Teil 1 von 4 der Eltern-Serie »Du bist mehr als Körper und Gehirn«.

»Sagt nicht ›Bless you!‹ Ihr habt keine Seelen!«

Der Physiklehrer unserer Tochter war vermutlich einfach genervt von seinen vierzehnjährigen Schülern und der Unruhe, die jedes Niesen in die Klasse brachte. Trotzdem zogen wir die Augenbrauen hoch, als sie uns erzählte, dass er das der ganzen Klasse zugerufen hatte. Im Englischen wünscht man nach dem Niesen »Bless you«, wörtlich »sei gesegnet«, dort, wo wir »Gesundheit!« sagen. Dahinter steckt die mittelalterliche Vorstellung, dass beim Niesen böse Geister den Körper verlassen und man deshalb einen Segenswunsch braucht: eigentlich eine harmlose Tradition. Aber für diesen Lehrer war es eine Gelegenheit, die jungen Köpfe auf Linie zu bringen, ganz im Sinne seines säkularen Verständnisses davon, was es heißt, Mensch zu sein.

Wenn du, wie wir, Kinder mitten in einer säkularen Kultur großziehst, kennst du den Kampf um diese grundlegendste aller Fragen: »Was heißt es, Mensch zu sein?«

Ob von Lehrern, YouTubern oder BBC-Wissenschaftsmoderatoren, die Botschaft scheint immer dieselbe zu sein: Du bist nicht mehr als ein Körper und ein Gehirn.

Unsere Kultur hat die Existenz Gottes und eines Lebens nach dem Tod beiseitegelegt und sich stattdessen das zu eigen gemacht, was sie für ein wissenschaftlicheres und damit zutreffenderes Verständnis des Universums hält. Wenn wir unseren Kindern helfen wollen, sich in der Frage nach dem Menschsein zurechtzufinden, müssen wir zuerst die säkulare Sichtweise verstehen.

»Die Wissenschaft kann alles erklären«

Rechne zunächst damit, dass deinem Kind beigebracht wird, die Wissenschaft könne für alles eine Erklärung liefern. Bei uns zu Hause arbeiten wir daran, den Mythos zu entkräften, Wissenschaft und christlicher Glaube seien unvereinbar. Stattdessen helfen wir unseren Kindern zu sehen, welche Rolle die Wissenschaft spielt: ihr erstaunliches Potenzial und ihre offensichtlichen Grenzen.

Die Wissenschaft kann uns Erstaunliches und Faszinierendes darüber sagen, wie die Welt funktioniert. Aber sie kann Fragen wie »Wie hat alles angefangen?«, »Wozu sind wir hier?« und »Was ist der Sinn des Lebens?« nicht beantworten. Sie kann die Warum-Fragen nicht beantworten. Das zugänglichste Buch, das wir zu diesem Thema gefunden haben, ist Wozu Glaube, wenn es Wissenschaft gibt? vom Oxford-Professor Dr. John Lennox. Wir finden: Dieses Buch sollte in jedem christlichen Elternhaus stehen.

»Es wirken nur natürliche Kräfte«

Zweitens: Trotz kurzer Ausflüge ins Spirituelle ist der Naturalismus die Grundüberzeugung unserer säkularen Kultur. Das ist der Glaube, dass im Universum ausschließlich Naturgesetze und natürliche Kräfte am Werk sind. Der Glaube an das Übernatürliche oder an irgendetwas jenseits dessen, was sich wissenschaftlich beobachten und messen lässt, ist ausgeschlossen. Ein Weltbild auf der Basis des Naturalismus war es, das den Physiklehrer unserer Tochter rufen ließ: »Ihr habt keine Seelen!«

»Wir sind Materie und sonst nichts«

Drittens: Der Materialismus ist das Gegenstück zum Naturalismus. Das ist der Glaube, dass nichts existiert außer Materie, ihren Bewegungen und Veränderungen. Jeder Gedanke, jede Handlung, jeder Wunsch und jede Entscheidung eines Menschen geht demnach auf die Materie in unserem Gehirn zurück, auf unsere DNA. Richard Dawkins hat bekanntlich behauptet, wir würden bloß »zu unserer DNA tanzen«:

»Das Universum, das wir beobachten, hat genau die Eigenschaften, die wir erwarten müssten, wenn es im Grunde kein Design gibt, keine Absicht, kein Böses und kein Gutes. Nichts als blinde, erbarmungslose Gleichgültigkeit.« — Richard Dawkins

Das heißt: Unsere DNA treibt uns an, uns in Sicherheit zu bringen, Nahrung zu finden und zu überleben. All unsere Sehnsüchte und Gefühle, unsere Erfahrungen von Schönheit und Liebe und letztlich unsere Entscheidungen sind nichts als das Ergebnis unserer Biochemie. Wir sind Materie und sonst nichts.

Die christliche Geschichte liest sich anders

Sie beginnt mit einem bewussten Gott, der sein Ebenbild mit den Menschen teilt, die er geschaffen hat. Statt eines komplexen Klumpens Materie bestätigt die Bibel: Wir sind Seelen mit einem Körper. Unser wahres Wesen ist körperlich und geistlich zugleich. In Gottes Ordnung sind Körper und Seele gleichermaßen wertvoll, und beide finden ihre endgültige Heilung in seinem Reich.

Es stimmt: Wir können unsere Seele nicht in ein Reagenzglas gießen und keine wiederholbaren Laborexperimente durchführen, die ihre Reichweite vermessen. Aber wir können unseren Kindern helfen zu lernen, die Gegenwart ihrer Seele wahrzunehmen. Wir sind überzeugt: Das bringt sie ein gutes Stück weiter auf dem Weg, ihre wahre geistliche Natur zu verstehen, während sie heranwachsen und mit der Frage ringen, was es heißt, Mensch zu sein.

In dieser Serie helfen wir dir, die Sehnsüchte unserer Seele erkennen zu lernen: Regungen, die sich schwer allein durch physische Materie erklären lassen und die sich innerhalb der Grenzen dieses Lebens kaum stillen lassen. Wir werden praktisch und zeigen drei Wege, wie du deinem Kind helfen kannst, seine wahre geistliche Natur zu erleben, indem du auf seine Seele in Aktion hinweist: durch Momente von Staunen und Ehrfurcht, über seine Sehnsucht nach Gerechtigkeit und indem du Momente der Verbundenheit übersetzt.

Dieses erfahrungsbasierte Fundament ist für deine Kinder genauso entscheidend wie ein biblisches Fundament. Du könntest dich hinsetzen und versuchen, deinen Kindern etwas über ihre Seele »beizubringen«. Aber unterschätze nicht die Rolle der Erfahrung beim Aufbau ihres Weltbilds.


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Mensch sein heißt: ein geistliches Wesen sein. Die Bibel wird es deinem Kind sagen, und seine gelebte Erfahrung auch.

Das Buch bestellen

Wozu Glaube, wenn es Wissenschaft gibt? von John Lennox, SCM R. Brockhaus, ist die deutsche Ausgabe von Can Science Explain Everything?. Bestellen kannst du es beim SCM-Shop, bei Amazon, Thalia oder bei einer unabhängigen Buchhandlung.

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In Zusammenarbeit mit Start to Stir. Original von Joy Stevens: »You are more than a body and brain: Help Your Child Discover Their Soul«. Deutsche Übersetzung: Andy Fronius (Pulse-Team).