen Tag in kleinen Grüppchen und kommen abends müde und ausgebrannt zurück. Sie sitzen vielleicht noch einen Abendimpuls oder ein Gespräch ab, aber die Hälfte wird dabei vermutlich wegnicken. Jeder Versuch, die Zeit auf der Piste zu beschneiden, um ein Treffen einzuschieben, wird mit stiller Verachtung und einer Haltung von schnell durchziehen und fertig quittiert. Nicht gerade eine Atmosphäre, in der Seelen aufblühen.
Dazu kommt, dass diese Art von Aktionen sehr teuer ist.
Noch einmal, ich sage nicht, dass Freizeiten mit Snowboard oder Ski nicht stattfinden sollten. Aber ich behaupte, dass es unzählige andere Möglichkeiten gibt, die leichter, billiger und mit besseren Ergebnissen machbar sind. Eine große, glänzende Kontaktaktion kann weniger wirksam sein als ein kleineres, besser durchdachtes Vorhaben.
Freizeiten
Fast alle Jugendlichen lieben es, von zu Hause wegzukommen, und eine Freizeit (im Freizeitheim oder unter einfachen Bedingungen) ist attraktiv und birgt großes Potenzial für persönliche und geistliche Verbindungen.
In manchen Gegenden gibt es professionell geführte Freizeitzentren, bei denen der Jugendleiter nur mit seiner Gruppe und den Mitarbeitern anreisen muss. Anderswo gibt es vielleicht ein Freizeithaus, das man mieten muss und zu dem man eigene Köche und Programmleute samt Mitarbeitern mitbringt. Die zweite Sorte macht natürlich deutlich mehr Arbeit, lässt sich aber auch viel leichter nach den eigenen Vorstellungen gestalten.
Was eine Freizeit so voller Möglichkeiten macht, ist, dass sie in der Regel bewusst darauf angelegt ist, für mehrere Tage ein geistliches Umfeld zu schaffen. Persönliche Beziehungen entstehen, zwischen Jugendlichen untereinander und zwischen Jugendlichen und erwachsenen Mitarbeitern. Die ganze Woche bietet Abstand von den üblichen Tagesroutinen, und die Glaubensimpulse bei den Treffen sind fast immer ermutigend.
Eine bemerkenswerte Zahl von Jugendlichen trifft während einer Freizeit eine Entscheidung für Jesus.
Wenn du dich mit guten christlichen Freizeithäusern in deiner Gegend nicht auskennst, sprich mit anderen Jugendleitern oder recherchiere die christlichen Freizeithäuser und Gästehäuser in eurer Region. Für Ideen zu Themen und Spielen und dazu, wie man eine eigene Freizeit aufbaut und klug durchführt, lohnt ein Blick auf thepulse.org oder in die Materialien einschlägiger Verlage und Anbieter für christliche Jugendarbeit.
Die Zeit der Entscheidung
Billy Graham war bekannt dafür, alle, die Gläubige werden wollten, einzuladen, ihre Plätze zu verlassen (»die Busse warten«) und nach vorn an den Fuß der Bühne zu kommen.
Was viele über seine Veranstaltungen nicht wissen. In der Regel bestand die erste Gruppe, die ihre Plätze verließ, aus den vorab eingeteilten Seelsorgern, die sich auf den Weg nach vorn machten, um dort mit möglichen Neubekehrten zu sprechen (und um die Zaghaften zu ermutigen, die dadurch andere die Stufen hinuntergehen sahen). Für viele sind deshalb das Nachvornekommen beim Aufruf oder das Handheben als Zeichen der Glaubensbereitschaft zu den zwei wichtigsten Formen geworden, in denen eine Entscheidung für Jesus getroffen werden muss.
Aber das sind nur Methoden und ganz sicher keine biblischen Vorgaben. Methoden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte oder bei einer bestimmten Gruppe gut funktioniert haben, funktionieren nicht zwangsläufig zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort.
Du musst die Kernbotschaft von Hoffnung und Vergebung durch das Opfer von Jesus am Kreuz klar weitergeben, aber es gibt zahlreiche Wege, jungen Menschen zu einem Punkt der Entscheidung für die gute Nachricht zu verhelfen. Am wirksamsten scheint zu sein, ihnen Zeit zu geben, still mit Gott allein zu sein, ohne Gleichaltrige, ohne Druck von einem Redner, und doch begleitet, falls sie bei ihrer anstehenden Entscheidung Hilfe brauchen. Fünf Minuten allein und in Stille auf einem dunklen, offenen Feld zu stehen kann Wunder im Herzen eines jungen Menschen wirken, der an der Schwelle dieser Entscheidung steht.
Die Zeit der Entscheidung ist kein Verkaufsabschluss. Es geht nicht um Trophäen oder darum, Buch zu führen über Seelen, die in den Eimer der Ewigkeit plumpsen. Es geht darum, Jugendlichen (und überhaupt jedem Menschen) die Würde zu lassen, Gottes Ruf zu hören und sich ganz und gar selbst entscheiden zu können.
Diese Gelegenheit sorgfältig zu gestalten ist entscheidend.
Du wirst vielleicht feststellen, dass die meisten Entscheidungen für die Nachfolge von Jesus nicht das Ergebnis einer organisierten Kontaktaktion sind, sondern ein stilles Glaubensbekenntnis, das jeder Jugendliche einzeln und für sich ablegt. Es gibt keine Zauberformel, wie man einen Suchenden zum Glauben führt. Aber es schadet auch nichts, Jugendlichen Klarheit zu geben, die darüber nachdenken, ihr Vertrauen auf Jesus zu setzen. Erkläre deutlich, was Christsein bedeutet, und wenn du die Gelegenheit bekommst, mit einem jungen Menschen zu beten, während er Gott tiefer sucht und eine Entscheidung erwägt, dann betrachte es als Geschenk.

Kapitel 10: Ideen für die Kontaktarbeit
Die meisten dieser Ideen sind Auffahrten, die Jugendliche zu dir und deiner Gemeinde ziehen.
Spieleabende
Spieleabende sind fünfundvierzig Minuten Chaos, gekrönt von einer kurzen, aber einladenden Botschaft. Damit ein Spieleabend richtig funktioniert, brauchst du
- Platz zum Herumrennen, eine Turnhalle oder einen großen leeren Raum
- ein paar richtig coole Spiele (natürlich)
- Requisiten und Preise (billige Tüten mit Süßigkeiten, um das Siegerteam damit zu überschütten)
- ein Mikrofon oder irgendeine Lautsprecheranlage für die Ansagen
- Mitarbeiter, am besten eingewiesen für Aufbau, Abbau, Aufräumen und Spielehilfe
- Transport (höchstwahrscheinlich hin und zurück)
- einen Mitnehmtisch voller kostenloser Bibeln, Infomaterial und allem, was du den Jugendlichen für geistliches Wachstum oder zum Nachdenken in die Hände geben kannst
- wie bei fast allen Aktionen einen Weg, an die Kontaktdaten der Besucher zu kommen, für Post, Telefon oder Nachrichten
Die Schlüssel zu einem richtig guten Spieleabend
Das waren die praktischen Dinge. Hier kommen die Schlüssel, damit diese Abende wirklich rocken.
- Nutze Spiele, bei denen alle mitspielen können. Auftritte und Sketche sind ab und zu in Ordnung, aber Jugendliche schalten ab, wenn sie nicht selbst spielen.
- Sorge für klare, leicht verständliche Regeln. Je komplizierter das Spiel, desto wahrscheinlicher geht es schief. Markiere alle Spielfeldgrenzen deutlich mit Klebeband, Lichtern oder was immer nötig ist. Markiere auch die Teams. Markierungsband oder farbiges Gewebeband sind großartige Hilfen, damit jeder sieht, wer Mitspieler und wer Gegner ist. Nutze eine Pfeife für Start und Stopp. Und stelle klar, dass Mitspielen Pflicht ist, sonst sitzt am Ende die Hälfte am Rand, kaut Kaugummi oder tippt am Handy.
- Halte deine Requisiten startklar. Nichts bremst einen Spieleabend mehr, als wenn alle warten müssen, bis Requisiten gebastelt oder aufgebaut sind.
- Mach den Wettbewerb fair. Stell deine Jugendlichen zum Beispiel der Größe nach auf (erst Jungs, dann Mädchen) und wähle die Teams die Reihe entlang. Ziel ist eine gleichmäßige Mischung aus großen und kleinen Jugendlichen in jedem Team, sonst fegen die Großen die Kleinen weg.
- Wie besprochen, richte deine Spiele auf die Jungs aus, schnell, aktiv und körperlich. Und denk daran, zwischen elf und vierzehn können Mädchen genauso austeilen, wie sie einstecken, mach dir um die Mädchen also nicht zu viele Sorgen.
- Denk dir Mottoabende aus, das macht die Sache noch lustiger. Wackelpuddingabend, Schwarzlichtabend, Klopapierabend und vieles mehr, was deine Kreativität hergibt.
- Halte das Tempo hoch. Jugendliche sind viel schwerer wieder einzusammeln, wenn zwischen den Spielen viel Leerlauf herrscht. Lass Mitarbeiter am Auf- oder Abbau des nächsten Spiels arbeiten, während du die Anleitung fürs nächste Spiel gibst.
- Mach Fotos oder Videos vom Geschehen und zeig sie zu Beginn des nächsten Spieleabends.
- Bau eine Musikanlage auf und lass während der Spiele Musik laufen. Lass das Ganze wie eine Fernsehproduktion wirken.
- Halte einen Verbandskasten bereit, dazu reichlich Putzzeug. Du wirst beides vermutlich brauchen.
- Halte deine Botschaft kurz und knackig. Nach den Spielen sind die Jugendlichen meist verschwitzt, aufgeheizt und aufgedreht. Bei einem Spieleabend hat sich noch nie jemand beschwert, dass die Botschaft zu kurz war.
Nerfschlachten
Nerf-Blaster verschießen weiche Schaumstoffkugeln oder -pfeile und sind damit die harmlose Verwandtschaft jeder Spielzeugpistole. Ein Gemeindegelände ist ein großartiger Ort für eine Nerfschlacht, es gibt reichlich Räume und Dinge, hinter denen man sich verstecken kann. Der Nachteil so einer Nerfaktion ist der Rückstand an Kugeln (oder Pfeilen), die überall verstreut landen und mit Vorliebe unter Schränke und hinter Heizkörper wandern. (Plane die Aufräumzeit großzügig ein.)
Schutzbrillen sind auch bei Nerf eine gute Idee, eine Kugel ins Auge zu bekommen, ist zwar nicht gefährlich, aber unangenehm. Vielleicht willst du die Blaster selbst stellen, um das Spielfeld fair zu halten, manche Jugendliche rücken sonst mit ernsthaft schwerem Gerät an, motorisierte Trommelmagazine inklusive.
Besonders Jungs strömen zu Nerfschlachten und vergleichen hinterher stolz, wen sie alles erwischt haben.
Es versteht sich von selbst, dass während einer Nerfschlacht keine anderen Veranstaltungen auf dem Gelände laufen sollten! Übrigens funktioniert diese Aktion mit jüngeren wie mit älteren Jugendlichen gleichermaßen gut.
Fahrübungen
Vorweg der Warnhinweis. Für diese Idee brauchst du die Erlaubnis der Eltern und einen Ort, an dem das Üben legal und sicher möglich ist. In Deutschland heißt das, ein Verkehrsübungsplatz oder ein umfriedetes Privatgelände, das nicht öffentlich zugänglich ist. Und du solltest ein geduldiger Typ sein, denn einige Jugendliche werden dich hinter dem Steuer deines Autos ernsthaft auf die Probe stellen.
Manchmal werden die einfachsten Ideen zugunsten der glamourösen übersehen.
Ein leichter Weg, neue Jugendliche kennenzulernen und Freundschaften zu schließen, ist, Fahrübungen anzubieten, besonders das Einparken (mit Pylonen, nicht mit echten Autos) und den Umgang mit der Kupplung.
Die meisten von uns fahren so lange Auto, dass wir den Nervenkitzel vergessen haben, die ersten Male hinter dem Steuer zu sitzen, und die Angst, durch die Fahrprüfung zu fallen. Oder die Angst, sich zu blamieren, weil man mit dem Schaltwagen ruckelnd die Straße entlanghoppelt, ohne die geringste Ahnung, wie man das Ding fährt.
Du kannst für eine kleine Truppe Jugendlicher zum Helden werden, indem du dein Fahrzeug ihren Fahrambitionen opferst. Ach ja, und sei bereit, etwas früher als geplant eine neue Kupplung einbauen zu lassen.
Filme drehen
Jeder Jugendliche sieht sich gern selbst auf der Leinwand, besonders wenn er dabei etwas draufhat. Genau das kannst du dir zunutze machen. Filme bei eurer nächsten Aktion oder Freizeit die Jugendlichen, während sie richtig in Fahrt sind. (Oder du suchst jemanden, der mit Kamera und Schnittprogramm umgehen kann, und führst selbst Regie.)
Wenn ihr zum Beispiel einen Ausflug zur Skateanlage macht und du filmst, wie die jungen Wilden über die Rampen fliegen, stürzen und wirbeln, hast du einen mühelosen Übergang, um alle einzuladen, sich die geschnittene Fassung des Films auf großer Leinwand zu einem späteren Zeitpunkt in der Gemeinde anzusehen. (Komplett mit Popcorn, Spezi und guter Musik.) Kaum jemand lässt sich die Chance entgehen, sich selbst in Aktion zu sehen, erst recht, wenn beim Skaten sein Name eingeblendet wird.
Ich weiß, wie gut das funktioniert. Genau das hat mich damals in die Jugendgruppe gebracht, nach einem Surfausflug, bei dem meine geschmeidigen Moves gefilmt worden waren. Mann, ich war von meinem Surfen so überzeugt, dass ich gleich noch ein paar Freunde mitbrachte, damit sie meinen großen Auftritt bezeugen konnten. (Den der Jugendleiter klugerweise erst nach einem kurzen biblischen Impuls zeigte.)
Wenn du das Filmen als Mittel der Kontaktarbeit noch weiter ausreizen willst, versuch dich an einer eigenen Filmparodie. Nimm eine bekannte Geschichte, die sich leicht kostümieren lässt. Robin Hood, Zorro, Western, Horror, Piraten, Herr der Ringe, Star Trek, Star Wars und vieles mehr. Solche Geschichten bieten Platz für viele Jugendliche in Haupt- und Nebenrollen. Schreib ein Drehbuch ohne Dialoge für einen Film von fünfzehn bis zwanzig Minuten. (Ich empfehle eine Erzählstimme aus dem Off, denn Jugendliche ihre Zeilen sprechen zu lassen ist schwierig und kostet viel Zeit.) Mach deine Geschichte albern, überdreht und schräg, mit viel Slapstick zum Ansehen. Halte die Spezialeffekte klein. Wenn ihr an einem passenden Ort dreht, könnt ihr den Film sogar auf einer Freizeit drehen.
Wir haben einen Horrorfilm gedreht, in dem Zombies, der Wolfsmensch, Dracula, Frankensteins Monster und Mr. Hyde auftraten, alle im selben Streifen.
Mit Unterstützung von Leuten, die beim Filmen und Schneiden fit sind, entsteht ein Blockbuster, der beim Drehen jede Menge Spaß macht.
Und das Drehen ist nur die Hälfte des Spaßes. Die Premierennacht ist noch besser, erst recht, wenn du einen roten Teppich auslegst, eine Limousine mietest (lass sie im Kreis fahren und bei jeder Runde neue »Stars« einsammeln), Oscars bastelst und Hollywood auf jede erdenkliche Weise auf die Schippe nimmst. Natürlich kommen Eltern und Freunde in Scharen. Mit etwas Glück decken Eintritt und Popcornverkauf einen Teil der Filmkosten. (Unser letzter Film hat wegen Requisiten, Kostümen und anderem Schnickschnack 2.000 Euro gekostet, aber das Ergebnis war die Ausgabe wert!)
Das ist nicht nur eine Spaßaktion. Das Potenzial dieses Projekts, dir Türen zu öffnen, etwa in die Schulen, ist riesig. Jugendliche, die bereit sind, ihre Lehrer anzusprechen, stellen oft fest, dass die Lehrer nur zu gern den Regisseur (also dich) in die Klasse holen, um den Film zu zeigen und darüber zu sprechen, wie er entstanden ist. Das ist die perfekte Gelegenheit, nicht nur den Film zu erklären, sondern auch die anderen coolen Dinge, die ihr für Jugendliche auf die Beine stellt, die Spaß haben wollen.
Wir haben erlebt, dass sich die Teilnehmerzahl unseres Treffens unter der Woche praktisch jedes Mal verdoppelt hat, wenn wir mit einem neuen Film an die Schule gegangen sind, keine Übertreibung.
Jugendliche sind immer auf der Suche nach etwas Neuem und Kreativem. Und ihre Mitschüler behandelten alle, die im Film mitspielten, wie Stars, zumindest für einen Tag.
Schülerbibelkreise
Viele Schulen erlauben Schülern, sich vor oder nach dem Unterricht zu einem Schülerbibelkreis zu treffen. Meistens sind solche Kreise allerdings kaum mehr als ein frommes Grüppchen mit wenig Ausstrahlung auf die Schule als Ganzes. Nicht dass es schlecht wäre, wenn Christen sich treffen, aber ohne Unterstützung kommen viele Jugendliche gar nicht erst auf den Gedanken, den Kreis auch evangelistisch zu nutzen. Mit motivierten Schülern in der Leitung, etwas Kreativität und Unterstützung von Erwachsenen hat ein Schülerbibelkreis aber oft das Potenzial, unter Mitschülern richtig etwas zu bewegen.
Hier ist einiges, was ich Schülerbibelkreise habe tun sehen.
- Kostenlose Umschläge zum Einbinden der Schulbücher gestalten und verteilen, die nicht nur gut aussehen, sondern passende Bibelverse enthalten, gewissermaßen ein attraktiver Denkanstoß, der ganz nebenbei die Bücher schützt. (Da sie von Schülern eines offiziellen Schulkreises verteilt werden, werden wenige Schulen das beanstanden, und so mancher Schüler wird in einer langweiligen Stunde über den Worten brüten.)
- Eine Halbjahresfeier organisieren. So ein Abend kann fabelhaft werden, eurer Gemeinde die richtige Art von Aufmerksamkeit bringen und zu den Aktionen eures ganzen Jahres gehören, die euch am meisten ermutigen.
- Den Lehrern mit einem besonderen Mittagessen Danke sagen.
- Eine Seite im Jahrbuch oder in der Abschlusszeitung gestalten, ansprechend designt, mit einer Einladung zum Schülerbibelkreis oder in eure Gemeinde.
- Eine christliche Band in der Mittagspause auf dem Schulgelände spielen lassen, mit Einladung zum Konzert am Abend.
- An einem kalten Morgen heißen Kakao und Donuts an die Schüler verteilen, wenn sie aus dem Bus steigen, oder direkt an den Haltestellen.
Ein wenig kreatives Denken bringt Schüler oft auf eigene Ideen, die bei ihren Mitschülern etwas bewegen, mit möglicherweise ewigen Folgen. Und ja, manche der Ideen unserer Schüler haben Geld gekostet, und genau da ist die Ortsgemeinde eingesprungen und hat dem Schülerbibelkreis eine Spende zukommen lassen.
Lasst es rocken
Jugendliche lieben Rockmusik. Für viele gibt es kaum etwas Aufregenderes, als hinter einem Schlagzeug Platz zu nehmen oder sich eine schlanke E-Gitarre umzuhängen.
Aber für Jugendliche, die eine kleine Band aufbauen wollen, gibt es oft vor allem eines, jede Menge Frust. Sie müssen normalerweise zu Hause proben, und da beschweren sich die Nachbarn, und die Eltern rufen, »Macht leiser!« Manche jungen Nachwuchsmusiker haben zwar etwas Ausrüstung, aber die wenigsten besitzen eine Anlage oder auch nur ordentliche Verstärker. Und selbst wenn sie eine Band zusammenbekommen, sind die Gelegenheiten zum Auftreten meist dünn gesät.
Die jungen Bands in eurer Gegend könnten einen neuen besten Freund haben, eure Gemeinde.
Viele Gemeinden haben ausreichend große Räume, in denen Bands proben können, und oft gibt es etliche Abende oder Nachmittage, an denen die Räume leer stehen. Dazu haben Gemeinden oft großartige Tonanlagen, und viele besitzen ein ganzes Arsenal an Verstärkern, Schlagzeugen und anderen musikalischen Schätzen.
Ein weiterer Pluspunkt. Wenn eine Band aus Jugendlichen der Jugendgruppe besteht, wird die Gemeinde sie vermutlich unterstützen und zu einer Art Fanbasis werden. Zeigen die Musiker Können, werden sie sehr wahrscheinlich in eine Lobpreisband eingezogen oder bekommen einen Auftritt im großen Gottesdienst wie auch in der Jugendgruppe.
Natürlich braucht es ein bisschen politisches Geschick, um die Genehmigung zu bekommen, headbangende Jugendliche von außen hereinzuholen, die ihre Texte in wertvolles Gemeindeequipment schreien, dazu eine aufmerksame Begleitung dieser Jugendlichen und Unterstützung von Tonleuten und anderen Musikern. Aber Musik, Räume und Technik der Gemeinde zu nutzen, um mit Jugendlichen von außen in Kontakt zu kommen, ist ein starkes Werkzeug der Kontaktarbeit.
Wir sind noch einen Schritt weiter gegangen und haben ein Wochenendevent geschaffen, das die musikalischen Fähigkeiten von Jugendlichen innerhalb und außerhalb der Gemeinde schärfen soll. Es dreht sich speziell um Rockmusik. Mit professionellen Rockmusikern (wir holen ein paar Bands dazu) und lokalen Talenten bieten wir Seminare und Workshops zu praktisch jedem Aspekt des Rock 'n' Roll an, vom besseren Spiel an Schlagzeug, Bass oder Gitarre über Tontechnik, Recording und Songwriting bis hin zur Lobpreisleitung.
Für Materialien rund um Musik und Medien in der Jugendarbeit lohnt sich der Blick auf thepulse.org.
Halloween
Wenn eure Gemeinde die Offenheit mitbringt, für eine kurze Saison Kürbisfratzen, allerlei Monster und Gespenster hereinzulassen, könnte sich das Fest am Ende des Oktobers als eine der besseren Gelegenheiten erweisen, Jugendliche anzuziehen, die einen Ort für zwei simple Dinge suchen, Spaß haben und sich albern verkleiden.
Wir haben großartige Ergebnisse erzielt mit allem von Gruselthemen (natürlich mit Augenzwinkern) bis zu reichlich schwarzoranger Deko und dabei unter anderem Folgendes umgesetzt.
- Schnitzeljagden oder Schatzsuchen. Teams bekommen eine Liste mit Aufgaben und ein Zeitlimit. Auf der Liste stehen lustige, aber »gruselige« Dinge wie eine lebende Spinne, eine Nacktschnecke, ein falscher Fingernagel, Hundehaare und mehr, alles dringend benötigte Zutaten für den Hexenkessel.
- Kostümpartys. Ermutige Kreativität und Fantasie mit Preisen. Keine Sorge, du darfst schäbige Kostüme ausschließen. Führe die Kostümbewertung durch, bevor Spiele oder Partyprogramm starten. Mach viele Fotos und stell sie später online.
- Schwarzlichtspaß. Besorg dir jede Menge Leuchtketten und Leuchtspielzeug und spielt alle möglichen Spiele im Dunkeln.
- Gruselfilmnacht. Sei hier besonders klug und recherchiere gründlich, bevor du wählst, manche Horrorfilme für Jugendliche sind voller Schund. Such einen Klassiker, der gruselig ist, aber ohne Blut und Gedärme auskommt. Frag deine Jugendlichen, viele wissen genau, was passt. Wenn die Eltern es erlauben, starte den Film um Mitternacht.
Jugendliche nach Hause fahren
»Wann bist du heute Abend zu Hause?«, fragte meine Frau.
»Weiß nicht«, sagte ich. »Ich fahre nach dem Treffen noch ein paar von den Jugendlichen nach Hause.«
»Hast du dafür keine Mitarbeiter?«, fragte sie.
»Doch, aber erinnerst du dich an den Jungen, mit dem ich letzte Woche dieses schwere Gespräch hatte, weil ihn der plötzliche Tod seiner Oma so mitgenommen hat?«
»Ich erinnere mich«, sagte sie mit einem Lächeln. »Ich warte auf dich.«
»Mit offenen oder geschlossenen Augen?«, fragte ich.
Willkommen in meinem Leben.
Alles, was jetzt folgt, sollte durch folgenden Filter gesehen und verstanden werden. Männliche Jugendmitarbeiter fahren die Jungs nach Hause, die Frauen die Mädchen. Der Punkt ist, du willst nachts nicht allein mit einem Jugendlichen des anderen Geschlechts im Auto sitzen. Aber ehrlich gesagt solltest du noch weiter auf der sicheren Seite bleiben. Sorge dafür, dass zwei Mitarbeiter im Auto sitzen, oder, wenn du allein fährst, dass du die letzten beiden Jugendlichen gemeinsam an der letzten Adresse absetzt. Der Punkt ist, vermeide die Situation, ein Erwachsener und ein einzelner Jugendlicher (selbst gleichen Geschlechts) allein in einem Auto.
Auf den ersten Blick wirkt die Aufgabe, Jugendliche nach einem Treffen oder einer Aktion nach Hause zu fahren, kaum wie eine Gelegenheit für Kontaktarbeit. Aber nach vielen Jahrzehnten in der Jugendarbeit muss ich sagen, die Gespräche, die entstehen, während ich Jugendliche nach Hause fahre, sind oft aufschlussreicher, tiefer und geistlich aufgeladener als die meisten Gespräche des Bibelkreises am selben Abend.
Das Problem ist, diese Art von Gesprächen ist heikel. Man kann sie nicht inszenieren, nicht planen, nicht einmal vorhersehen, und meistens dauern sie nur wenige Minuten, bis irgendein Clown die Stimmung schrottet.
Aber solange sie dauern, sind sie Gold wert.
Wenn diese Gelegenheiten so flüchtig sind, warum erwähne ich sie dann überhaupt? Weil ich sichergehen will, dass du die Gelegenheit auf dem Schirm hast und dann schaust, wie du die Karten zu deinen Gunsten mischst, damit ein großartiges Gespräch entstehen kann.
Was meine ich mit Karten mischen? Sorge dafür, dass du die Jugendlichen, mit denen du reden willst, zuletzt nach Hause fährst. (Dafür musst du vielleicht eine kreative Route wählen.) Du mischst die Karten auch, indem du gut darin wirst, Fragen zu stellen, die persönlich sind, aber nicht so persönlich, dass sie erschrecken, aufdringlich wirken oder gar als Grenzüberschreitung verstanden werden könnten.
Nach Eltern und Geschwistern zu fragen ist zum Beispiel in Ordnung. Hobbys, Sport, Lieblingsspiele oder Filme sind ebenfalls sicheres Terrain. Achte auf die Ritzen, in denen du etwas tiefer nachfragen kannst. »Du hast erzählt, deine Eltern sind geschieden. Bei wem wohnst du?« … »Siehst du deinen Papa (oder deine Mama) oft?« … »Wie geht es dir damit?« Liegt die Scheidung lange zurück oder gab es nie eine Ehe, empfindet der Jugendliche seine Situation wahrscheinlich als normal, er kennt es ja nicht anders. Ist die Scheidung frisch oder läuft sie gerade, kannst du sicher sein, dass du ein verletztes Herz an Bord hast, das nur darauf wartet, seine Gedanken und Gefühle bei jemandem loszuwerden, dem es nicht egal ist.
Eine Heimfahrt ist die Gelegenheit, kleine interessante Geschichten über dich selbst zu erzählen, die Jugendliche eine engere Verbindung spüren lassen und sehr wahrscheinlich ein tieferes Gespräch entzünden. »Ja, mit zwölf wurde ich von einer Klapperschlange gebissen und wäre fast gestorben!« ist ein Beispiel für einen Gesprächsöffner, der das ganze Auto zum Reden bringt. Jedes Abenteuer, jeder Unfall, jede harte Zeit und jedes Missgeschick, das wir aus unserem Leben ausgraben können, hilft, Herzen und Münder zu öffnen. Und dazu gehört auch die perfekte Gelegenheit, die Geschichte zu erzählen, wie wir selbst zum Glauben an Jesus gefunden haben.
Behalte im Kopf, dass diese Gelegenheiten Vorboten weiterer Gespräche sein können, in denen die Jugendlichen dann von sich aus mit Glaubensfragen ankommen. Es gab viele Momente, in denen ich rechts rangefahren bin, um ein intensives Gespräch weiterlaufen zu lassen, statt es dadurch abzuwürgen, dass wir vor der Haustür ankommen, bevor wir fertig sind.
Das Potenzial für großartige Gespräche ist einer der Gründe, warum ich nach jedem Treffen und jeder Aktion selbst Jugendliche nach Hause fahre. Ja, ich könnte das Fahren an Ehrenamtliche abgeben, aber ich setze die lieber dafür ein, die Räume abzuschließen, damit ich in dieser ruhigeren Umgebung Zeit mit Jugendlichen verbringen kann. Ich plane die zusätzliche halbe bis ganze Stunde ein, um Jugendliche von unserem Treffpunkt nach Hause zu bringen, und betrachte sie als Fortsetzung des Beziehungsbaus vom Treffen oder von der Aktion.

Kapitel 11: Ordnung, Kontrolle und Disziplin unter Rabauken
Ein Schlüsselelement wirksamer Kontaktarbeit ist die Fähigkeit, die Rabauken zu bändigen und im Griff zu behalten, die du dabei womöglich einsammelst. Starke Anführer führen nun einmal. Das ist wunderbar, wenn du sie dazu bekommst, in die Richtung zu führen, die du willst, und eine absolute Katastrophe, wenn sie gegen dich führen.
Ein paar Schlüsselkonzepte haben sich für mich bewährt, damit meine Mitarbeiter und ich das Umfeld im Griff behalten.
Ein starker Leiter im Team. Du brauchst einen Bären
Das bist in der Regel du selbst. Falls nicht, brauchst du einen »Bären« in deinem Team, der sicherstellt, dass alles so läuft, wie du es willst.
(Anmerkung. Du solltest es nie nötig haben, einen rebellischen Jugendlichen einzuschüchtern. Aber jemanden im Team zu haben, bei dem die Jugendlichen ein leichtes Kribbeln verspüren, wenn sie überlegen, sich mit ihm anzulegen, ist in den härtesten Situationen ausgesprochen hilfreich.)
Von Anfang an zu klären, wer hier die Autorität ist (ohne wie ein Feldwebel aufzutreten), ist extrem wichtig, besonders wenn du anfängst, Jugendliche von der Straße anzuziehen, für die die Idee von Autorität ein Fremdwort ist.
Wie? Nun, sag es klar und deutlich. »Das hier ist meine Veranstaltung, und das sind meine vernünftigen Regeln. Wir werden alle eine gute Zeit haben, wenn wir uns innerhalb der Linien bewegen.« Ich empfehle, dass bei dir klare Ansagen gelten, du aber der freundliche, gut gelaunte Kapitän an Bord bist, dem alle gern folgen.
Vorausschauendes Denken
Die große Mehrheit der Störungen entsteht, weil der Leiter nicht vorausgedacht und nicht die simplen Dinge getan hat, die mögliche Probleme entschärfen.
Schau dich im Versammlungsraum um. Gibt es Dinge, die deine Jugendlichen in die Finger bekommen und bespielen werden, wenn sie eigentlich bei etwas anderem sein sollten? Gibt es Ablenkungen, die für einen Jugendlichen schlicht zu verlockend sind? (Ein Stuhl mit Rollen zum Beispiel. Du kannst ziemlich sicher davon ausgehen, dass sich mindestens zwei Jugendliche um das dumme Ding streiten werden und der Sieger das ganze Treffen hindurch durch den Raum rollt, wenn du ihn lässt.)
Solche Gegenstände zu entfernen, bevor deine Jugendlichen eintreffen, erspart dir den Ärger, sie ihnen später vor den Augen der anderen wegnehmen zu müssen.
Ein Sofa im Jugendraum ist in der Regel eine Dauerquelle für Reibereien. Kümmere dich vorher darum, entweder indem du das Sofa entfernst oder gleich einen ganzen Schwung mehr besorgst.
Jugendliche, die säkulare wie die christliche Sorte, streiten sich gern mal um Sitzplätze oder darum, wer auf der Freizeit welches Bett bekommt.
Seit Jahrzehnten nutze ich eine simple Methode, die genau diese Art von Gezänk im Keim erstickt. Wir nennen sie Alter hat Vorrang. Das ist alles. Der Älteste hat die erste Wahl. Natürlich ist das völlig unfair gegenüber den Jüngeren oder denen, die zuerst da waren, aber die Ältesten der Gruppe lieben es, und es gibt den Jüngeren etwas, worauf sie sich in den kommenden Jahren freuen können.
Vorausschauendes Denken funktioniert in vielen, vielen Situationen. Wenn ich zum Beispiel mit Jugendlichen zelten fahre, fahre ich normalerweise vorher hin, erkunde das Gelände, finde heraus, wo die Toiletten sind, und mache die Stellen aus, an die sich die Jugendlichen nach der Nachtruhe davonschleichen wollen, damit ich dort schon auf sie warten kann. Ich will mit einem Vorsprung in Situationen gehen. Das verschafft mir eine stille Autorität unter den Jugendlichen.
Erkläre die Regeln und Grenzen unbedingt, bevor du eine Veranstaltung, Aktion oder Fahrt startest. Geh nicht davon aus, dass deine Pappenheimer wissen, wo die Grenzen liegen, erst recht nicht, wenn sie aus Verhältnissen kommen, in denen Disziplin locker gehandhabt wird und Grenzen willkürlich sind oder gar nicht existieren.
Alle Regeln und Erwartungen sollten nach Möglichkeit im Voraus durchdacht und einfach gehalten werden. Ich könnte zum Beispiel eine riesige Liste mit Raumregeln aufstellen. Kein Kneifen, kein Haareziehen, kein Rülpsen, keine komischen Geräusche, keine umgestülpten Augenlider und vieles mehr. Oder ich sage einfach, »Tu nichts, was einen anderen beim Lernen stört.« Diese kleine Regel deckt so ziemlich alles ab.
Du musst außerdem klarmachen, dass Regelverstöße Konsequenzen haben, aber du musst nicht immer vorab erklären, wie genau die Konsequenzen aussehen. Sagen wir, bei einer Aktion gilt »keine Drogen, kein Alkohol«. Was passiert, wenn jemand die Grenze austestet? Keine vorab festgelegte Strafe zu haben gibt dir den Spielraum, Entscheidungen zu treffen, die im besten Interesse der Gruppe und des Übeltäters liegen. Dazu kommt, dass jeder Verstoß anders ist und vermutlich eine andere Konsequenz braucht.
Übrigens, das alles solltest du mit einem Lächeln im Gesicht tun.
Die kleinen Dinge
Feine Details können helfen, ein Umfeld zu schaffen, das Ordnung und Kontrolle begünstigt. Ein sauberer, ordentlicher Raum lädt eher zu Ordnung ein als ein chaotischer. Ein Raum mit angenehmer Temperatur macht eine Disziplinsituation leichter als einer, der zu heiß oder zu kalt ist.
Die richtigen Werkzeuge zur Hand zu haben (Papier, Stifte, Bibeln, Requisiten und mehr), genug davon zu haben und natürlich in der eigenen Durchführung vorbereitet zu sein, all das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Ordnung, Disziplin und Kontrolle.
Disziplin
Der Sinn von Disziplinarmaßnahmen ist, Verhalten zu verändern. Sie sollten nie verhängt werden, wenn wir wütend sind oder uns über die Dummheit eines Jugendlichen ärgern. Im Allgemeinen reicht eine kleine Portion Disziplin weit und kann dir einen Ruf aufbauen, der sich sogar von einer Jugendgeneration zur nächsten weiterträgt.
Wie gesagt, ich betrachte das Nachhausefahren von Jugendlichen als Teil meiner Kontaktarbeit. Natürlich ist es auch ein Dienst am Jugendlichen und seiner Familie. Eines Abends, wieder auf einer dieser Heimfahrten, hielten wir an einem Tankstellenshop, und ich spendierte den Jugendlichen etwas zu trinken. Ein neues Flaschengetränk war gerade der letzte Schrei, und ein paar der Jugendlichen kauften sich das neue Getränk in seiner hippen Glasflasche.
Während wir am warmen Abend mit offenen Fenstern dahinrollten, bemerkte ich im Seitenspiegel ein Aufblitzen, gefolgt von mehreren lauten Knallern. Zwei der Jugendlichen auf der Rückbank hatten beschlossen, es wäre lustig, ihre Glasflaschen aus meinem Autofenster zu werfen. Glas übersäte jetzt die Wohnstraße, und wäre ein Polizist in der Nähe gewesen, hätte mich ein saftiges Bußgeld erwartet.
Ich fuhr rechts ran und fand schnell heraus, wer die Übeltäter waren.
Ich war stinksauer auf die beiden, das gebe ich ehrlich zu. Aber ich behielt die Ruhe und verkündete nüchtern, dass diese zwei Clowns mein Wohlwollen, meine Großzügigkeit und mein Vertrauen verspielt hätten und für die Heimfahrt nicht länger eingeladen seien. Dann setzte ich sie vor die Tür. Wir waren gut anderthalb Kilometer von ihrem Zuhause entfernt, und es war Nacht.
Sie jammerten und sagten, es täte ihnen leid.
Ich sagte, es täte mir auch leid, aber sie hätten nun die Strafbank betreten, und von der gebe es heute Abend kein Entkommen. Vielleicht würden sie nächste Woche, bei der nächsten Heimfahrt mit mir, anders darüber nachdenken, wohin mit ihrem Müll. Heute Abend aber hätten sie einen schönen, strammen Fußmarsch vor sich, um über all das nachzudenken.
Ich fügte hinzu, »Ach, übrigens, falls eure Eltern wissen wollen, warum ihr zu Fuß nach Hause musstet, sollen sie mich anrufen!«
Natürlich kam nie ein Anruf.
Meine Disziplinarmaßnahme war gerecht, schnell, dem Vergehen angemessen und wirksam. Nie wieder hat jemand etwas aus meinem Auto geworfen. Und manchmal hörte ich mit, wie ein Jugendlicher einen anderen warnte, »Und wirf bloß nichts aus Ricks Auto. Der hält an, egal wo er gerade ist, und lässt dich nach Hause laufen.« Ein Ruf kann manchmal etwas Feines sein.
Ich erzähle diese kleine Geschichte nicht, um zu empfehlen, dass du regelmäßig Jugendliche aus dem Auto wirfst und sie den letzten Kilometer nachts nach Hause laufen lässt. Ehrlich gesagt willst du das vermutlich nicht tun. (Auf Kauai ist es ländlicher, und das war damals, zu meiner Zeit.) Ich erzähle sie, um zu sagen, dass es Momente gibt, in denen härteres Durchgreifen angemessen ist, in denen man die volle Aufmerksamkeit eines Jugendlichen wirklich braucht.
Wann man die Eltern einschaltet
In einer typischen Gemeindesituation gilt, wenn ein Jugendlicher in Sachen Verhalten aus der Spur läuft, werden die Eltern dazugeholt. Bei der Arbeit mit Jugendlichen außerhalb der Gemeinde kann allerdings deutlich mehr Fingerspitzengefühl nötig sein. Hat der Jugendliche, der in Schwierigkeiten steckt, Eltern, die überreagieren oder gegen das Wohl ihres eigenen Kindes arbeiten würden?
Ich erinnere mich, wie ich einen Jungen mit Drogen erwischte und mich entschied, die Eltern nicht einzuschalten. Der Grund? Der Junge hatte seine Drogen aus dem Vorrat von Mama und Papa.
Zu wissen, womit man es zu tun hat, ist entscheidend. Und es versteht sich von selbst, dass jede Form von Missbrauch, jede Suizidäußerung und jedes andere selbstzerstörerische Verhalten an die zuständigen Stellen weitergegeben werden muss.

Kapitel 12: Kontaktarbeit in Familien
Als Alex zum ersten Mal in der Gemeinde auftauchte, kam er vor allem, weil er sich mit einem der Jugendlichen aus unserer Jugendgruppe angefreundet hatte. Es dauerte nicht lange, bis die Botschaft des Evangeliums für ihn real wurde. Während er im Glauben wuchs und immer mehr am Leben der Gemeinde teilnahm (er spielte unter anderem in der Lobpreisband), begannen seine Eltern, die Veränderungen an ihm zu bemerken.
Es dauerte nicht lange, bis auch sie sonntags auftauchten. (Vorher waren sie nur gelegentliche Kirchgänger gewesen.) Innerhalb weniger Jahre hatte die ganze Familie zu Jesus gefunden, und Alexs Vater wurde Teil des Leitungsteams.
Alex dient, während ich dies schreibe, als Jugendpastor in einer Gemeinde an der Ostküste der USA.
Dieses Beispiel ist das Vorzeigebild dessen, was wir uns alle von unseren Bemühungen erhoffen, Jugendliche zu gewinnen. Natürlich gibt es keine Garantien. Aber wir müssen immer daran denken, wenn wir die Hand nach einem jungen Menschen ausstrecken, strecken wir sie auch nach seiner ganzen Familie aus.
Und manche dieser Familiensituationen können ganz schön verzwickt sein.
Wir müssen uns davor hüten, nur auf die Jugendlichen fixiert zu sein und die anderen Menschen, mit denen dieser junge Mensch sein Leben teilt, als weniger wert zu betrachten, unsere Zeit und Energie zu bekommen. Es gibt viele Wege, behutsam Verbindungen zu knüpfen.
Veranstalte zum Beispiel einen Elternabend, bei dem du dich und deine Mitarbeiter vorstellst und erklärst, wer ihr seid und wofür ihr steht. Ein Wort der Vorsicht. Erwarte keinen großen Andrang, wenn du mit Jugendlichen aus instabilen Familienverhältnissen arbeitest. (Wenn es Essen gibt, hol unbedingt verbindliche Zusagen ein. Unsere Erfahrung zeigt, dass auf schwierige Eltern wenig Verlass ist und sie oft wenig echtes Interesse daran haben, was ihre Kinder tun. Wir erzählen uns dann gern, dass wir so gute Arbeit machen, dass die Eltern uns einfach vertrauen und keinen Kennenlernabend brauchen, aber damit schmeicheln wir nur uns selbst.)
Ein Brief an die Eltern neuer Jugendlicher, in dem du dich vorstellst, sie zu allem einlädst, was für sie passend wäre (etwa ein Elternseminar), und ihnen die Wege nennst, dich zu erreichen, ist ein wichtiger erster Schritt.
Deinen neuen Jugendlichen zu ermutigen, jüngere Geschwister zu den Kinderangeboten der Gemeinde einzuladen, ist ein weiterer Weg, die Kontaktarbeit auszuweiten.
Der Punkt ist, dass wir junge Menschen nicht losgelöst von den anderen sehen, die zu ihrem Leben gehören, und dass wir diese Menschen ganz bewusst zu Veranstaltungen einladen und mit ihnen in Verbindung bleiben. Es geht darum, die nötigen Schritte zu tun, um sie in das hineinzuholen, was unsere Glaubensfamilie lebt.
Viel mehr zu diesem Thema findest du im Begleitband dieser Reihe, Engaging Parents as Allies von Wayne Rice.

Ein letztes Wort: Froschküsser
Erinnerst du dich an das alte Märchen vom verwunschenen Prinzen, der im Körper eines Frosches gefangen war und nur erlöst werden konnte, wenn er eine Prinzessin fand, die naiv genug war, ihn zu küssen? Eine großartige Geschichte, die allerdings viele Fragen offenlässt.
Zum Beispiel, wie hoch ist eigentlich das tatsächliche Verhältnis von Fröschen zu verwunschenen Prinzen? Wie viele müsste man abknutschen, bis ein Prinz zum Vorschein kommt?
Wenn du ein Herz für die unerreichten Jugendlichen hast, die durch die Einkaufszentren und Skateparks ziehen, wirst du vermutlich eine ganze Menge Frösche »küssen«. Du wirst deine Liebe, deine Energie und deine Aufmerksamkeit an Jugendliche verschenken, ohne jede Garantie, dass sie darauf antworten.
Manche werden es tun, natürlich, und diese Jugendlichen werden die neuen, jungen Königskinder in Gottes Reich sein.
In manchen Fällen wird die Liebe, die du ihnen gibst, mit Zeitzünder wirken, und die eigentliche Verwandlung ihres Lebens geschieht weit außerhalb deines Blickfelds.
Du solltest außerdem wissen, wer viel mit Fröschen abhängt, holt sich womöglich die eine oder andere Warze. Es kann passieren, dass du ihren Slang übernimmst, an froschiger Musik Gefallen findest und über manches nicht mehr ins Schwitzen kommst, was dich früher ins Schwitzen gebracht hat.
Die zu lieben, die in ihrer Froschwelt gefangen sind und oft gar nicht ahnen, dass ihnen ein Leben jenseits ihres kleinen Seerosenblatts offensteht, ist eine hohe und edle Berufung, und eine, die Jesus uns so eindrücklich vorgelebt hat. Man kann die Selbstgerechten förmlich kreischen hören, »Und du willst der Sohn Gottes sein?? Du … du gibst dich mit Amphibien ab!«
Wir Froschküsser scheinen in guter Gesellschaft zu sein.
Der Apostel Paulus, nach eigener Aussage der oberste unter den Kröten, bekommt in diesem Buch das letzte Wort.
Seht euch doch einmal eure Berufung an, meine Geschwister. Da gibt es nicht viele, die menschlich gesehen weise oder mächtig oder einflussreich sind. Nein, Gott hat gerade das ausgewählt, was der Welt als dumm und schwach erscheint – um die Weisen und Mächtigen zu beschämen. Und was in der Welt keine Bedeutung hat, was verachtet wird, das hat Gott erwählt, und das, was nichts für sie zählt, um das zunichtezumachen, was für sie zählt. Niemand soll sich vor Gott rühmen können. Euch aber hat Gott mit Christus Jesus verbunden, mit ihm, der uns zur Weisheit wurde, die von Gott kommt, zur Gerechtigkeit, zur Heiligkeit und zur Erlösung. Es sollte so kommen, wie geschrieben steht: »Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn.« — 1. Korinther 1,26-31
Vertiefung zu Teil 3
2. Was tust du persönlich, das Jugendliche zu interessieren und anzuziehen scheint? Was könnte den Umgang mit Jugendlichen in eurer Arbeit noch weiter aufpeppen?
3. Wie würdest du dich auf einen Zustrom neuer kirchenferner Jugendlicher vorbereiten? Was würdest du verändern? Was würdest du beibehalten?
Anhang der deutschen Ausgabe
Dieses Buch wird dich anstecken, loszulegen. Aber wer zu kirchenfernen Jugendlichen aufbricht, wird früher oder später mit ihrem Leben und allem, was sie mit sich tragen, konfrontiert. Diese Seiten sind deine Ausrüstungsliste, damit du nachhaltig und mit bestmöglicher Wirkung unterwegs sein kannst.
Die Aufbauphase
1. Geh nie ohne Auftraggeber los, also ohne Träger, Verein oder Kirche, und melde dein Vorhaben bei der verantwortlichen Person für deinen Aufgabenbereich.
Warum ist das wichtig? Ohne Träger bist du rechtlich ein einzelner fremder Erwachsener, der Kontakt zu Minderjährigen sucht, und genau so wirst du im Zweifel auch behandelt. Du hast keinen Versicherungsschutz und haftest bei einem Unfall mit deinem Privatvermögen. Wenn je ein Verdacht oder eine Anschuldigung im Raum steht, berechtigt oder nicht, stehst du ungeschützt und ohne Rückendeckung da. Der Träger ist dein Rückgrat und deine Legitimation gegenüber Eltern, Schulen und Ämtern. Ein guter Träger wird außerdem darauf achten, dass du gut ausgerüstet bist, bevor du losgehst, mindestens auf dem Niveau einer Juleica-Ausbildung. Achte auf deine Grenzen und auf dein eigenes Wohl.
2. Verwechsle deine Kontaktarbeit nicht mit Streetwork, und bleib in deinem Rahmen.
Warum ist das wichtig? Beziehungen knüpfen, gelegentlich Aktionen anbieten, zu Events einladen, das ist gemeindliche Kontaktarbeit, und die darfst du als Ehrenamtlicher mit einer pädagogischen Grundausbildung tun. Aufsuchende Jugendarbeit und Streetwork dagegen, also die regelmäßige, gezielte Arbeit in Szenen und Brennpunkten, ist ein eigenes sozialpädagogisches Fachfeld mit ausgebildeten Fachkräften, und das aus gutem Grund. Dort begegnest du Sucht, Gewalt und Krisen, die die zeitlichen und fachlichen Grenzen des Ehrenamts sprengen. Erkundige dich deshalb, ob es bei euch mobile Jugendarbeit oder Streetwork gibt, stell dich dort vor. Viele Fachkräfte sind froh über verlässliche Kooperationspartner mit Zeit und Beziehungsstärke. Ehrenamt ergänzt Fachlichkeit, es ersetzt sie nicht.
3. Arbeite nicht allein, hol dir von Anfang an mindestens eine zweite Person ins Team.
Warum ist das wichtig? Rick sagt es in diesem Buch selbst, Kontaktarbeit ist Teamarbeit, wer allein zieht, fällt allein. Zu zweit gibt es für jede Situation einen Zeugen, das schützt die Jugendlichen und es schützt dich, eine Anschuldigung gegen einen Einzelnen ohne Zeugen kann eine Berufung beenden, auch wenn sie sich als haltlos erweist. Einzelgespräche führst du sichtbar, offene Tür, öffentlicher Ort, nie im Verborgenen.
4. Zieh nicht ohne Schutzkonzept und ohne generelles Konzept los.
Warum ist das wichtig? Das Schutzkonzept schützt in beide Richtungen, die Jugendlichen vor Übergriffen und dich vor Situationen, in denen ein Verdacht entstehen kann, weil es klare Regeln für Nähe und Distanz, Einzelkontakte, Fahrten und digitale Kommunikation gibt. Ohne Schutzkonzept bekommst du zunehmend weder Förderung noch Kooperationen, keine Schule und kein Amt arbeitet mehr ohne. Dazu gehört auch der Blick ins Register, in Deutschland das erweiterte Führungszeugnis (§ 72a SGB VIII), für Ehrenamtliche mit Trägerbescheinigung in der Regel gebührenfrei. Das generelle Konzept zwingt dich zu wissen, was du eigentlich willst, wer deine Zielgruppe ist und woran du erkennst, ob es wirkt. Wer das nicht in zwei Sätzen sagen kann, macht Aktionismus, und Aktionismus brennt aus, ohne Frucht zu bringen.
5. Hab für dich klar, wer im Ernstfall deine Ansprechpersonen sind und wohin du Jugendliche weiterleiten kannst, deine Meldewege aus dem Schutzkonzept (Punkt 4) nennen sie dir.
Warum ist das wichtig? Wenn dir ein Jugendlicher von Gewalt zu Hause, von Missbrauch oder von Suizidgedanken erzählt, ist das der schlechteste Moment, um erst zu suchen, wer zuständig ist. In Deutschland kann sich jede Person anonym und kostenlos beim örtlichen Jugendamt beraten lassen, auch du als Ehrenamtlicher: Solange keine Namen fallen, ist das eine Beratung für dich, keine Meldung. Auch die Ansprechperson für Kinderschutz bei deinem Träger hilft dir weiter. Bei Verdacht auf sexuelle Gewalt berät dich außerdem das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch, kostenlos und anonym, am Telefon unter 0800 22 55 530 oder online auf hilfe-portal-missbrauch.de. In Österreich beraten die Kinderschutzzentren, in der Schweiz die KESB und regionale Fachstellen. Informiere den Jugendlichen, wo er anonym und kostenlos Beratung erhält (in Deutschland Nummer gegen Kummer, in Österreich Rat auf Draht, in der Schweiz Pro Juventute).
Vor jeder Aktion
6. Kläre vor jeder Aktion, wer die Aufsichtspflicht hat, von wann bis wann, und wie die Übergabe an die Eltern geregelt ist.
Warum ist das wichtig? Die Aufsichtspflicht ist keine Formalie, ihre Verletzung bedeutet zivilrechtliche Haftung und bei Verletzungen von Jugendlichen auch strafrechtliche Konsequenzen. Heikel sind die klassischen zeitlichen Lücken, in denen Jugendliche kommen und gehen, wie der Jugendliche, der zu früh kommt, oder der, der nach dem Ende noch auf dem Parkplatz steht. Wenn du für dich vorher klar hast, ab wann und in welchem Rahmen du verantwortlich bist, kannst du gelassener unterwegs sein.
7. Hol schriftliche Einwilligungen ein, bevor du fotografierst, filmst oder Daten sammelst.
Warum ist das wichtig? Ein einziges ungefragtes Foto im Netz kann das Vertrauen von Eltern zerstören, bevor es entstanden ist, und in manchen Familien, etwa bei Sorgerechtskonflikten, kann ein auffindbares Foto ein Kind real gefährden. Datenschutzverstöße treffen auch Vereine und Ehrenamtliche, nicht nur Konzerne.
In der Begegnung
8. Hab mindestens Visitenkarten mit Kontaktdaten dabei, damit Eltern dich kontaktieren und prüfen können, wer du bist.
Warum ist das wichtig? Eltern kirchenferner Jugendlicher kennen weder dich noch deine Gemeinde, und ihr Misstrauen ist gesunder Schutzinstinkt. Wer erreichbar und überprüfbar ist, unterscheidet sich sichtbar von jedem, der etwas zu verbergen hat, Transparenz ist dein stärkstes Vertrauenssignal. Jeder Elternkontakt beginnt damit, dass Eltern überhaupt wissen, wen sie da anrufen können, im Zweifel auch bei deinem Träger statt nur bei dir.
9. Versprich nichts, was du nicht halten kannst.
Warum ist das wichtig? Der Satz »das bleibt unter uns« ist schnell gesagt und im Ernstfall unhaltbar, denn wenn das Wohl eines Jugendlichen in Gefahr ist, musst du handeln und darfst nicht schweigen. Ein gebrochenes Versprechen zerstört genau die Beziehung, die du aufgebaut hast. Sag stattdessen von Anfang an die Wahrheit: »Ich behalte für mich, was ich für mich behalten kann, aber wenn ich mir Sorgen um dein Wohlbefinden mache, hole ich uns Hilfe, und ich sage dir vorher Bescheid.«
Nach jeder Aktion und Begegnung
10. Dokumentiere besondere Vorkommnisse kurz und sachlich, mit Datum.
Warum ist das wichtig? Erinnerungen verblassen und verändern sich mit der Zeit. Wenn Monate später ein Vorfall aufgearbeitet wird, ein Unfall, ein Konflikt, ein Verdacht, zählt, was zeitnah aufgeschrieben wurde, und das schützt alle Beteiligten, auch die Jugendlichen. Drei Sätze am selben Abend genügen: Was ist passiert, wer war dabei, was habe ich gemacht?
Diese zehn Punkte sind nicht die ganze Ausrüstung. Je nach Angebot, Ort und Zielgruppe kommt Eigenes dazu, Erste Hilfe, Hygieneregeln beim Essen, Absprachen für Fahrten, der Umgang mit digitaler Kommunikation und manches mehr. Dein Träger, deine Ausbildung (Punkt 1) und die Empfehlungen zum Vertiefen helfen dir, deine Liste vollständig zu machen.
Zum Vertiefen
Studienzentrum für evangelische Jugendarbeit Josefstal e. V. (Hrsg.): jugendarbeit.de. Kostenlose, praxisnahe Selbstlernkurse, die die theoretischen Inhalte der Juleica-Grundausbildung vermitteln.
Pulse Ministries gGmbH (Hrsg.): thepulse.org. Material für die Jugendarbeit, Programmideen, Andachten und weitere praxiserprobte Ressourcen.
Wilka, Wolfgang (unter Mitarbeit von Peter L. Schmidt): Recht – gut informiert sein. Rechtsfragen in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: buch+musik 2018. Das Standardwerk zu Aufsichtspflicht, Haftung, Versicherung, Datenschutz und Co., geschrieben aus der Rechtsberatung des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg.
Über Rick Bundschuh

Rick Bundschuh wurde vor etwas mehr als dreiundzwanzig Jahren dazu verurteilt, sein Leben auf der abgelegenen Insel Kauai, Hawaii, zu verbringen. Sein Verbrechen, mehrere Jahrzehnte Jugendarbeit.
Irgendwann beschloss Rick, auf der Insel etwas Einträglicheres zu tun, als jeden Tag zu surfen, und so begann er, jede Menge Bücher zu schreiben, Cartoons zu zeichnen, mit Jugendlichen und mit ein paar Freunden zu arbeiten und eine Gemeinde zu gründen, die auch Menschen gefallen würde, die eigentlich nicht besonders gern in die Kirche gehen. (Sie nannten sie Kauai Christian Fellowship, was ihnen damals ziemlich clever vorkam.)
In der übrigen Zeit versucht Rick, ein guter Ehemann für Lauren zu sein. Er ist fast fertig damit, vier Kinder großzuziehen, und ein Dackel ist auch noch da. (Er plant, Frau und Hund zu behalten, das letzte Kind aber rauszuwerfen, sobald es achtzehn wird.) Rick, seine Familie und ein ganzes Arsenal an Surfboards sind in Poipu auf Kauai zu Hause.
Weitergeben
Dieses Buch ist ein Geschenk. Rick hat aufgeschrieben, was er in Jahrzehnten mit kirchenfernen Jugendlichen gelernt hat. Wenn es dir geholfen hat, gib es weiter an alle, die mit dir Jugendliche erreichen wollen, die nie zur Kirche kommen würden.
Das Buch gibt es auch gedruckt. Schreib uns einfach über das Kontaktformular auf thepulse.org/de/contact, dann schicken wir dir ein Exemplar.
Dieses Buch ist komplett kostenlos. Deine Spende, einmalig oder monatlich, schenkt der Jugendarbeit im DACH-Raum einen neuen Herzschlag: Mit ihr entstehen weitere Ressourcen wie diese.
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Dieser Beitrag ist die vollständige deutsche Fassung des Buchs »Reaching Unchurched Teens« von Rick Bundschuh (Standard Publishing, 2009). Übersetzung und Übertragung in den deutschsprachigen Kontext: Esther Penner, mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors.
Die Bibelverse sind, wenn nicht anders angegeben, der Neuen evangelistischen Übersetzung (NeÜ) entnommen, © 2025 Karl-Heinz Vanheiden (Textstand 2025.10) und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, www.derbibelvertrauen.de. Abdruck mit freundlicher Genehmigung. Im englischen Original zitiert der Autor aus der New International Version (NIV) sowie aus The Message. Für die deutsche Ausgabe wurden diese Stellen einheitlich mit der Neuen evangelistischen Übersetzung wiedergegeben. Jede Bibelstelle ist verlinkt und öffnet den NeÜ-Text auf bibleserver.com.

