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Bibeltext: Epheser 2,14-22 · Dauer: 50 Minuten · Alter: ab 13 · Gruppe: 3 bis 20
»Denn er selbst ist unser Frieden. Er hat aus beiden eine Einheit gemacht. Und durch sein körperliches Sterben hat er die Mauer der Feindschaft niedergebrochen.«
(Epheser 2,14 NeÜ)

Ablauf auf einen Blick

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Alle sechs Bausteine mit Dauer, Inhalt und Material auf einem A4-Blatt, dazu Materialliste und Vorbereitung.

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Material für die ganze Einheit: Jenga-Steine oder Holzklötze (einer pro Person, plus einer für dich) · Kreppband · dünne Eddings · ein Tisch in der Mitte · Beamer oder großer Bildschirm mit Ton · Quiz-Präsentation · Video »Schalom: Frieden« · ein Foto der Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 (Fotostrecke bei Spiegel Geschichte) · Teelichter und Feuerzeug (oder LED-Teelichter) · ein Kreuz oder ein sicherer Platz für die Kerzen · Bibeln oder Bibel-App

Vorbereitung

  • Auf beide Seiten jedes Steins einen Streifen Kreppband kleben, so dass man direkt darauf schreiben kann. Die Jugendlichen beschriften zuerst nur die eine Seite (Trennung). Dieses Band wird später abgerissen, bevor die andere Seite (Verbundenheit) beschriftet wird.
  • Einen Stein selbst vorbereiten, beschriftet mit »Jesus«. Er bleibt in deiner Tasche bis zum Transfer.
  • Quiz durchklicken und entscheiden, ob ihr alle 24 Fragen spielt oder zehn davon.
  • Video einmal anspielen, Ton prüfen. Foto vom 9. Oktober auf den Bildschirm legen.
  • Epheser 2,14-22 einmal selbst lesen.
  • Platz für die Kerzen so wählen, dass nichts anbrennen kann.

Hinweis für Jugendleiter

Es ist dir überlassen, ob du alle unten beschriebenen Elemente einsetzt oder nur eines davon. Sie bieten die Möglichkeit, sich mit dem Thema der Gruppenstunde auf unterschiedliche Weise zu befassen. Es sind Werkzeuge für dich. Du entscheidest, wie du sie einsetzt. Wichtig ist:

  • Sei flexibel und passe die Aktivitäten der Gruppendynamik an.
  • Achte darauf, dass alle Jugendlichen einbezogen werden und sich wohlfühlen.
  • Sei sensibel für emotionale Reaktionen, besonders wenn es um persönliche Themen geht.

Wenn Jugendliche aus Familien mit Ost-Geschichte in deiner Gruppe sind, haben sie vielleicht eigene Erzählungen von Großeltern oder Eltern. Gib ihnen Raum, aber lass die Stunde nicht zur Debatte über heute werden. Es geht um Mauern zwischen Menschen und um den, der sie einreißt, nicht um Parteien.

1. Quiz »Tag der Deutschen Einheit«

⏱️ 10 Minuten mit zehn Fragen, 20 bis 25 Minuten mit allen 24 Fragen

🧰 Beamer, Quiz-Präsentation

Das vollständige Quiz hat 24 Fragen und vier Witze zum Schluss. Mit 30 Sekunden pro Frage plus Auflösung und Fun Fact dauert es 20 bis 25 Minuten. Wenn ihr die Zeit habt, spielt es ganz. Sonst wähle vorher zehn Fragen aus.

Quiz »Tag der Deutschen Einheit« Download

24 Fragen und vier Witze als PowerPoint, dazu alle Folien als Bilder. Zum Vorführen mit Beamer oder Bildschirm.

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2. Aktivität »Die unsichtbaren Mauern«

⏱️ 6 Minuten

🧰 Jenga-Steine mit Kreppband, Eddings, ein Tisch in der Mitte

Erkläre: Am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland nach Jahrzehnten der Trennung offiziell wieder ein Land. Aus diesem Grund feiern wir am 3. Oktober den Tag der Deutschen Einheit. Die echte, physische Mauer aus Stein und Stacheldraht, die Familien und Freunde trennte, wurde damals friedlich zu Fall gebracht.

Aber Mauern gibt es nicht nur aus Stein. Auch heute stehen wir ständig vor unsichtbaren Mauern.

Verteile die Jenga-Steine und Eddings.

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Wo erlebt ihr im Alltag Trennung? Wo gibt es Mauern zwischen Menschen?

Erkläre: Schreibt Schlagworte, die euch dazu einfallen, auf euren Stein. Ein Beispiel wäre »Vorurteile« (Weitere, falls die Gruppe hängt: Gerüchte, Mobbing, Neid, Streit, Arroganz, Rassismus). Aus diesen Steinen bauen wir eine Mauer. Sobald ihr fertig seid, legt ihr euren Stein hier vorne dazu, Stein auf Stein, in einer geraden Reihe.

Achte darauf, dass die Mauer wirklich als einfache Reihe gebaut wird, nicht im Verband. Sie darf wackelig aussehen.

❓
Schaut euch die Mauer an. Welche von diesen Steinen nehmt ihr in der Schule wahr? Welche in Freundschaften? Welche in der Familie? Welche in der Gesellschaft?

Lass die Jugendlichen die Schlagwörter einfach rausrufen.

3. Story »Leipzig, 9. Oktober 1989«

⏱️ 5 Minuten

🧰 Foto der Montagsdemonstration

Zeig das Foto vom 9. Oktober (Spiegel-Fotostrecke, Link oben bei Material)

❓
Wer von euch hat dieses Bild schon mal gesehen?

Erzähle: Das ist ein Foto der Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig. Seit 1982, also sieben Jahre lang, trafen sich jeden Montag um 17 Uhr Menschen in der Nikolaikirche zum Friedensgebet. Die Kirche war in der DDR der einzige Ort, an dem man sich überhaupt versammeln durfte. Am Anfang waren es ein paar Dutzend.

An diesem Montagabend war die Kirche so voll, dass drei weitere Kirchen aufgemacht haben. Danach gingen die Leute raus auf den Ring, um für Freiheit zu demonstrieren.

Vier Monate vorher hatte die chinesische Armee in Peking eine Demonstration niedergeschossen, und viele in der DDR hatten Angst, dass das jetzt auch hier passiert. In Leipzig standen an diesem Montag Polizei, Armee und Kampfgruppen bereit. Krankenhäuser hatten zusätzliche Betten und Blutkonserven vorbereitet.

Aber rund 70.000 Menschen schritten friedlich die Straße entlang und hielten in ihren Händen als Symbol eine Kerze. Und die Truppen griffen nicht ein.

»Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.« – unbekannt

Einen Monat später fiel die Mauer.

Es gab noch mehr Gründe dafür. Moskau schickte keine Panzer mehr, die DDR war pleite, Zehntausende flohen über Ungarn, und am 9. November hat sich ein Politiker bei einer Pressekonferenz versprochen. Alles wichtig. Aber dass es friedlich blieb, dass kein einziger Schuss fiel, liegt daran, dass sieben Jahre lang Menschen in einer Kirche zusammenkamen und dort gelernt haben, dass Veränderung nicht mit Gewalt kommt. Sie haben es Gott zugetraut. Selbst viele, die gar nicht an ihn glaubten, zog es dorthin.

Einen Monat nach diesem Abend in Leipzig war die Mauer offen. Aber es dauerte noch fast ein Jahr, bis am 3. Oktober 1990 aus Ost und West eins wurde. Und selbst nach der offiziellen Wiedervereinigung hat es noch lange gedauert, wieder ein Land zu werden, weil es mehr braucht als nur ein Abkommen. Dazu schauen wir uns jetzt ein Video an.

4. Video »Schalom: Frieden«

⏱️ 4 Minuten Video, 4 Minuten Gespräch

🧰 Beamer, Ton

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Schaut euch das Video Schalom – Frieden vom BibleProject (deutsche Fassung) an.

BibleProject: Schalom – Frieden (deutsche Fassung, 4 Minuten)

❓
Im Video ist eine Mauer ohne Löcher ein Bild für Frieden. Auf dem Tisch steht unsere Mauer, und die ist kein Bild für Frieden. Wo liegt für euch der Unterschied? Die eine hat keine Löcher und schützt, die andere steht zwischen zwei Seiten.

5. Vertiefung

⏱️ 15 Minuten

🧰 die beschrifteten Steine, Eddings, der vorbereitete Stein »Jesus«

Erkläre: Im Video wurde eine Mauer ohne Löcher als Bild für Frieden benutzt, und die Mauer, die wir hier auf dem Tisch gebaut haben, ist damit nicht zu vergleichen. An sich ist eine Mauer etwas Neutrales. Den Zweck bekommt sie von dem, der sie baut. Ist sie zum Schutz gedacht, um Frieden zu schaffen? Oder um Menschen die Freiheit zu nehmen und den Frieden zu nehmen?

📖 Lest gemeinsam Epheser 2,14-18.

Paulus schreibt hier von einer Mauer zwischen Menschen. Einer Mauer, die trennt. Damals war das die Mauer zwischen Juden und allen anderen, mit Regeln, wer dazugehört und wer nicht. Berlin hatte so eine Mauer. Und in unserem Leben taucht so eine Mauer auch immer wieder auf, nicht sichtbar für das Auge, aber sichtbar für unser Inneres.

Jesus ist der ultimative Mauereinreißer. Er ist zu den Leuten gegangen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt wurden. Die unsichtbaren Mauern aus Vorurteilen und Hass hat er einfach ignoriert. Jesus ist mit seinem eigenen Leben, am Kreuz zum Frieden für uns geworden. Gottes Idee für uns ist nicht Trennung, sondern Gemeinschaft und Einheit. Und dafür hat Paulus im selben Kapitel ein Bild.

📖 Lest Epheser 2,19-22.

Jeder Mensch ist hier ein Stein, und Jesus ist der Eckstein, an dem sich alles ausrichtet. Das ist das Bauwerk, das verbindet statt trennt.

Das ist übrigens auch der Unterschied zwischen den zwei Feiertagen. Am 9. November feiern wir den Mauerfall. Am 3. Oktober feiern wir die Wiedervereinigung von Ost und West. Paulus macht in Epheser 2 genau diese zwei Schritte, mit ein paar Versen Abstand statt elf Monaten.

Das ist der Unterschied zwischen einem Waffenstillstand und Schalom. Beim Waffenstillstand hört man auf zu kämpfen und geht sich aus dem Weg. Bei Schalom sorgt man für das Wohl des anderen. Ein Friedensvertrag hätte Ost und West auch einfach nebeneinander liegen lassen können. Einheit war mehr als das.

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Alternativ oder zusätzlich: Johannes 14,27 (»Meinen Frieden gebe ich euch«) oder Micha 4,3 (Schwerter zu Pflugscharen). Der Micha-Vers war das Zeichen der kirchlichen Friedensbewegung in der DDR: ein Aufnäher, ab 1980 verteilt, 1982 vom Staat verboten. Man durfte ihn nicht auf der Jacke tragen.

Erkläre: Die Mauer in Deutschland fiel nicht durch Gewalt, sondern weil Menschen mutig waren, Kerzen in die Hand nahmen und für Freiheit auf die Straße gingen. Sie haben der Spaltung etwas entgegengesetzt.

❓
Wie können wir heute im Kleinen anfangen, Mauern einzureißen?

Nimm einen Stein aus der Mauer und reiß das beschriftete Kreppband ab. Gib dem Jugendlichen, der antwortet, diesen Stein und lass ihn auf das Band auf der anderen Seite einen Begriff schreiben, der für Verbundenheit und Frieden steht. Mach das mit jedem Stein, bis die Mauer abgetragen ist und alle Steine einen neuen Begriff tragen.

Impulse, falls die Antworten stocken:

  • Zuhören statt urteilen: Wenn jemand anders denkt oder aussieht als wir, ziehen wir oft sofort eine innere Mauer hoch. Wie wäre es mit einer Brücke?
  • Frieden stiften: Mutig sein und ein klärendes Gespräch suchen, statt einen Streit auf WhatsApp eskalieren zu lassen.
  • Gemeinschaft leben: Niemanden allein am Tisch sitzen lassen.

Jetzt holst du den Stein »Jesus« aus der Tasche und legst ihn als ersten Stein auf den Tisch. Sag dazu:

Der erste Stein liegt schon, bevor ihr anfangt. Jesus hat die Trennung zwischen uns und Gott am Kreuz abgerissen, ohne dass wir irgendetwas dazu getan haben. Auf diesem Stein könnt ihr bauen. Ohne ihn wackelt alles, mit ihm hält es.

Dann bauen alle gemeinsam aus den neu beschrifteten Steinen einen Turm mit dem Jesus-Stein unten.

Erkläre: Diese Steine sind das Fundament für Verbundenheit und Frieden, und dieses Fundament haben wir nur dauerhaft, wenn wir mit Jesus unterwegs sind.

6. Next Step

⏱️ 6 Minuten

🧰 Next-Step-Zettel mit Fragen und Stifte, Teelichter, Feuerzeug, Kreuz oder sicherer Platz

Verteile die Next-Step-Zettel und Stifte.

Next-Step-Zettel Download

Die drei Fragen mit Platz zum Schreiben. A4 quer, zwei Zettel pro Blatt.

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Erkläre: Gott gibt uns die Kraft, diese Mauern in unserem Alltag zu überwinden. Wir sind nicht dazu berufen, trennende Mauern zu bauen, sondern Brücken. Deshalb nehmt euch jetzt ein paar Minuten Zeit, über die Fragen auf dem Next-Step-Zettel nachzudenken und einen Schritt für euch festzumachen, den ihr diese Woche gehen möchtet. Anschließend dürft ihr ein Teelicht anzünden und es als Zeichen für euren Schritt zum Kreuz bringen (oder zum vorbereiteten Platz).

Achte darauf, dass nichts anbrennen kann; LED-Teelichter tun es auch.

❓
Wo steht gerade eine Mauer zwischen dir und jemandem, an der du selbst mitgebaut hast?
❓
Im Video hieß es: Frieden schließen heißt, für das Wohl des anderen zu sorgen. Was wäre das ganz konkret bei der Person, an die du gerade denkst? Nicht nur »nicht mehr streiten«, sondern etwas Gutes?
❓
Die Leute in Leipzig hatten Angst und sind trotzdem gegangen. Was wäre deine Kerze, dein kleiner Schritt, den du diese Woche gehen könntest?

Erkläre: Dann habe ich noch eine Challenge für euch:

  • Wenn du schon mit Jesus unterwegs bist: Bete jeden Tag einmal für diese Person, so wie in der Nikolaikirche montags gebetet wurde, lange bevor irgendetwas sichtbar wurde.
  • Wenn du mit Jesus noch nicht unterwegs bist: Beobachte diese Woche, was deine gute Tat mit der Mauer macht. Und stell dir ehrlich die Frage, was dich zurückhält.

Schließe mit einem Gebet ab.

ℹ️
Quellen: Ablauf des 9. Oktober 1989 nach Stadt Leipzig und Chronik der Mauer (Bundeszentrale für politische Bildung, Bundesstiftung Aufarbeitung, Deutschlandradio). Die Zahl 70.000 ist eine Schätzung aus dem Umfeld der Nikolaikirche. Das Kerzen-Zitat steht in Erich Loests Roman »Nikolaikirche« (1995) und wird oft Horst Sindermann zugeschrieben, ist aber nicht als sein Ausspruch belegt. Dass viele Teilnehmer der Friedensgebete keine Christen waren, belegen Zeitzeugen wie der Bürgerrechtler Uwe Schwabe und die Forschung zur Friedlichen Revolution.